Es geht um viel für die Städte Ebern und Königsberg: eine überregional bedeutsame Einrichtung, für die mehr als zwei Millionen Euro an Fördermitteln in Aussicht stehen, um die Rolle als zentraler Ort in einem einmaligen Naturraum und vor allem ums Prestige. Ende September/Anfang Oktober wird eine Versammlung des Naturparkvereins Haßberge entscheiden, welche Kommune Standort des geplanten Naturparkzentrums ("Haus der Haßberge") wird. Einzige Bewerber sind die beiden historischen Städte, wobei Königsberg laut FT-Informationen eindeutig die Favoritenrolle zugeschrieben wird.

Dies will auch Lukas Bandorf, der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparkvereins mit Sitz in Hofheim "nicht ausdrücklich verneinen". Weiter äußert er sich jedoch nicht, um der Entscheidung der Vereinsmitglieder nicht vorzugreifen. Die Vereinsmitglieder sind die Landkreise Bamberg, Schweinfurt, Rhön-Grabfeld und Haßberge, dazu weitere Vereine und Verbände.

Bandorf, wie auch die Bürgermeister Claus Bittenbrünn (Königsberg) und Jürgen Hennemann (Ebern), versprechen sich von dem neuen "Haus der Haßberge" - oder wie das Zentrum einmal getauft werden mag - eine Aufwertung für den Naturpark allemal: "Das wird ein Besuchermagnet", sagt Bandorf, "eine super Möglichkeit".

Gefragtes Urlaubsziel

Wie sehr die Haßberge und ihre Rad- und Wanderwege ohnehin im Trend liegen, erleben die Mitarbeiter in Fremdenverkehrsbüros tagtäglich. Immer mehr Menschen entdecken die abwechslungsreiche hügelige Landschaft mit ihren geschichtsstarken Schlössern, Burgen und Ruinen, pittoresken Fachwerkorten und die Ruhe der idyllische Naturkulisse für sich. "Klar, Corona hat einen Einschnitt gebracht", räumt Karin Zösch ein. Sie ist seit eineinhalb Jahren in der Tourist-Information in Haßfurt tätig. Gerne klärt sie Gäste über die Angebote im Naturpark auf. Sie freut sich schon auf das geräumigere Büro in der Hauptstraße 9, wo Angebote noch besser präsentiert werden können. Der Umzug in die frühere Hasenapotheke ist für 21. September geplant. Mehr Zulauf noch erlebt die Zentrale des Naturparks in Hofheim, die auch Zimmervermittlung übernimmt. Ein Naturparkzentrum, so ist man sich sicher, wird dem Naturraum und dem qualifizierten Tourismus zugute kommen.

Mitten im Naturpark

Beide Städte, Ebern und Königsberg, werben mit ihrer geografischen Lage inmitten des Naturparks Haßberge und glauben an Synergieeffekte mit vorhandenen Einrichtungen. Claus Bittenbrünn macht die Bedeutung der historischen Altstadt geltend, die Königsberg zu einem Tourismusschwerpunkt im Landkreis macht. Die Infrastruktur - unter anderem mit vielen Rad- und Fußwegen, je rund einem Dutzend gastronomischer Betriebe und Geschäfte - sei intakt. Vom Schlossberg über die Urwiese mit ihren seltenen Pflanzen oder den wertvollen Fresken in der Junkersdorfer Kirche gibt es in Stadt und Stadtteilen viele Sehenswürdigkeiten. Vielbesucht und -gelobt ist auch der neue Naturerlebnis-Spielplatz. So rechnet sich die Heimatstadt des Mathematikers Regiomontanus gute Chancen aus.

"Für Königsberg wäre das eine ganz tolle Sache", sagt Claus Bittenbrünn, "es wäre so gut, wenn es touristisch wieder aufwärts ginge". Der Bürgermeister spielt damit auf die Schließung der Jugendherberge an, wodurch die Übernachtungszahlen drastisch einbrachen. Die Jugendherberge war auch die Immobilie, welche die Stadt als Standort favorisierte. Sie wäre aber zu groß für das Naturparkzentrum. Im Gespräch ist stattdessen jetzt ein knapp 500 Quadratmeter großes Grundstück im altstadtnahen Naturbereich (Nähe Thomas-Klingg-Steige), das sich "mit geringem Aufwand" nutzen ließe. Lediglich ein alter Schuppen müsste abgerissen werden, um für einen Neubau Platz zu machen.

Ebern setzt aufs Bundeswehrareal

In Ebern bieten sich mehrere Möglichkeiten an, vor allem im Umfeld des FFH-Schutzgebiets auf dem früheren Standortübungsplatz mit seiner großen Artenvielfalt und dem Institut für Biodiversitätsinformation. Ebern engagiert sich seit Langem für Naturschutz und biologische Vielfalt. Bürgermeister Jürgen Hennemann kann sich die Nutzung von Bundeswehrgebäuden, gemeinsam mit anderen Einrichtungen, ebenso denken, wie einen Neubau. Das Naturparkzentrum würde dort der Bewerbung zufolge "optimal in bereits bestehende Strukturen eingebettet werden", wozu Veranstaltungshalle, Sportgelände, Gewerbebetriebe, Hotel und Spielplatz in nächster Nähe zählen.

Zur touristisch attraktiven Infrastruktur der Fairtrade- und Schulstadt zählt Hennemann das Angebot an Gastronomie und Geschäften, Sportstätten, das Heimatmuseum und die Galerie sowie die Schlösser und Ruinen ringsum auf. Zudem warte "Frankens schönstes Kegelspiel" mit attraktiven Wanderwegen auf den Spuren Friedrich-Rückerts, der Wildkatze oder der Essigrosen-Dickfühlerweichwanze mit Spitznamen "Rosi" auf.

Nicht vor 2023

Die Entscheidung über den Standort wird noch im Herbst fallen, doch bis zur Verwirklichung des Naturparkzentrums kann es noch Jahre dauern, meint Lukas Bandorf: "Optimistisch gedacht, könnte das Zentrum 2023 oder 2024 fertig sein." Doch infolge der Corona-Krise sei auch "die volle Bremse" möglich: Dass nämlich auf absehbare Zeit keine Gelder vom Freistaat mehr zur Verfügung stehen. Einen kompletten Rückzug könne sich die Staatsregierung in München nach seiner Meinung nicht erlauben, denn die Sache sei nun mal ins Rollen gebracht, zwei Millionen Euro für das Zentrum und 50 000 Euro für die vorangehenden Planungen in Aussicht gestellt. "Aber das alles kann sich mit Sicherheit hinziehen".

Dabei habe der Naturpark Haßberge noch Glück, weil sich die Mitglieder rasch einig waren, dass nicht Bamberg, Schweinfurt und Rhön-Grabfeld, sondern nur der Kreis Haßberge für das Zentrum infrage kommt. Im Naturpark Steigerwald steht noch nicht mal fest, welcher der beteiligten Landkreise zum Zug kommen soll. "Wir sind also relativ gut dabei", sagt Bandorf.

Neue Aufgaben für Bayerns Naturparke

Die Stärkung der Naturparke ist eines der wesentlichen Ziele der "Naturoffensive Bayern". Diese hatte das Kabinett in München im Juli 2018 auf den Weg gebracht hatt. Ziel ist es, im ganzen Freistaat Lebensräume, Artenreichtum und das Naturerlebnis zu stärken und zu fördern - und dabei die Menschen in der jeweiligen Region einzubeziehen und mitzunehmen. Mit zukunftsweisenden Projekten sollen die Besonderheiten der Region unterstrichen und vernetzt werden.

Bereits eingesetzt wurden Ranger, welche das Bewusstsein der Bevölkerung für die speziellen ökologischen Schätze der Region schärfen sollen. Im Kreis Haßberge übernimmt die Zeilerin Katja Winter diese Aufgabe.

Die Naturparkzentren

Als zentrale Anlaufstellen, die miteinander vernetzt werden, schafft der Freistaat Naturparkzentren. Laut Lukas Bandorf vom Naturparkverein in Hofheim wird es darum gehen, den Menschen den Natur- und Kulturraum Haßberge nahezubringen und Besonderheiten und seltene Arten in den Fokus zu rücken. Zudem werde man ein Schwerpunktthema erarbeiten.

Im Raum Haßberge könne es beispielsweise die Kleinteiligkeit als Folge der fränkischen Realerbteilung sein, die sich auf die Landschaft auswirkt. Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Folgen des Klimawandels exemplarisch darzustellen, da die Haßberge zu den trockensten Regionen Bayerns zählen. "Wir werden zeigen, was der Natur hilft und was ihr schadet", sagt Bandorf.