Am Sonntag, 12. März, war die Pappel am Ortseingang des Untermerzbacher Gemeindeteils Recheldorf, die von einigen als "Wahrzeichen" des Ortes gesehen wurde, von Mitarbeitern des Kreisbauhofes Haßfurt gefällt worden. Unsere Zeitung berichtete hierüber und über die Aufregung unter den Bürgern in Recheldorf ausführlich.
Zu der Fällaktion soll es dem Vernehmen nach verschiedene Meinungen auch unter den Recheldorfern geben. Bürger, welche die Fällaktion verurteilten, sind zu Wort gekommen. Es ist allerdings nicht gelungen, Andersdenkende für eine Stellungnahme zu gewinnen. Fragen in dieser Richtung wurden mit "lieber nicht" beantwortet.
Wie aus einer vertraulichen Information hervorgeht, sind einige Recheldorfer der Meinung, dass man nicht so viel Aufwand wegen betreiben sollte und es damit bewenden lassen sollte, wenn eine Pflanzung als Ersatz für die stattliche Pappel vorgenommen werde.
Dass das geschieht, hat Alfons Schanz, Leiter der Tiefbauverwaltung, am 2. April, anlässlich des Spatenstichs an der Kreisstraße HAS 52 auf Anfrage bestätigt.

Fehler eingeräumt

Das Landratsamt Haßberge hatte sich zu dieser Baumfällaktion auf Anfrage unserer Zeitung geäußert und auch unumwunden Fehler eingeräumt (FT vom 23. und 27.03.15). Eine Geste, die anerkannt werden muss, weil Fehler eher selten zugegeben, eher mit "blumigen Umschreibungen" kaschiert werden, wie man auch in Recheldorf zur Kenntnis nimmt. Auch die Gemeinde Untermerzbach mit Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) an der Spitze zeigte sich von der übereilten Aktion, die zum Fall der stattlichen Pappel führte, nicht angetan. Aber zu ändern war nichts mehr.
Damit hätte die Angelegenheit erledigt sein können.
Seit einigen Tagen steht nun jedoch am Ort des Geschehens ein gut zwei Meter hohes Kreuz, versehen mit einem Schild. Auf diesem ist in klaren Lettern zu lesen: "Hier stand unser Wahrzeichen von Recheldorf. *1900, +12.03.2015." Dieses Kreuz, so der Eindruck, wurde von jemandem angefertigt, der sich mit Schreinerarbeiten auskennt. Das hat auch der örtlichen Gemeinderat Gerhard Roth (BB/FW) auf Anfrage am Sonntag bestätigt. "Es wurde bei einer Schreinerei in Auftrag gegeben", sagte er. Wer der Auftraggeber war, wollte oder konnte der Gemeinderat nicht sagen. Roth: "Meiner Auffassung nach hätte dort ein Kreuz nicht aufgestellt werden sollen, aber einige Bürger wollen hiermit halt auf die Pappelfällaktion, die für Diskussionsstoff sorgte, hinweisen." Roth fährt fort: "Nun sollte damit einmal Schluss sein. Ob das Kreuz stehen bleibt - vielleicht haben da ja auch andere mitzureden - ist abzuwarten."
Bürgermeister Helmut Dietz ist über diese "Kreuzaktion" nicht glücklich, bekundete er am Sonntag auf Anfrage. "Ich habe es erstmals am Ostersonntag gesehen und mich schon etwas gewundert. In der letzten Sitzung des Gemeinderat wurde die Meinung vertreten, dass man für solche Aktionen den offiziellen Weg einhalten sollte, was aber bedauerlicher Weise nicht geschehen ist", sagte der Bürgermeister. Er findet diese Aktion "total überzogen, ja sogar etwas peinlich", vor allem auch deshalb, weil ein christliches Symbol für so eine Aktion missbraucht wird.
Soll das Kreuz stehen bleiben? Helmut Dietz: "Das ist Sache des Kreises, auf dessen Grundstück es angebracht wurde." Pfarrerin Sonja von Aschen war am Wochenende nicht zu erreichen, um sie nach ihrer Meinung aus kirchlicher Sicht zu fragen.
Im Christentum symbolisiert das Kreuz die Beziehung zwischen Gott und den Menschen, ein christliches Zeichen also, welches meist mit dem Tod eines Menschen in Verbindung gebracht wird. Deshalb sind auch Kreuze an Straßen zu finden, an Stellen, wo ein Mensch durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Positiv gedeutet wird das Symbol für Frieden und Erlösung in der christlichen Religion.
Dieses Symbol dafür herzunehmen um seinen Unmut wegen der Fällung eines Baumes auszudrücken, erscheint Passanten, die zufällig vorbeikommen, doch etwas makaber. Vielleicht erkennen auch die Aufsteller, dass ihre "Schnellschussaktion", ähnlich wie die bei der Fällaktion der Pappel, nicht recht durchdacht und aus einer Verärgerung heraus geboren wurde und entfernen das Kreuz im Hinblick darauf, dass es für diesem "Protest" nicht angezeigt ist?