Das Motorengeräusch deutete ganz klar auf einen PS-starken Sportwagen hin. Die Augen sahen allerdings einen "süßen" VW-Käfer. Was war es nun? Ein "Korsche" oder ein "VW-Päfer"? Frank Hauck lüftete das Rätsel: "Das ist ein Porsche-Käfer-Carrera", erklärte der 43-Jährige. Beim vierten Oldtimertreffen im Gleisenauer Schlosspark, organisiert vom Werbering Ebelsbach in Zusammenarbeit mit dem Zeiler Automobilclub (AMC), war sein Gefährt eines von ganz vielen Hinguckern.

Die "Leidenschaft" des Lehrers aus der Klaubmühle nahe Neubrunn begann vor 37 Jahren. "Man ist infiziert. Ich bin seit dem sechsten Lebensjahr Porsche-Fan", sagte er. Aus finanziellen Gründen scheiterte aber die Anschaffung eines solchen Markenflitzers. Doch ein Käfer war möglich. 1986 kaufte er sich ein Exemplar des damals meistverkauften Autos der Welt.


Die Metamorphose eines Autos

Und einen Käfer in einen Porsche zu verwandeln? "Warum nicht", dachte Frank Hauck an die enge Beziehung beider Autos. "Porsche ist doch im Grunde genommen Volkswagen. Ferdinand Porsche hat ja VW zuerst gemacht." Und bis 1977 wurden die ersten Porsche-Sportwagen auf Käfer-Basis produziert. Sein Auto entspricht jetzt dem technischen Standard eines "911er". Dafür hat Hauck als gelernter KFZ-Mechaniker bis heute zahlreiche Veränderungen vorgenommen beziehungsweise Bauteile angepasst: Rennmotor, Bremsanlage, Felgen, Instrumente, Überrollkäfig, Stoßdämpfer und vieles mehr. Die Recaro-Sitze nicht zu vergessen. Wie lange der Lehrer damit schon beschäftigt ist, könne er "nur ganz schwer sagen. Ich schraube jedenfalls schon 25 Jahre daran", sagte er und ergänzte: "Natürlich mit Pausen in mehreren Bauabschnitten, weil ich andere Arbeiten ja auch noch habe."

Immerhin ist sein Renn-Flitzer, mit dem er je nach Getriebe mit über 200 Stundenkilometern über die Autobahnen sausen kann, mittlerweile in der sogenannten "Einfahrphase". Deshalb könne er keine genaue PS-Angabe machen, da der Motor "noch nicht richtig eingefahren ist und auf dem Leistungsprüfstand war." Viel Arbeit will er nach dieser langen Zeit nicht mehr investieren. "Es reicht", macht Frank Hauck deutlich und verglich seinen Auto-Umbau mit dem Bau eines kleinen Hauses. "Ich habe das nicht noch einmal vor. Einmal tun reicht."

Kult auf vier Rädern

Mit seinem knallroten Citroen CV2, bestens bekannt als "Ente", war Michael Markowski aus Kleinmünster gekommen. Der gebürtige Berliner, der seit 1979 im Landkreis wohnt, kaufte sich den französischen "Kult auf vier Rädern" erst vor einem Jahr - obwohl er als ehemaliger Rallye-Fahrer "gar kein Interesse an solch einem Auto" hatte. Bereut hat er die Anschaffung nicht: "Es macht richtig Spaß, damit zu fahren", beteuerte der 61-Jährige.

Etwas mehr Pferdestärken unter der Haube hatte Ilja Geßner (41) aus Coburg. Mitgebracht hatte er seinen vor zwei Jahren gekauften "Lincoln Continental Mark V" aus dem Jahr 1979 mit einer Länge von 5,85 und einer Breite von 2,04 Metern. "Er hat mir einfach gefallen", begründete er die Anschaffung. Außerdem wollte er noch ein weiteres Fahrzeug in seiner Sammlung haben. "Der war recht günstig. Zustand war recht gut. Da habe ich zugegriffen." Nun freut sich Geßner über drei große "Schlitten". Über den Spritverbrauch - er dürfte je nach Fahrweise zwischen 15 und 30 Litern pro einhundert Kilometer liegen - wollte er derweil nicht reden. "Man muss einfach eine Leidenschaft dafür haben und darf nicht auf das Geld schauen." Bewundernswerte oder neidische Blicke anderer Verkehrsteilnehmer ist Geßner "gewohnt. Das ist schon normal geworden." Er bekommt allerdings "überwiegend positive Reaktionen. An der Ampel geht dann schon einmal der Daumen hoch oder die Aussage ‚geile Karre' ist zu hören", lacht er. Das Wichtigste für ihn ist aber ohnehin der Fahrspaß. "Das ist wie eine rollende, fahrende Couch. Einfach urgemütlich."

Der Arm als Blinker

Auf zwei Rädern fuhr Isolde Heurich in den Schlosspark ein. Ihre "Adler M 100", Baujahr 1950, hat sich die Frau aus Löffelsterz im Jahr 2011 deshalb zugelegt, "weil ich selbst einmal fahren wollte." Zuvor war die 54-Jährige stets mit ihrem Mann Harald unterwegs - im 1983 selbst anmontierten Beiwagen seiner BMW, die er seit 1976 sein Eigen nennt. "Jetzt mag ich nicht mehr. Du hast ja nicht mal einen Blinker. Ständig darf ich die Hand raushalten", war ein Zweiergespann-Treffen bei Ansbach der Augenblick der Entscheidung für eine eigene Maschine. Die Investition hat sich für sie gelohnt. "Ja, es macht großen Spaß", machte Heurich deutlich und lachte: "Es war zum zweiten Mal Liebe auf den ersten Blick." Ausflüge beziehungsweise Ausfahrten "bis zu 100 Kilometer" unternehmen die Eheleute zusammen. Tempoverstöße oder andere kleine Verletzungen der Verkehrsregeln sind derweil schon deshalb tabu, weil Harald Heurich Polizeibeamter ist.

Die zahlreichen Besucher am 18. August im Schlosspark von Gleisenau wussten nicht, wohin sie zu erst schauen sollten. Über 200 Autos, Traktoren und Motorräder standen schön aufgereiht im großen Areal verteilt. Das Oldtimertreffen 2013 mit Fahrzeugen, die schon viele Jahre und Jahrzehnte "auf dem Buckel" haben, war sehr zur Freude von Hauptorganisator Manfred Kuhn, Vorsitzendem des Ebelsbacher Werberings und "Vize" des Zeiler AMC, wieder ein voller Erfolg.