"Wenn man bedenkt, dass zwei Drittel der im Straßenverkehr verunglückten Kinder als Mitfahrer im Auto geschädigt werden, sieht man, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema zu befassen. Häufig werden falsche Kindersitze verwendet, zu früh auf eine weniger sichere Sitzerhöhung zurückgegriffen oder auf einer vermeintlich kurzen Strecke auf den Kindersitz verzichtet, da man ihn schlicht vergessen hat. Auch bei der richtigen Befestigung des Sitzes werden gerne Fehler gemacht, die im Falle eines Unfalls den optimalen Rückhalt verhindern."

Dieses Zitat von Jürgen Hildebrandt, Leiter Verkehr, Technik und Umwelt beim ADAC Nordbayern, lässt vor allem die Eltern von (Klein-) Kindern aufhorchen. Tatsächlich ist die Suche nach dem richtigen Kindersitz eine Wissenschaft für sich: Sollen die Kinder in oder gegen die Fahrtrichtung sitzen? Reicht eine Sitzerhöhung oder lieber eine Sitzerhöhung mit Rückenteil? Und was bedeuten eigentlich die Prüfsiegel?

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Antworten auf diese Fragen gibt unter anderem der ADAC (siehe Infokasten). Und es lohnt sich, nachzulesen. Denn Kinder haben im Vergleich zu Erwachsenen überproportional schwere Köpfe und ihre Nackenmuskulatur ist schwach ausgeprägt. Kommt es zu einem Unfall, wird ihr Kopf an die Rückenlehne des Fahrers oder Beifahrers geschleudert. Das kann zu schweren Verletzungen führen.

Lob für die Eltern

Im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken werden nur sehr selten Kinder als Insassen eines Autounfalls behandelt - und wenn, dann nur mit leichten Verletzungen. "Aus meiner Erfahrung als Notärztin im Landkreis Haßfurt kann ich positiv berichten, dass ich bisher kein schwer verletztes Kind hatte, das aufgrund der falschen Anwendung des Kindersitzes oder falschen Anschnallens verletzt wurde", sagt Kathrin Gumprecht-Fleck.

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Die 38-Jährige ist als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie für die Haßfurter Notaufnahme zuständig. Außerdem ist sie Oberärztin und als Notärztin regelmäßig im Einsatz. "Somit muss ich sagen, dass man die Eltern loben kann und die Akzeptanz von Kindersitzen und richtigem Anschnallen groß ist", ergänzt Gumprecht-Fleck.

Diese Einschätzung teilt auch Werner Rottmann, Polizeihauptkommissar und Mitarbeiter für den Bereich Verkehr bei der Polizeiinspektion Haßfurt. "Glücklicherweise gab es seit 2017 keinen einzigen Verkehrsunfall im Landkreis Haßberge, bei dem ein Fehlverhalten in Bezug auf die Sicherung von Kindern im Fahrzeug Verletzungen nach sich gezogen hätte", erklärt der Haßfurter Polizeibeamte.

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Auch die Feststellungen und Beanstandungen bei den regelmäßigen Schulwegkontrollen durch die Polizeiinspektion Haßfurt seien derart überschaubar, dass keine Fallzahlen vorliegen würden.

Würde ein Kind bei einem Verkehrsunfall durch falsches Anschnallen verletzt, wäre das laut Rottmann eine fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen. Überhaupt verstehen die Beamten beim Thema Kindersicherung keinen Spaß. "Ist ein Kind falsch oder nicht angeschnallt, ist das eine schwerwiegende Ordnungswidrigkeit", so Rottmann. Das heißt: Der Fahrer bekommt ein Bußgeld von 60 Euro und einen Punkt in Flensburg.