Fast 3400 Euro an Sozialleistungen erhielt ein Rentner aus dem Maintal im Jahr 2019 vom Landratsamt ausbezahlt, ohne einen Anspruch darauf zu haben. Der 77-Jährige hatte damals gearbeitet und Geld verdient, was er jedoch der Behörde verschwieg. Als der Betrug aufflog, erhielt er einen Strafbefehl über 60 Tagessätze zu 40 Euro, also 2400 Euro, gegen den er Einspruch einlegte. Deshalb kam es zur Hauptverhandlung, und der Mann musste sich daher am Amtsgericht in Haßfurt verantworten, wo er in seinem Plädoyer weit ausholte.

Seine Ehefrau sei seit dem Jahr 2014 krank, ließ er das Gericht wissen. Sie sei neun Mal operiert worden. Dabei sei die Hälfte ihrer Leber entfernt worden. Zweimal habe er sie bereits bewusstlos aufgefunden. Sein Gewerbe habe er daher abgemeldet. Er selbst habe einen Herzschrittmacher. Das Studium seines Sohns habe er auch noch mitfinanzieren müssen. Sein Wohnhaus sei nach einem Wasserschaden eine bessere Ruine. Die Heizung sei ausgefallen, die Not sei groß, fuhr er fort.

Vom Landratsamt fühle er sich diskriminiert, schilderte der Angeklagte weiter. Er sei dort derb behandelt worden - "wie auf einem Truppenübungsplatz. Ich kann mit solchen Leuten nicht zusammenarbeiten", erklärte er auf der Anklagebank. Er habe kein Geld in der Schweiz und sei kein Betrüger, beteuerte er. Gleichzeitig gab er zu, vorsätzlich gehandelt zu haben, womit er ein Geständnis ablegte. Er bat das Gericht darum, aus der Strafsache eine "Ordnungssache" zu machen. "Wenn ich die Strafe absitzen muss, stirbt meine Frau", sagte er.

Die Richterin belehrte den Angeklagten, dass aus dem Strafbefehl keine Ordnungssache werden könne. Absitzen müsse er die Strafe nur, wenn er das Geld nicht bezahle. Sie bot ihm an, die Tagessatzhöhe auf zehn Euro zu reduzieren. Er müsse daher nur noch 600 Euro (60 Tagessätze zu je zehn Euro) plus Gerichtskosten zahlen sowie natürlich das zu Unrecht erhaltene Geld zurückerstatten. Dies nahm der Rentner dankbar an. Er sei hochzufrieden und bedanke sich für das Urteil - und damit schloss er seinen Redeschwall.