Irgendwann flüchteten sich die Spieler in Galgenhumor. "Wir haben darüber geflachst, ob wir es wohl als Deutschlands dümmste Mannschaft mit null Punkten in der gesamten Saison in die Sportschau schaffen", erzählt Harald Meisel und lacht. Allerdings: "Lustig war das wirklich nicht." Doch diese Diskussion haben der Spieletrainer des FC Ziegel-anger und seine Mannschaft nun hinter sich gelassen. Nach 15 Niederlagen und 4:79 Toren schafften sie mit 1:0 beim SC Lußberg-Rudendorf den ersten Saisonsieg. "Das war wunderbar, ganz super", sagt dazu Sportvorstand Michael Duscher, der in dem Zeiler Vorortverein selbst als Angreifer aufläuft und auch in Lußberg auf dem Platz stand.
Bereits in der 6. Minute erzielte Sebastian Curth den entscheidenden Treffer. Dass die Ziegelangerer auch ein bisschen Glück hatten, bestreitet Duscher nicht, "unser Torwart Stefan Böttcher hat beispielsweise einen Elfmeter gehalten, und einmal haben wir auf der Linie geklärt". Aber unverdient sei dieser Sieg nicht gewesen, denn "wir hatten auch Möglichkeiten. Ich selbst habe zwei klare Chancen vergeben". Und außerdem hatten die Ziegelangerer einen Schock zu verdauen, als sich kurz nach dem 0:1 Kevin Zehner schwer verletzte und das Spiel lange unterbrochen wurde. "Er hat sich das Wadenbein knapp über dem Knöchel gebrochen und die Bänder gerissen", berichtet Duscher.
Schon wieder müssen die Ziegelangerer also auf einen Spieler verzichten, wie so oft in dieser Saison. "Wir haben wirklich ewig viele Verletzte", sagt der Sportvorstand. Das hat schon im ersten Saisonspiel begonnen, als sich Schlussmann Benedikt Budau, einer von zwei Neuzugängen, die Kniescheibe gebrochen und danach seine Laufbahn beendet hat. Nur wenig später fiel der zweite "Neue", Stefan Rittel, wegen eines Bänderrisses aus. Von der Aufstiegs-Euphorie nach der B-Klassen-Meisterschaft mit 66 Punkten aus 24 Spielen und 138:14 Toren war somit schnell nichts mehr zu spüren. "Wir haben schon gewusst, dass es in der A-Klasse schwerer wird, aber wir hätten nicht gedacht, dass wir so unter die Räder kommen. Da ist dann auch viel Kopfsache", erklärt Duscher.
Dass angesichts dieser Misserfolgsserie die Stimmung in der Mannschaft gelitten hat, bestreitet er nicht. "Da muss man unserem Trainer Harald Meisel wirklich ein großes Lob aussprechen. Er hat stundenlang telefoniert, um überhaupt eine Mannschaft zusammenzubringen, hat an die Spieler appelliert, dass wir zusammenhalten müssen, wenn einer gesagt hat, dass er keinen Bock mehr hat." Immerhin: Auch als es Niederlage nach Niederlage setzte, hat der FC Zie-gelanger kein einziges Spiel seiner Ersten Mannschaft abgesagt, und auch die "Zweite" ist nur einmal nicht angetreten.
Trotz der Erleichterung haben die Ziegelangerer Fußballer am Sonntag nicht ausgiebig gefeiert. "Wir sind noch ein bisschen in Lußberg geblieben, und auch die Zuschauer dort haben gesagt, dass wir nicht unverdient gewonnen haben", erzählt der Spielertrainer. Wahrscheinlich habe der Gegner "das Spiel nicht ganz so ernst genommen. Das hat man auch anfangs an der Aufstellung gesehen. Danach haben sie es aber schon probiert, so schwach waren sie bestimmt nicht".
Mit dem einen Sieg und drei Punkten wollen sich die Ziegelangerer nun nicht zufrieden geben. Zehn Spiele haben sie bis zum Saisonende am 21. Mai noch zu absolvieren, und "wir wollen noch so viele Gegner wie möglich ärgern", verspricht Duscher. Doch auch er weiß, dass der Klassenerhalt angesichts eines Rückstands von elf Punkten zum rettenden vorletzten Rang so gut wie ausgeschlossen ist.


Mit neuem Trainerduo

In die neue Saison, dann wieder in der ungeliebten B-Klasse, macht der FCZ, gegründet 1921 und damit immerhin der fünftälteste Verein in der Maintal-Region nach Zeil (1908), Haßfurt (1917), Eltmann (1919) und Sand (1920), einen Neuanfang. Harald Meisel beendet sein drittes Trainer-Engagement beim Verein, "ich habe zwar Anfragen, aber ich will mal ein Jahr Pause machen", sagt er dazu. Mit Timmy Moser und Oliver Glos haben die Ziegelangerer ein ehrgeiziges Trainerduo gefunden, das auch Augenzeuge des 1:0 in Lußberg war. "Seitdem bekannt ist, dass die beiden kommen, ist auch die Trainingsbeteiligung wieder besser geworden", hat Duscher festgestellt. Denn die Spieler haben gemerkt, dass der Verein die laufende Saison schnell überwinden will. "Wir wollen wieder aufsteigen, dass ist ganz klar das Ziel", macht der Sportvorstand deutlich.