Der Traum vom Neustart in der von einem Pflegeskandal gebeutelten Seniorenresidenz Gleusdorf geistert nicht mehr in einem Luftschloss herum. Durch die Übernahme der behütenden Senioreneinrichtung im Itzgrund durch die MCC Deutschland GmbH ist nicht nur der Bestand gesichert, es eröffnen sich auch optimistisch stimmende Perspektiven, die der Alleingesellschafter Martin von Endredy sowie der neue Geschäftsführer Thomas Oertner am Dienstag in einem Gespräch mit unserer Redaktion aufzeigten.

Die neuen Pläne liegen schon auf dem Tisch im Geschäftszimmer des 1151 erstmals erwähnten Schlosses, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat: Lustschloss des Abtes von Kloster Banz, Landgericht, Rentamt, Käsefabrik, Müttererholungsheim des Pallottinerordens und Seniorenheim seit 1990.

Zum 1. Oktober wechselten die Schlossherren erneut. Mit einer neuen Führungskonfiguration wurde nach den 2016 aufgeflogenen Skandalen und mysteriösen Todesfällen, die derzeit noch das Landgericht in Bamberg beschäftigen, der Reset-Knopf gedrückt. "Wir wollen einen Neuanfang und übernehmen zunächst den Betrieb", erklärt Geschäftsführer und Rechtsanwalt Oertner, wozu die Übertragung der bislang bestehenden Versorgungsverträge bei den Pflegekassen schon beantragt wurde. "Wir sind erst im September in die Gespräche eingestiegen, nachdem sich die Verhandlungen mit anderen Interessenten zerschlagen hatten", blickt Oertner auf die jüngere Vergangenheit zurück. Das (Kauf-)Interesse sei aus dem Umfeld der früheren Eigentümer sowie der Heimaufsicht geweckt worden, wobei der neue Chef ausdrücklich die hilfreiche Unterstützung des Landratsamtes in Haßfurt bei allen Beratungen heraushebt.

Mit den Monaten und Jahren davor haben sich der neue Geschäftsführer und sein Aufsichtsrat von Endredy kaum beschäftigt und einen dicken Schlussstrich gezogen. "Wir stehen für einen Neuanfang und bringen dazu mit dem Fachpersonal unserer Holding, die sich aus zwölf Gesellschaften zusammensetzt, Kompetenz ein." So gehören zum Führungspersonal Architekten, Bauingenieure aber auch Pflegeexperten, wovon sich einige schon für mehrere Tage im Itzgrund umgeschaut haben.

Im Zuge des Trägerwechsels rechnen die neuen Chefs mit einer baldigen Aufhebung des Aufnahmestopps sowie der immer noch anhängigen Betriebsuntersagung. Was auf Nachfrage im Landratsamt Haßberge bestätigt wurde, wenn bei der nächsten Prüfung die Qualitätsstandards bei Pflege und Betreuung den Anforderungen entsprechen, wie die Sprecherin des Landratsamtes, Monika Göhr, für die Heimaufsicht mitteilte.

Die Aufhebung des Aufnahmestopps ist aus finanziellen Gründen notwendig. "Mit den aktuell 38 Heimbewohnern lässt sich so eine Einrichtung nicht wirtschaftlich betreiben", gibt Geschäftsführer Thomas Oertner offen zu. Und schiebt gleich nach: "Im Gegensatz zu unseren Vorgängern sind wir mit unseren Gesellschaften bundesweit tätig, weswegen das Schloss auch nicht die Lebensgrundlage für eine Familie abwerfen muss."

Dass dabei in der Vergangenheit zum Teil lukrative Gewinne gemacht wurden, hat Finanzfachmann Martin von Endredy beim Studium der Geschäftsindizes und Jahresbilanzen schnell erkannt. Thomas Oertner: "Bis 2016 waren die Zahlen sehr gut."

Das Landratsamt steht auch den Neubauplänen positiv gegenüber. "Das vorgelegte Konzept zeigt eine zukunftsweisende Neuausrichtung der Einrichtung auf. Die Neubaupläne werden befürwortet", heißt es aus Haßfurt. Deshalb wurde für den Bestand auch eine Übergangsfrist bis 2025 eingeräumt. "Die Fristen wurden aufgrund der tatsächlichen Umsetzbarkeit gewählt, um kurzfristig die Wohnqualität den Anforderungen an die Pflege und Betreuung anzupassen", klingt das so im Amtsdeutsch.

Doch bis 2025 wollen die neuen Betreiber gar nicht warten. Sie haben sich schon ans Werk gemacht: Der Plan für einen modernen Neubau, der an einen bestehenden Erweiterungsbau aus dem Jahr 1998 angedockt wird, existiert bereits. In Richtung Norden, also auf die Ortschaft Lahm (Kreis Coburg) zu, soll er entstehen und Heimplätze ersetzen, die durch Umbauten im Schloss verschwinden. "Was dort genau erfolgen wird, ergeben die Rundgänge und Planstudien in den nächsten Tagen sowie die Abstimmungen mit der Denkmalpflege. Wir müssen schauen, was an Substanz erhalten werden kann und was verändert werden muss", erwartet Geschäftsführer Oertner. Für den Neubau muss auch die Hochwassersituation abgeklärt werden. "Wir denken aber, dass die Antrags- und Genehmigungsverfahren im Jahr 2020 über die Bühne gehen und wir 2021 mit dem Neubau beginnen", zeigt sich Aufsichts- und Verwaltungsrat Martin von Endredy, ein gebürtiger Österreich mit Wohnsitz in der Schweiz, zuversichtlich.

Auf genaue Zahlen beim Investitionsvolumen wollen sie sich noch nicht festlegen. "Wir rechnen so mit 70 000 Euro je Zimmer", nennt von Endredy einen Erfahrungswert. 92 Heimplätze sollen es im Endausbau werden, 22 mehr als zuletzt genehmigt. Der Bedarf für Heimplätze in einer geschlossenen Einrichtung sei zweifelsohne gegeben. "Deswegen wurde sie ja auch nicht so einfach geschlossen."

Der Neustart wird mit dem verbliebenen Personal angegangen. "Die sind lange bei der Stange geblieben und haben den regulären Betrieb trotz erschwerter Bedingungen aufrechterhalten", lobt Geschäftsführer Oertner, der künftig allein zeichnungsberechtigt sein wird. Die bisherige Geschäftsführerin, seit 1. Februar 2019 im Amt, rückt auf die Stelle der Einrichtungsleiterin, die zusammen mit der Pflegedienstleiterin, die seit 1. Juli 2017 im Haus ist, als Ansprechpartnerinnen vor Ort fungieren. "Das gesamte Personal hat in den zurückliegenden Wochen eine Wahnsinnsleistung erbracht und bei der letzten Prüfung durch den Medizinischen Dienst mit 1,2 ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Diese Leute haben einen Vertrauensbonus verdient. Wie sich die Situation in Einzelfällen entwickelt, wird sich zeigen." Sicher ist sich Oertner, dass "sich die Personalsituation unter der früheren Geschäftsführungsstruktur nicht mehr lange hätte halten lassen".

Nun aber werde die Belegschaft mit Blick auf die erhofften Neuaufnahmen schon wieder aufgestockt. "Es sind nicht nur Stellenausschreibungen rausgegangen, es gab schon Bewerbungsgespräche und selbst Mitarbeiter, die aus unterschiedlichen Gründen gegangen waren, kehren wieder zurück", umreißt Geschäftsführer Oertner die Personallage. Er und Martin von Endredy versichern, dass die beiden bisherigen Gesellschafter nach Abschluss des Trägerwechsels in keiner Form mehr beteiligt sein werden.

Die angeklagte Gesellschafterin hatte zu Prozessbeginn in Bamberg über ihren Verteidiger erklären lassen, dass sie nach Abschluss des Verfahrens Unterfranken verlassen werde. Gewohnt hat sie bisher im südlichen Landkreis Bamberg. Ihr lange in Bamberg wohnender Mitgesellschafter hatte bei einem Notartermin zur Jahreswende 2016/2017 eine Dorfanschrift bei Landshut angegeben.