Seine 900-Jahr-Feier begeht der Markt Prölsdorf, Gemeindeteil von Rauhenebrach, in diesem Jahr. Im Sommer findet aus diesem Anlass ein viertägiges Fest statt, doch das ganze Jahr steht im Zeichen der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1116. Zum bevorstehenden Ostermarkt am 28. März ist erstmals der "Prölsdorfer Urstoff" zu erwerben (siehe Seite 16). Das Jubiläums-Festbier wurde von der Brauerei Kundmüller in Weiher für Prölsdorf eingebraut. Zur Vorverkostung trafen sich die Vertreter der Prölsdorfer Vereine in Weiher mit dem gebürtigen Prölsdorfer Erwin Kundmüller und seinen Söhnen Roland und Oswald, die heute die Brauerei betreiben.

Ein unfiltriertes Märzen hat der Braumeister Roland Kundmüller als Festbier produziert. "Märzen ist eine alte Biersorte, die einige Zeit fast in Vergessenheit geraten ist", erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung.
Doch das malzige Bier trifft heute wieder stärker den allgemeinen Biergeschmack. Als richtig süffig empfanden das Festbier die Prölsdorfer und Bürgermeister Matthias Bäuerlein. Stolz nahmen sie die Etiketten in Augenschein, die die prächtige Kirche Sankt Sebastian und weitere Bilder des Jubiläumsortes zeigen. "Markt Prölsdorf" prangt auch auf den Bierkistchen, die Bertold Moser für das Festbier hat anfertigen lassen. Tragerl für sechs und neun Flaschen wollte er - und bis zur Lebenshilfe Peine musste er sich durchfragen, um sie auch zu bekommen.


Chronik entsteht

Auch die geschichtliche Aufarbeitung von Prölsdorf läuft bei ihm, dem Vorsitzenden des Musikvereins, zusammen. Gemeinsam organisieren die örtlichen Vereine das Festprogramm, das auch von ihren Mitgliedern getragen wird. So wurden natürlich auch in Weiher noch Details besprochen. Teilnehmer waren Heiko Oppelt für den SC Prölsdorf, Bertold Moser für die Heimatkapelle, Annette Ruß für den Mondscheinclub, Frank Schilling als örtlicher Gemeinderat, Peter Ruß vom Gesangverein, Wirt Robert Brühl und der Schirmherr Bürgermeister Matthias Bäuerlein. Sie alle freuen sich auf das Fest, das am Freitag, 12. August, mit einem Fußballspiel des SC Prölsdorf und einer Tanzveranstaltung mit "One Last Sunset" beginnt. Am Samstag, 13. August, wird der Kirchweihbaum aufgestellt, um 18 Uhr folgt der Bieranstich. Ein Sternmarsch führt am Sonntag, 14. August, zum Festgottesdienst auf dem Kirchenvorplatz, den Domdekan Prälat Günter Putz zelebriert. Nach dem Mittagessen wird die Chronik vorgestellt, außerdem gibt es eine Ausstellung und Führungen zur reichen Geschichte Prölsdorfs. In der Kirche ist ein Orgelkonzert geplant, die "Sängerlust" Prölsdorf singt und es wird einen Gemeindeteil-Wettbewerb unter dem Titel "Spiele der Vorzeit" ausgetragen. Auch am Montag, 15. August, dem Fest "Mariä Himmelfahrt" gibt es einen Festgottesdienst, anschließend politischen Frühschoppen und mit einem Familiennachmittag klingt am 15. August das Jubiläumsfest aus. Das Festprogramm findet sich sowohl auf den Festbier-Flaschen, als auch auf den Bierfilzen dazu.

Dort, wo heute Prölsdorf liegt, befand sich wohl schon um 800 eine Slavensiedlung. Bereits 814 wird Prölsdorf in den Pfarrbüchern Burgebrach erwähnt, doch die erste urkundliche Erwähnung datiert auf 1116 als "Brellendorf" zwischen Theinheim und Halbersdorf. Von 1467 gibt es eine Beschreibung der "Burg von Prölsdorf von den Herbilstatt" und 1496 gehen das Schloss Prölsdorf und zwei Drittel des Dorfes mit Einwilligung des Bischofs Lorenz von Bibra an Dietz von Herbilstatt über.

Das Amt Prölsdorf geht auf 1516 zurück. Heute hat Prölsdorf nicht einmal 400 Einwohner, doch die prächtige Kirche, das benachbarte Pfarrhaus (errichtet als Amtsgebäude durch Fürstbischof von Greifenklau zu Würzburg um 1705) und weitere Gebäude im Ort erinnern an die Bedeutung des Steigerwald-Ortes an der Grenze der Bistümer Würzburg und Bamberg.

Die heutige Kirche St. Sebastian wurde 1766 neu erbaut, also vor 250 Jahren, und das ist ein weiteres Jubiläum im Jubiläumsjahr. Das Marktrecht erhielt die Gemeinde Prölsdorf 1777. Vier Jahrmärkte und vier Viehmärkte waren erlaubt, heute erhält der Ostermarkt am Ostermontag diese alte Tradition aufrecht.

Prölsdorf war einst Sitz eines Landgerichts. Es wurde 1819 aufgelöst und mit dem Landgericht Eltmann vereinigt. Vor seiner Versetzung hat der legendäre Landrichter Kummer noch die Hinrichtung eines Giftmörders in Prölsdorf vollziehen lassen. Das dürfte die letzte Hinrichtung im Steigerwald gewesen sein.
Und Prölsdorf war einst auch Polizeistandort. 1966 wurde die Gendarmerie jedoch abgezogen.