Auf Milde des Jugend-Schöffengerichts stieß ein 20-jähriger Angeklagter aus dem Kreis Haßberge wegen eines Vergehens nach dem Betäubungsmittelgesetz. Obwohl er bereits deutlich vorbelastet ist, auch in mehreren Drogen-Fällen, sowie wegen Freiheitsberaubung und Diebstahls erhielt er bei einem Prozess am Amtsgericht Haßfurt einen Dauerarrest von "nur" zwei Wochen.

Die Anklagevertreterin warf dem 20-Jährigen Mann vor, dass er im August 2014 in Zeil ein Tabakhaschischgemisch, die Rede war von zwei Gramm, zubereitet und es anderen Personen zum Rauchen überlassen habe. Das "stimmt schon", sagte der Angeklagte auf Vorhalt von Richter Martin Kober, "aber es waren höchstens 0,5 Gramm." Mit zwei Gramm könne man 50 Leute versorgen, erläuterte der Angeklagte. Er habe die "Töpfe gebaut und hingelegt", wer alles geraucht habe, könne er nicht sagen. Das Ganze spielte sich in der Wohnung eines 18-Jährigen ab, dessen Vermieterin die Polizei verständigte.

Diese rückte, wie eine Polizeibeamtin der Inspektion Haßfurt als Zeugin sagte, mit zwei Streifenbesatzungen an, weil bei der Mitteilung von fünf Personen gesprochen wurde. Der Angeklagte und die Raucher seien jedoch nicht mehr vor Ort gewesen. Im Zimmer eines Heranwachsenden, in dem offensichtlich "gehascht" wurde, konnten Utensilien und Anhaftungen von Marihuana festgestellt werden. Eingesetzt war auch ein Rauschgiftspürhund, teilte die Polizeibeamtin mit, und zwar an dem Ort, an dem später der Angeklagte und weitere Personen angetroffen wurden. "Beim Angeklagten waren deutliche Kennzeichen zu sehen, die auf den Konsum von Betäubungsmitteln hinweisen, und ich sag' mal, er hat mit uns nicht wirklich nett gesprochen", erklärte die Beamtin. Er habe einen ziemlich frechen Tonfall gehabt, die Polizeiaktion als lächerlich bezeichnet und gesagt, dass so und so nichts gefunden werde", sagte die Polizeiobermeisterin auf Nachfrage von Staatsanwalt Arno Ponnath. Die Beamtin merkte noch an, dass der Angeklagte erst vor drei Wochen erneut kontrolliert wurde. Auch hier habe er frech und herausfordernd reagiert.

Eine 18-jährige Zeugin konnte dem Gericht bestätigen, dass in der betreffenden Wohnung in Zeil die in der Anklage genannten Personen vom Gemisch des Angeklagten rauchten. Gegen diese, manche waren als Zeugen geladen, waren die Verfahren eingestellt worden. Zwei weitere Zeugen, ein 19- und ein 17-Jähriger, bestätigten ebenfalls, zur Tatzeit Haschisch vom Angeklagten konsumiert zu haben.

Nicht unbekannt ist der Angeklagte bei der Jugendgerichtshilfe, wie Franz Heinrich in seiner Einschätzung darlegte. Dieser habe eine erhebliche Reifeverzögerung und sei im Rahmen von Resozialisierungsmaßnahmen sogar schon mal in einer Einrichtung in Finnland gewesen. Eine Sprach- und Lernbehinderung liege bei dem Angeklagten vor. "Er geht nicht dominant vorneweg, wenn er in einer Gruppe ist, aber er möchte anerkannt werden und dazugehören", sagte der Experte.

Die Staatsanwaltschaft beantragte im Plädoyer für den Angeklagten unter Einbeziehung einer Vorverurteilung eine Jugendstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten ohne Bewährung. Ihm müsse deutlich vor Augen geführt werden, dass es nicht so weitergehen könne. Im Jugendarrest könne er sich den negativen Einflüssen, die ihn derzeit umgeben, entfremden.

Der Angeklagte sank bei dem Antrag der Staatsanwaltschaft etwas auf seinem Stuhl zusammen. Allerdings hellten sich seine Gesichtszüge auf, als er das Urteil des Schöffengerichts unter Vorsitz von Richter Martin Kober hörte, der zwei Wochen Dauerarrest verkündete.

Nicht mehr auffällig

"Passt so", war der Kommentar des Verurteilten nach dem Richterspruch. Der Vorsitzende erläuterte, dass das Gericht zugunsten des Angeklagten von 0,5 Gramm Haschisch ausging und dass er seit 2011 bis im August 2014 nicht mehr auffällig war. Die Milde des Gerichts begründete Kober auch damit, dass die Persönlichkeit des Verurteilten mit berücksichtigt wurde. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verurteilte und dessen Rechtsanwalt Christian Merkel nahmen das Urteil an. Es ist damit rechtskräftig.