Auf dem Busparkplatz am Tricastiner Platz lässt es sich schon erahnen, dass alles anders läuft als gewohnt. Absperrungen mit Bauzäunen weisen den Schülern ihren Weg, damit sie direkt nach Ankunft mit dem Bus nach den drei Schularten getrennt werden können.

Am einfachsten ist es für die Jugendlichen der Albrecht-Dürer-Mittelschule, wie Rektor Matthias Weinberger erklärt: "Wir haben den Vorteil, dass wir unser eigenes Schulhaus am Dürerweg haben." So werden die Mittelschüler gleich im vorderen Bereich des Busparkplatzes in ihre Schule geleitet.

Etwas anders sieht es bei den Gymnasiasten und Realschülern aus, die im gleichen Gebäude untergebracht sind. Große Wegweiser an Bauzäunen leiten die rund 250 Schüler in die Schulen.

Passenderweise mit einer signalfarbenen Jacke stand am ersten Tag zusätzlich unter anderem Hartmut Hopperdietzel, der Schulleiter der Realschule, dort und schaute, dass auch wirklich alle Schüler die Regelung beachten. Die Realschüler können wie gewohnt das Schulzentrum betreten, während die Gymnasiasten einen Umweg über den Sportplatz in Kauf nehmen müssen, um zum Eingang Ost zu gelangen.

Klare Trennung

Auch im Gebäude selber werden die beiden Schularten strikt auseinandergehalten. Die Schulstraße sowie die einzelnen Stockwerke sind in zwei Teile getrennt. Maria Eirich, Schulleiterin des Regiomontanus-Gymnasiums, nennt den Grund: "Wir wollen vermeiden, dass beide Schulen geschlossen werden müssen, wenn es in einer einen Corona-Fall geben sollte."

Weiterhin gelten neben den üblichen Empfehlungen auch noch besondere Hygienevorschriften für die Schüler. So ist das Austauschen von Arbeitsmitteln verboten, der Pausenverkauf fällt bis auf weiteres aus und die Toiletten dürfen nur einzeln benutzt werden. Außerdem wird das Tragen von Mund-Nasen-Masken empfohlen und jede Klasse hat im Freien ihren eigenen Sammelpunkt, wo sie die Pausen verbringt.

"Die Unterrichtsorganisation war eine unglaubliche logistische Herausforderung", betont Eirich. So mussten neue Stunden- und Aufsichtspläne geschrieben und alles neu durchdacht werden. Der Unterricht für die Abschlussklassen muss an allen drei Schulen in kleinen Gruppen gehalten werden, die Klassen also geteilt werden. Aber es ist schon gut so, dass der Präsenzunterricht wieder stattfindet, sagt Hopperdietzel. Viele Schüler brauchen einen persönlichen Ansprechpartner für fachliche Fragen, und der Unterrichtsausfall dauerte schließlich mit sechs Wochen genauso lange wie Sommerferien.

Niemand wird alleingelassen

Aber auch alle anderen Schüler, die noch noch zu Hause bleiben müssen, werden von den Lehrkräften nicht vergessen. Im Gymnasium hat sich neben dem bereits im Einsatz befindlichen Schulwiki, der eigenen Schulcloud, dem Schulmanager sowie vielen selbstgedrehten Videos der Lehrer eine weitere besondere Unterrichtsmethode etabliert: Per Videokonferenz werden Unterrichtsstunden gehalten. Systembetreuer Christian Grämer erklärt: "Wir benutzen das vom Ministerium empfohlene Programm 'Big Blue Button' und haben dafür einen eigenen Server eingerichtet, damit die Datensicherheit gewährleistet ist." Auf der Plattform können die Lehrer Termine buchen und geben diese dann ihren Schülern bekannt. "Durch den Videounterricht lässt sich die Kluft verringern zwischen den Kindern, denen es leicht fällt, nur mit schriftlichem Material zu arbeiten und denen, die damit überfordert sind", sagt Katrin Hiernickel, die unter anderem eine fünfte Klasse unterrichtet.

Im persönlichen Gespräch gebe es eine bessere Bandbreite, den Schülern den Stoff näherzubringen. Auch ist ein persönlicher Bezug vorhanden, wenn man die Lehrkraft auf dem Bildschirm sieht. Den Schülern ist es freigestellt, ihre Kamera anzuschalten, aber vor allem in den unteren Klassen erfreut sich das großer Beliebtheit laut Hiernickel. Der Videounterricht läuft dabei genauso geordnet wie sonst im Schulhaus. Mit einem Melde-Button können die Schüler anzeigen, wenn sie etwas sagen wollen, und mit der zusätzlichen Chat-Funktion lassen sich Fragen sammeln.

Virtueller Pausenhof

Etwas Besonderes hat sich die Lehrerin Karina Hetterich einfallen lassen. Nachdem die meist 45-minütige Videokonferenz vorbei ist, wird der virtuelle Pausenhof eröffnet. Hier können die Kinder miteinander quatschen und sich austauschen, ähnlich wie in der normalen Pause vor Ort.

Martin Oberleitner, Mitarbeiter in der Schulleitung, fasst zusammen: "Auch wir Lehrer halten über Videokonferenzen Kontakt und werden so animiert, gewohnte Pfade zu verlassen." Die bisherige Routine sei durch die Krise unterbrochen worden, weil man nun alles neu managen müsse. Dies sei aber auch eine Chance zu erkennen, dass auch die Lehrer nicht immer perfekt sein müssen.

Es läuft in der Realschule

In einer etwas anderen Form werden in der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule die digitalen Medien zum Einsatz gebracht. Mit YouTube-Videos speziell für ihre Klassen leitet zum Beispiel Michelle Prinz ihre Schüler an. Daneben ist das Programm 'Microsoft Teams' im Einsatz, um auch Videounterricht anbieten zu können, ähnlich wie im Gymnasium. "Die Kinder haben meist zwei Mal in der Woche feste Termine, wann sie online sein sollen", sagt Prinz und freut sich, dass alles hervorragend klappt.

Weiterhin hat die junge Lehrerin mit 'Scratch', einem einfachen Programmierprogramm, Inhalte zusammengestellt, mit denen spielerisch Lerninhalte vermittelt werden. So ist zum Beispiel aktuell das Thema Bundesländer im Unterricht präsent. Eine animierte Gestalt fordert die Kinder zur Eingabe der Lösung für die Fragen über die Tastatur auf und gibt gleich danach die Antwort, ob diese richtig oder falsch ist. Ansonsten können die Schüler ihren Aufgabenplan für die Woche auf der Homepage der Schule abrufen, erklärt Anke Männer, die der erweiterten Schulleitung angehört. Jede Klasse ist hier einzeln aufgelistet, mit einem Klick auf den Link erscheinen alle relevanten Daten.

"Ins kalte Wasser geschmissen"

Benjamin Krumpholz, Lehrer für Deutsch und Geschichte, benutzt ebenfalls mit Begeisterung die digitale Welt für den Unterricht. Mit seinen selbstgedrehten Videos haben die Schüler den Vorteil, jederzeit gewisse Sachen wiederholt anschauen und vertiefen zu können. "Aus der Not eine Tugend gemacht", so sieht es Hopperdietzel: "Wir wurden in Sachen Digitalisierung in das kalte Wasser geschmissen und lernen jetzt in der Krise schneller das Schwimmen in den digitalen Medien."