Nur über den Hintereingang kommt man in den Sommerferien auf das Gelände der Kunstakademie. Selbst in der Mensa ist derzeit nichts los. Nur vor dem Kaffee-Automaten tut sich etwas. "In den Semesterferien kann man am besten arbeiten in der Akademie", sagt Lisa Wölfel und schmeißt ein paar Münzen in die Koffein-Maschine.
"Ich male gerade an zwei Bildern gleichzeitig. Aber das ist ganz normal", sagt Lisa und geht mit dem heißen Becher in der Hand quer durch die ausladende Akademie zurück zu ihrer Staffelei. "Die meiste Zeit verbringe ich gerade hier von diesem Bild hier", sagt Lisa und zeigt auf ein Gemälde in dem großen Malsaal mit den hohen Decken.

Das Bild ist gerade im Entstehen. Zu sehen ist darauf ein Mann ohne Gesicht, der auf den Zehenspitzen zu stehen scheint. Umgeben ist die Figur von Steinen. "Ich gehe immer von einem Motiv aus.
In diesem Fall ist es diese stehende Figur", sagt Lisa und mischt ein paar Ölfarben auf einer Palette zusammen. Dann nimmt die 27-Jährige einen kleinen Pinsel und trägt vorsichtig ein paar Farbstriche auf die Leinwand.


Die Figuren einbinden

"Jetzt geht es darum, die Figur, in diesem Fall den stehenden Mann, in das Bild einzubinden", sagt Lisa und geht ein paar Schritte zurück, um das großformatige Bild aus einigem Abstand zu betrachten. "Am Ende wird das gesamte Bild mehr Gewicht haben als die Figur selbst", erklärt die Kunststudentin.

Dann lässt sie wieder den Pinsel fallen. "Jetzt brauch ich noch einen", sagt Lisa und spaziert zum Ausgang des hellen Raumes mit den bodentiefen Fenstern. Draußen vor dem Atelier zwitschern die Vögel. "Der Tiergarten ist gleich ums Eck", erzählt Lisa auf dem Weg zurück zum Kaffee-Automaten. "Manchmal kann man sogar die Löwen hören von hier."

In diesem Augenblick brüllt leider keine Raubkatze. Nur hier und dort hämmern Künstler auf Holz oder hauen auf Metall herum. "Dort sind die Klassenräume der Bildhauer. Hier ist normalerweise voll der Trubel. Aber im Moment sind die meisten ausgeflogen."


Ausstellung steht an

Lisa genießt die sommerliche Ruhe zum Arbeiten. "In meinem eigenen Atelier ist es jetzt viel zu heiß." Außerdem hat Lisa jede Menge zu tun. Die nächste Ausstellung steht bald vor der Tür. Da kann Ruhe nur helfen. "Am 19. September stelle ich meine neuen Bilder im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung mit Ulrike Hild und Markus Burkard in Nürnberg aus." Die Schau unter dem Titel "Collider" findet in der Akademie-Galerie "Auf AEG" statt. "Ich freue mich total, mit den Leuten zusammenzuarbeiten." Auf dem ehemaligen Firmengelände trifft sich die angesagten Kunst- und Kulturszene in Nürnberg.

Angesagt sind derzeit auch die Arbeiten von Lisa Wölfel. Im Sommer hat die Künstlerin einen Förderpreis des renommierten NN-Kunstpreises bekommen. "Die Auszeichnung hat mich total gefreut. Das ist einfach eine tolle Bestätigung für meine Arbeit." Schließlich sei die öffentliche Anerkennung gerade in der Kunst-Szene wichtig.
Mit dem Malen angefangen hat Lisa übrigens ganz früh. Schon in der kleinen aber feinen Buchhandlung der Eltern in Haßfurt hat sie lieber gemalt als gelesen. "Mein damaliger Grundschullehrer hat mich dann auf das musische Gymnasium nach Bamberg geschickt. Dafür bin ich ihm noch heute total dankbar." Nach dem Kunst-Abitur auf dem E.T.A. Hoffmann-Gymnasium kam eines zum anderen.

Mittlerweile ist Lisa Wölfel in der Akademie zur Meisterschülerin aufgestiegen. Nach neun Studiensemestern fühlt sie sich heute wohler denn je in Nürnberg. "Mir gefällt die Akademie einfach super gut. Es ist ein toller Ort, um unterschiedlichste Menschen kennenzulernen. Ich kann mir ganz ehrlich keinen schöneren Ort zum Studieren vorstellen."


Klare Vorstellungen

Einfach sei das Künstlerleben deswegen freilich auch nicht immer. Wenn verschiedene Vorstellungen über Kunst kollidieren, fliegen schon mal die Fetzen. Lisa hat vielleicht auch deshalb schon klare Vorstellungen, was ein gutes Bild ausmacht. "Die besten Bilder sind die, die einfach für sich stehen. Wo man nicht operieren muss mit Worten, um den Sinn und die Bedeutung zu verstehen", sagt Lisa und lacht vielleicht ein bisschen über sich selbst und die Kunst im Allgemeinen.

"Mein Kaffee ist jetzt leider leer", sagt Lisa und verschwindet in ihrem Atelier mit den großen Fenstern und den hohen Decken. Die Bilder rufen. Und warten auf die Künstlerin.


Lisa Wölfel und ihre Kunst

Die 27-jährige Lisa Wölfel aus Haßfurt studiert seit 2009 "Freie Malerei" in Nürnberg. Mittlerweile ist sie Meisterschülerin an der Akademie der Bildenden Künste bei Professor Thomas Hartmann. Auf ihrem Internet-Blog veröffentlicht die Künstlerin aktuelle Arbeiten (unter der Adresse: http://lisawoelfel.tumblr.com/).

Lisa Wölfel wirkt bei der Ausstellung "Collider" (19.September bis 18.Oktober) mit. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag bis Sonntag, 12 bis 19 Uhr, in der Akademie/Galerie Nürnberg, Halle 13, Muggenhofer Straße 135, in Nürnberg.

Im Aufeinandertreffen der künstlerischen Positionen von Ulrike Hild, Lisa Wölfel und Markus Burkard werden elementare Grundlagen sichtbar. Die Ästhetiken und Sinnzusammenhänge zeigen sich in der Kollision situativ und installativ. Die Präsentation der drei Künstler, entwickelt aus aufgebrochenen, zersplitterten und neu zusammengesetzten Raumstrukturen, stehen im Kontext der Reflexion (aus der Einladungskarte).