Wer mit Walter Moritz über sein Hobby spricht, hört zwei Worte immer wieder: "Respekt" und "Emotionen". Der Haßfurter, der beim Verbandstag des Bayerischen Fußballverbands (BFV) zum Verbandsschiedsrichterobmann gewählt worden ist, sieht beide Begriffe untrennbar mit seinem Sport verbunden. Man könne im Fußball nicht alle Fälle zweifelsfrei regeln, "Emotionen gehören einfach dazu und machen einen großen Teil des Reizes aus", sagt er. Doch bei allem Engagement und aller Aufregung müsse alles "mit Respekt über die Bühne gehen und nicht unter der Gürtellinie. Das ist immer wieder mein Appell: Wenn wir uns immer mit gegenseitigem Respekt begegnen, die Schiedsrichter den Vereinen und die Vereine den Schiedsrichtern, ist das eine tolle Sache und macht es allen leichter."

Moritz übernimmt das Amt des obersten bayerischen Schiedsrichters zu einer Zeit, in der dieser Respekt abnimmt - oder zumindest
abzunehmen scheint. Angriffe, oft mit Worten, in einigen wenigen Fällen aber auch körperlich, auf die Unparteiischen werden öfter registriert. Nicht zuletzt aus diesen Gründen ist die Zahl der Referees rückläufig. Kein Wunder, dass das Vorhaben "Schiedsrichter-Gewinnung und -Erhalt" für den neuen Verbandsobmann mit ganz oben auf seiner Liste steht - in Zusammenarbeit mit den Vereinen, "denn ohne die Vereine geht es nicht". Als zweites Kernvorhaben für die kommenden Jahre sieht Moritz die weitere Entwicklung und Qualifizierung der bereits aktiven Referees an - "aber was das betrifft, bin ich guter Dinge", sagt er.

Seit 24 Jahren Schiedsrichter

Walter Moritz kam im Rahmen seiner Trainerausbildung vor rund 24 Jahren zur Schiedsrichterei und leitete Begegnungen bis zur Bayernliga. 2003, ein Jahr nach seiner Berufung in den Lehrstab des BFV, beendete er seine Laufbahn und ist seitdem neben seiner Verbandstätigkeit als Schiedsrichter-Beobachter im Einsatz. Dies möchte er auch nach seiner Wahl zum Obmann weiterführen, "denn wenn man nicht dabei bleibt, verliert man den Bezug zur Basis", erklärt er. Bei rund 35 bis 40 Begegnungen pro Jahr in den Verbandsligen (Landesliga bis Regionalliga) sowie in den Jugend-Bundesligen ist der 48-Jährige im Einsatz.

Diese Begegnungen sind noch nicht eingerechnet, wenn er den zeitlichen Aufwand für sein Hobby einschätzt. Auf rund 15 Stunden pro Woche komme er dabei bestimmt, sagt der technische Angestellte bei der Tiefbauverwaltung des Landkreises Haßberge, der dem Verbandsschiedsrichter-Ausschuss seit knapp eineinhalb Jahren angehört. Ob sich dieser Aufwand noch vergrößern wird, könne er noch nicht abschätzen, sagt der neue Verbandsobmann. Klar ist jedenfalls, dass er als Vertreter und Sprecher der Unparteiischen im Vorstand des BFV künftig öfter bei Sitzungen in München oder für repräsentative Aufgaben gefordert sein wird.

Chef eines vierköpfigen Gremiums

Im Verbandsschiedsrichterausschuss ist Moritz Chef in einem vierköpfigen Gremium. "Mein Vertreter ist Josef Maier", erläutert er. Der Oberbayer koordiniert den Einsatz der Beobachter und ist Verbindungsmann zur DFB-Schiedsrichter-Kommission. Neu im Ausschuss sind Walter Hofmann (Mittelfranken), der die Einteilung der Referees in der Bayernliga und Landesliga vornimmt, und Michael Güßregen (Oberfranken), der die "Schiris" für die Jugendligen des Verbands einteilt und zudem die Ausbildung und Lehrgänge der Unparteiischen koordiniert.

"Mein Part ist die Einteilung für die Regionalliga und die Bayernliga-Beobachter", sagt Moritz. Zudem wolle er sich verstärkt der Aufgabe widmen, neue Leute für das Schiedsrichteramt zu gewinnen und die aktiven Schiedsrichter für den Verband zu erhalten. "Wenn wir den Bestand halten könnten, also keine roten Zahlen schreiben, würde das schon ausreichen", sagt er. Wenn nicht, werde es schwierig, alle offiziellen Spiele mit amtlichen Unparteiischen zu besetzen.

Nachfolger von Rudi Stark

Als Verbandsschiedsrichter-Obmann folgt der Haßfurter dem Landshuter Rudi Stark nach, der mit 72 Jahren nun nicht mehr zur Wiederwahl antrat. Stark führte die bayerischen Schiedsrichter zwölf Jahre lang. Wie lange er dieses Amt ausfüllen wolle, darüber mache er sich derzeit "keine Gedanken", erklärt Moritz. "So lange man uns wünscht, machen wir das. Ich nehme es, wie es kommt, und werde darüber immer wieder neu entscheiden."