Auf dem Weinfest in Zeil hatte im August 2014 ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge einen Maßkrug geworfen, der einen 24-jährigen Angestellten am Kopf traf. Dessen Wunde musste mit mehreren Stichen im Krankenhaus genäht werden. "Ich wollte den Mann nicht treffen, sondern den Krug nur an die Wand werfen", beteuerte der Angeklagte bei seinem Strafprozess vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Die Anklage lautete auf gefährliche Körperverletzung. Richterin Ilona Conver verurteilte den Angeklagten, der eine Ausbildung macht, zu einer Bewährungsstrafe.

Die Schilderungen der Zeugen waren, von kleinen Abweichungen abgesehen, ähnlich. Auf dem Weinfest hatten sich sowohl der Angeklagte als auch das Opfer per SMS mit einer 25-Jährigen verabredet. Der Angeklagte war mit der Frau, die auch als Zeugin geladen war, näher bekannt. Auf dem Weinfest haben sie sich getroffen und auch miteinander einiges getrunken.

Plötzlich Schlag gespürt

Als die junge Frau nach einem Gang zur Toilette zurückkam, befand sie sich in Begleitung des späteren Opfers. Der Angeklagte, der längere Zeit hatte warten müssen, suchte einen Disput mit der Frau und hinderte sie am Weitergehen, indem er sie festhielt und zu sich hinzog.

Da mischte sich der spätere Geschädigte ein und forderte den 25-Jährigen auf, die Frau loszulassen. Zusammen mit der Frau sei er weitergegangen, berichtete der Geschädigte dem Gericht, und habe plötzlich einen Schlag gespürt. "Als ich mich umdrehte, habe ich noch gesehen, wie der Angeklagte seine Hand zurückzog", sagte der Zeuge. Die Verletzung an seiner linken Kopfseite habe er erst bemerkt, als ihn seine Begleitung darauf aufmerksam machte.

"Er lief wohl mehr oder weniger in den Wurf hinein, als ich den Maßkrug an die Wand werfen wollte", sagte der Angeklagte, bei dem eine Blutprobe kurz nach der Tat einen Wert von 0,81 Promille ergeben hatte, zu der Frage, ob er den Maßkrug geworfen hatte oder ihn noch in der Hand hielt, als er den Geschädigten verletzte.

Die junge Frau selbst gab an, der Angeklagte sei "total aufgebracht" gewesen. Sie gehe davon aus, dass er den anderen Mann mit Absicht habe treffen wollen. Die Verteidigerin Kerstin Rieger dagegen vertrat den Standpunkt, dass ihr Mandant nicht gezielt geworfen oder zugeschlagen habe.

Für ein früheres Vergehen nach dem Betäubungsmittelgesetz hatte er laut Bundeszentralregister schon einmal eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten erhalten, auch weil er Betäubungsmittel unerlaubt eingeführt hatte. Seiner Drogenabhängigkeit wegen sei er aus der Haft vorzeitig in eine Therapie entlassen worden.

Staatsanwalt Ralf Hofmann beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten Haft ohne Bewährung, da solch eine Tat mitunter auch als versuchter Totschlag gewertet werden könne. Wer mit einem Maßkrug zuschlage oder damit werfe, müsse sich der schlimmen Folgen bewusst sein, die entstehen können.

"Gnade vor Recht"

Rechtsanwältin Rieger plädierte auf fahrlässige Körperverletzung, was mit einer Geldstrafe geahndet werden könne. Sie bat um "Gnade vor Recht", weil ihr Mandant im Falle einer Verurteilung ohne Bewährung seine vorausgegangene Strafe mit absitzen müsse. "Ich komme da auf gut drei Jahre", sagte sie. Sie verwies auf den "guten Bewährungsverlauf" seit der Vorstrafe.

Das Gericht verurteilte den Mann schließlich zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung. Weiter hat er 1000 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten zu zahlen. "Was bei sowas rauskommt, haben wir gesehen, das Ohr des Geschädigten sah aus wie Hackfleisch", sagte die Richterin. Deutlich führte sie dem Angeklagten vor Augen, dass er bei einem erneuten Verstoß eine erhebliche Zeit im Gefängnis verbringen werde.