Sie haben in und für Zeil Geschichte geschrieben

2 Min
Christoph Winkler (rechts) wurde der Ehrentitel Altbürgermeister verliehen. Nachfolger Stadelmann übergab seinem Vorgänger die Urkunde.
Christoph Winkler (rechts) wurde der Ehrentitel Altbürgermeister verliehen. Nachfolger Stadelmann übergab seinem Vorgänger die Urkunde.
Ludwig Leisentritt (rechts) ist Ehrenbürger von Zeil. Bürgermeister Thomas Stadelmann überreichte dem 75-Jährigen die Urkunde und gratulierte dem verdienten Heimatforscher zu der Ernennung. Fotos: Klaus Schmitt
Ludwig Leisentritt (rechts) ist Ehrenbürger von Zeil. Bürgermeister Thomas Stadelmann überreichte dem 75-Jährigen die Urkunde und gratulierte dem verdienten Heimatforscher zu der Ernennung.  Fotos: Klaus Schmitt
 

Die Stadt Zeil würdigte zwei große Persönlichkeiten: Ludwig Leisentritt wurde Ehrenbürger, und Christoph Winkler bekam den Ehrentitel Altbürgermeister. So unterschiedlich die beiden sind, in ihrem Ziel sind sie sich einig.

Das Studium alter Akten "ist beschwerlich und zuweilen staubig." Wer könnte das besser beurteilen als der Zeiler Stadtarchivar Ludwig Leisentritt? Jeden Zettel, jedes Dokument, das im Zeiler Stadtarchiv aufbewahrt wird, hat der heute 75-Jährige in der Hand gehabt. Und im Diözesanarchiv hat er jeden Karton durchgesehen. Tausende dürften das gewesen sein. Eine mühsame Aufgabe ist die Archivarbeit. Aber Freude bereitet sie nach wie vor. "Spaß macht es mir heute noch", in alten Unterlagen zu blättern, bekennt Ludwig Leisentritt, der bei einem Festakt im Rudolf-Winkler-Haus zum Ehrenbürger von Zeil ernannt worden ist.

Er hält diese Tätigkeit für ungemein wichtig, denn Heimatforschung schaffe Identität, sagt Leisentritt, der bereits in den 50er Jahren den ersten Kontakt mit der Geschichtsarbeit vor Ort hatte: Er schaute damals alte Ratsprotokolle an, die er zwar nicht gleich lesen konnte. 1#googleAds#100x100 Aber sein Interesse war geweckt. Das Ergebnis seiner Arbeit: Leisentritt hat 200 Leitz-Ordner mit lokaler Historie gefüllt.

Nicht zuletzt seine Leistungen auf dem Gebiet der Heimatforschung waren es, die den Zeiler Stadtrat dazu bewogen haben, Leisentritt mit der Ehrenbürgerwürde auszuzeichnen. Aber nicht nur: Leisentritt hat sich auch große Verdienste um seine Heimatstadt als Kommunalpolitiker (Stadtrat seit 36 Jahren und Kreisrat seit 35 Jahren), als Buchautor, Humorist und als Stadtführer erworben, wie Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) in seiner Laudatio erklärte. Ludwig Leisentritt sei ein wichtiger Ratgeber, gelte als ein Vater des Hexen-Dokumentationszentrums und habe mit seinen Recherchen das geschichtliche Wissen um das Leben in Zeil im 19. und 20. Jahrhundert bewahrt, fuhr Stadelmann fort. "Wie ein Schwamm, der alles aufsaugt", habe er seine Erkenntnisse niedergeschrieben.

Stadelmann bezeichnete Leisentritt als "wichtigen Botschafter unserer Stadt", der Spuren hinterlassen habe. "Du lebst Zeil", sagte der Bürgermeister zum Geehrten.

Als Lokalpolitiker ist Leisentritt eher ein Mann der leisen Töne. Er gilt als Brückenbauer und Vermittler. Konfrontation ist nicht sein Ding. Das unterscheidet ihn von dem Mann, der ebenfalls im Rudolf-Winkler-Haus ausgezeichnet wurde. Der frühere Bürgermeister Christoph Winkler (1992 bis 2010) bekam bei der Feier den Ehrentitel Altbürgermeister verliehen.

"Ich helfe gerne mit"

Gleich zu Beginn seiner Dankesrede, die Winkler am Schluss des Festaktes hielt, blitzte seine alte Angriffslust auf. "Mit dieser Laudatio (des Bürgermeisters über ihn, Anm. d. Red.) hätte ich vor drei Jahren die Wahl nicht verloren", sagte er - und lächelte dabei. Es schmerzte ihn 2010 sehr, dass er aus dem Amt gedrängt wurde, aber mittlerweile hat Winkler seinen Frieden mit der damaligen Situation geschlossen. Mehr noch: Der 59-Jährige engagiert sich heute ehrenamtlich im öffentlichen Leben der Stadt, zum Beispiel als Stadtführer und als Mitglied im Hexenbeirat für das Dokumentationszentrum. "Ich helfe gerne mit", versicherte er.

Sein Nachfolger Thomas Stadelmann rechnet ihm das hoch an, wie aus seiner Laudatio deutlich wurde. Winkler habe den Titel Altbürgermeister verdient. "Sie haben Ihre Arbeit geleistet und die Stadt vorangebracht", sagte er dem Geehrten. Winklers Leistung verdiene "höchsten Respekt und Anerkennung". Sein Vorgänger sei mitunter unbequeme Wege gegangen, habe viel Überzeugungsarbeit leisten und teilweise Widerstände brechen müsse.

Aber seine beharrliche Arbeit steht für sich: Stadelmann zählte die wichtigsten Projekte auf, die unter der Regie Winklers verwirklicht wurden: Baugebiet "Lange Äcker", Bau der Entlastungsstraße (zweiter Teil), Hafen, Kläranlage, "Zeiler Hexenturm", Altach-Sanierung und das "Netz für Kinder" mit der ersten Krippe im Landkreis.

So unterschiedlich die Geehrten Leisentritt und Winkler auch sind, in ihrem Ziel sind sie sich einig: Winkler wünschte, dass Zeil gedeihen und der Stadtrat stets gute Entscheidungen für die Bürger in Stadt und Stadtteilen treffen möge. Leisentritt sagte es anders. Nichts und niemand bringe ihn aus Zeil weg.

Mit Ludwig Leisentritt hat die Stadt Zeil jetzt drei lebende Ehrenbürger. Das sind neben Leisentritt der frühere Stadtpfarrer Alfred Östreicher und der ehemalige Landtagsabgeordnete Heiner Schneier. Christoph Winkler ist der dritte Altbürgermeister in Zeil. Den Titel tragen auch sein Vorgänger Erich Geßner (Zeiler Bürgermeister von 1980 bis 1992) und Alfons Hoh (er war letzter Bürgermeister der einst selbstständigen Gemeinde Schmachtenberg, heute Zeiler Stadtteil).