Boah, das ist eine Infektionsrate ! Vor gerade mal 14 Tagen per Facebook-Post in Ebern ausgelöst, hat die neuartige "Pandamie" inzwischen bundesweit Kreise gezogen. Die Initiative eines Gastronoms aus dem Landkreis Haßberge, Pandabären auf den Fenstersimsen eines Anwesens am Marktplatz zu postieren und den "Ausbruch der Pandamie (statt Pandemie)" zu verkünden, sorgt für Wirbel.

Längst nicht mehr nur in Ebern grinsen hinter Lockdown-geschlossenen Fenstern schwarzweiße Bärengesichter hervor. Auch die öffentliche Aufmerksamkeit entwickelt pandamische, pardon pandemische Züge. Kaum hatte der Fränkische Tag über die lustige Idee berichtet, folgten weitere lokale Medien, dann war der Bayerische Rundfunk vor Ort, der Spiegel entsandte einen ortskundigen Korrespondenten aus Hamburg und heute steht die Invasion der Bären beim TV-Sender RTL im Frühstücksfernsehen und nochmals um 12 Uhr im Blickpunkt.

Die "Pandamie" verschafft Ebern mediale Aufmerksamkeit, wie sie die Stadt letztmals bei der Schließung der Balthasar-Neumann-Kaserne vor rund 17 Jahren erlebte. Nur dass es diesmal um einen spaßigen Anlass geht, um ein bisschen gute Stimmung in einer eher deprimierenden Zeit.

Der "Patient null" der Pandamie

"Erstmals im nationalen Fernsehen ", freut sich Bernd Ziegler, der sich im RTL-Interview bereitwillig als "Patient null" outet. Er hat das Virus in die Welt gesetzt. Nein, eigentlich nur etwas auf die Fensterbretter seine Hauses in der Innenstadt.

Doch der Reihe nach: Der heute 49-Jährige, der in der Rosengasse in Ebern aufwuchs, hat im Herbst das Haus Marktplatz 12 erworben. Früher war dort, was die Fassade verrät, die Kunstschlosserei Goldschmitt angesiedelt, später gehörte es der Familie Schlimbach. Viele Eberner erinnern sich an den Tante-Emma-Laden der Anni Rößner im Erdgeschoss, in dem es bis 1991 Wolle, Lebensmittel und - besonders beliebt - Süßigkeiten aus riesigen Bonbongläsern gab.

Der RTL-Reporterin Elena Rosemeyer berichtete Bernd Ziegler, dass er im vergangenen Herbst das leerstehende Haus aus dem Jahr 1604 gekauft habe, um es zu sanieren und zu einem Hotel umzubauen. Im ersten Stock stehen noch ein paar alte Möbel der Vorbesitzerin, auch ein großer Plüschbär, den er ins Fenster setzte. "Früher saß genau dort oben immer die alte Frau Schlimbach am Fenster und beobachtete das Geschehen auf dem Markt", erinnert sich der Nachbarsjunge von einst. Bei Pausen von seiner Arbeit im Erdgeschoss beobachtete Ziegler, welche Freude vorbeigehende Kinder an dem Bären hinter der Scheibe hatten.

Und dann kam Ziegler die Idee mit den Panda-Bären: "Ich habe ein Asia-Faible", sagt der Gastronom , der jahrzehntelang in München und Kroatien Gaststätten , Bars , Clubs und Dönerbuden betrieb, ehe er 2019 in seine Heimatstadt zurückkehrte. Acht Jahre lang hatte er im Sommer seinen Club in Kroatien geführt und die Wintersaison in Fernost verbracht und dabei diverse Länder Südostasiens bereist. Pandas, eigentlich nicht in Ebern , sondern in China daheim, haben für ihn Erinnerungswert. Also wurde kurzerhand je einer in die Fenster des Obergeschosses mit Blick zur Straße drapiert. Sein Post vom 12. Januar in der Facebook-Gruppe " Ebern in Unterfranken" samt dem "Pandamie"-Wortspiel war dann nur noch ein Gag obendrauf: "Die Pandamie ist ausgebrochen".

"Pandamie" einfach nur ein Gag

"Eine politische Botschaft war nicht damit verbunden", ist ihm wichtig klarzustellen. Ihm ging es allein um das Schelmenstück in einer Zeit, in der es denkbar wenig zu lachen gibt. Dass der Gag solche Furore machen würde, "hätte ich nicht erwartet", versicherte er dem Kamerateam am Dienstag bei den Aufnahmen in Ebern . Dabei kamen auch der Bürgermeister und Familien zu Wort, die vom Panda-Virus infiziert wurden.

"Jetzt fehlen noch ARD , ZDF , Pro7 und Sat 1 . Und wenn dann auch CNN in Ebern war, werde ich Ehrenbürger ", scherzt Ziegler, der sein Hotel im Jahr 2023 eröffnen will. Ob dann wohl Gäste im bis dahin aus Funk und Fernsehen international bekannten Haus "Zum Pandabären" logieren werden?