Nur sehr vorsichtig gibt David Herzog Auskunft. Ja, es gebe einen ernsthaft interessierten Käufer für das Schloss Ebelsbach. Ja, die Verhandlungen seien recht weit vorangeschritten. Nein, konkreter könne er nicht werden. "Bitte haben Sie Verständnis. Ich will nicht, dass sich jemand auf die Füße getreten fühlt."

Dieser jemand, soviel zumindest lässt sich Herzog noch entlocken, ist keine Privatperson. Vielmehr sei der potenzielle Käufer im sozialen Bereich tätig und habe für das gesamte Schlossareal ein sehr überzeugendes Nutzungskonzept vorgelegt. Außerdem besitze der Interessent die nötigen Finanzmittel. Die Brandruine gibt es nämlich nicht zum Nulltarif: Der Kaufpreis des Schlosses beträgt 330 000 Euro. Der setzt sich zusammen aus 200 000 Euro für die Grundpfandgläubiger (Stichwort "Offene Rechnungen"), 100 000 Euro für einen Teil der Kosten der bisherigen Notsicherungsmaßnahmen (bislang zu Lasten des Steuerzahlers), 25 000 Euro für die Abwicklung der Nachtragsliquidation und 5000 Euro für den Kaufvertrag.


Zwölf Millionen Euro investieren

Hinzu kommen etwa zwölf Millionen Euro Investitionskosten, um die Schlossanlage wieder aufzubauen. Zwar kann laut Herzog ein beträchtlicher Teil durch Zuschüsse wieder zurückerlangt werden, aber vorhalten müsste es der Käufer allemal.

David Herzog ist ein Rechtsanwalt aus Würzburg und wurde gerichtlich als sogenannter Nachtragsliquidator bestellt. Damit ist er vorübergehend vor dem Gesetz der Besitzer des Schlosses, er ist in allen Angelegenheiten verfügungsberechtigt. Auf Veranlassung des Landratsamts Haßberge hatte das Amtsgericht in Köln im vergangenen Jahr eine sogenannte Nachtragsliquidation eingeleitet und Herzog damit beauftragt. Köln deshalb, weil dort der Sitz der "Schloss Ebelsbach Verwaltungs-GmbH" war, deren Geschäftsführer der Kölner Kaufmann Dominique Arens war. Der hatte 2000 das Schloss erworben und wollte dort ein Hotel und ein Businesscenter einrichten. Zur Verwirklichung der Pläne kam es jedoch nie. Zu David Herzogs Aufgaben gehört nun unter anderem die Regelung von Grundbuchangelegenheiten, insbesondere der Abschluss eines eventuellen Grundstückkaufvertrags für das Schlossgelände in Ebelsbach.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Herzog damit begonnen, Gespräche mit mehreren Interessenten zu führen. Er zeigte sich zuversichtlich, die Schloss-Geschichte zu einem guten Ende bringen zu können, im Laufe des Jahres 2016 sollte voraussichtlich ein Käufer bekannt gegeben werden. Nun neigt sich das Jahr dem Ende zu. Wie schaut es also aus? "Ich hoffe, dass wir die Entscheidung noch vor Weihnachten haben", sagt Herzog. Gibt sich dann aber auch gleich wieder zurückhaltend: "Noch ist nichts in trockenen Tüchern."


"Es ist soweit gesichert"

Ebelsbachs Bürgermeister Walter Ziegler hofft, dass das einstige Wahrzeichen des Ortes bald wieder ein anderes Bild abgibt. Wie es um die Verkaufsverhandlungen steht, wisse er nicht. Zumindest ist das Schloss derzeit keinem weiteren Verfall ausgesetzt: "Es ist so weit gesichert, dass es die nächsten paar Jahre hält", erklärt er. Für ihn und die Gemeinde wäre ein Verkauf noch im Dezember sicherlich ein schönes Weihnachtsgeschenk.
Das Drama um das einstige kulturelle Aushängeschild von Ebelsbach hatte begonnen mit dem Verkauf der Schlossanlage an eine Investmentfirma mit Geschäftsführer Dominique Arens an der Spitze im Jahr 2000. Schäden am Dach der Stallungen sowie am zwischen 1564 und 1569 errichteten Hauptgebäude hatte es schon vorher gegeben, doch der neue Besitzer tat nach dem Kauf für damals zwei Millionen Mark weiter nichts, um die schon sichtbaren Schäden zu beheben. Vor allem das Dach des Südflügels am Hauptgebäude wurde durch eindringendes Wasser immer weiter geschädigt. Das historische Wasserschloss brannte schließlich nach einer bis heute ungeklärten Brandstiftung in der Nacht zum 10. September 2009, wobei viele Bereiche der uralten Schlossanlage, vor allem das Dach, zerstört wurde.


Vorbesitzer verlässt Ebelsbach

Nachdem die Schloss Ebelsbach Verwaltungs-GmbH insolvent war und die Versicherung nicht zahlte, zog sich Arens aus Ebelsbach zurück und widmete sich neuen Projekten auf der der Insel Mallorca, wo er unseren Informationen nach heute noch lebt und unternehmerisch tätig ist. Der Landkreis hatte vor Jahren das Angebot von Arens auf eine kostenlose "Übernahme" des Schlosses abgelehnt (die Kreiskommune sollte im Gegenzug "nur" gegen die Brandversicherung klagen und Arens auszahlen). Das Landesamt für Denkmalpflege, die Gemeinde Ebelsbach und das Landratsamt Haßberge haben kurz nach dem Brand eine Notsicherung des Schlosses veranlasst und bezahlt. Weitere Maßnahmen, wie zuletzt 2015 die Reparatur des Daches am Südflügel, folgten.