Zwei wichtige und zukunftsweisende Punkte standen am Donnerstagabend auf der Tagesordnung des Stadtrates Ebern, bei der - dies nur nebenbei bemerkt - Zweiter Bürgermeister Harald Pascher (FDP/Freie Bürger) erstmals bei einer Stadtratssitzung auf dem Bürgermeisterstuhl Platz nahm. Besonderes Interesse bestand am Vorhaben der Diakonie Bamberg-Forchheim über die Errichtung einer Pflegeeinrichtung im Eberner Baugebiet Mannlehen (siehe Bericht unten) und an der ersten Vorstellung des Plans für den Neubau eines Mensa- und Betreuungsgebäudes für die Grundschule Ebern.

Der Stadtrat war sich hier einig und ohne Gegenstimme wurde der Mensabau beschlossen. Dazu erläuterte Bürgermeister Harald Pascher, dass das Kujathhaus, in dem die Mittagsbetreuung gegenwärtig stattfinde, aus allen Nähten platze. Auch habe sich gezeigt, dass eine Sanierung des alten Gebäudes keinen Sinn mache. Einer von der Stadt angeregten gemeinsamen Nutzung mit dem Landkreis stimmte die Kreisbehörde nicht zu. Verworfen wurde auch die Idee für einen Umzug der Einrichtung in die Räume der Akademie an der Nikolaus-Fey-Straße. Die Kostenschätzungen für die Akademie, zuletzt lagen sie bei 750.000 Euro, seien zu hoch. "Ein Neubau, der zu Schuljahresbeginn 2017 fertig sein soll, ist deshalb das einzig Richtige", sagte Pascher. Während der Bauphase könne die Betreuung mit vertretbaren Mitteln in Räumen der Akademie stattfinden. Eines gab Harald Pascher den Architekten mit auf den Weg: "Die Gesamtbaukosten dürfen auf keinen Fall zwei Millionen Euro übersteigen."


670 Quadratmeter Nutzfläche

Architekt Günther Pollach (Schweinfurt) sagte, dass "Gedankenspiele" für eine neue Mensa schon seit dem Jahr 2010 vorhanden seien. Er stellte den Lageplan des jetzigen Kujathauses und künftigen Mensagebäudes mit angrenzenden Parkplätzen vor und teilte dem Stadtrat seine Vorstellungen für den geplanten Neubau und dessen Nutzung mit. Vom Neubau werde auch der Anlagenring etwas betroffen, was aber nichts Bewegendes wäre. Der Neubau würde sich laut Pollach "harmonisch" dem Kindergarten anpassen.

Wie der Architekt ausführte, ist eine Nutzungsfläche von 670 Quadratmetern angedacht mit Nebenflächen von 417 Quadratmetern. 35 000 Euro würde ein Aufzug kosten, der angedacht ist, sagte der Architekt auf Frage von Stadträtin Brunhilde Giegold. Eine Aussage über die Gesamtbausumme machte Pollach nicht, versicherte aber, dass die von Bürgermeister Pascher genannte "Zwei-Millionen-Grenze" nicht überschritten werde. Stadtrat Thomas Limpert: "Wir können froh sein, dass so ein Vorschlag vorliegt, das sollten wir machen."
Der Bürgermeister wies darauf hin, dass es sich bisher nur um eine Vorplanung handle. Die Errichtung eines Neubaus wurde einstimmig beschlossen, ebenso der Architektenvertrag mit der Pauschalsumme von 165.000 Euro.


Altenpflegeheim

In der Dr. Wilhelm-Haller-Straße im Baugebiet Mannlehen soll eine Kombination entstehen: ein Altenpflegeheim mit stationären Plätzen für Personen, deren Mobilität eingeschränkt ist, und in diesem Zusammenhang auch eine Erweiterung für eine Kindertagesstätte mit je einer Gruppe für Kindergarten und Kindergruppe. Deshalb hatte der Stadtrat über eine Änderung des Bebauungsplans "Mannlehen" und über eine Bauvoranfrage zu befinden. Zweieinhalb Stunden mussten interessierte "Mannlehn bewohner" als Zuhörer bei der Sitzung warten, bis "ihr Thema" beraten wurde. Bürgermeister Harald Pascher sagte: "Erfreulich, dass die Diakonie in Ebern einen Neubau plant und diesen verwirklichen möchte. Ein Umbau ist im Seniorenheim "St. Elisabeth" aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Es handelt sich hier um ein innovatives Konzept, wo man Alt und Jung zusammen bringen könnte."


Höheres Verkehrsaufkommen

"Gegenwind" kam von Stadträtin Isabell Kuhn (JL): "Auch wenn wir einen Neubau begrüßen, so sind wir der Meinung, dass an der vorgesehenen Stelle im ,Mannlehen' nicht der richtige Ort ist." Das höhere Verkehrsaufkommen werde die Attraktivität des Wohngebietes schmälern sagte sie. Die JL werde deshalb gegen die Änderung des Bebauungsplanes stimmen.
Auch Stadtrat Thomas Limpert (FW) sah keinen "Zugzwang" für die Diakonie, den Bau möglichst schnell zu erstellen. Man solle zunächst mit den Bewohnern des Siedlungsgebiets sprechen. Ich halte es für nicht gut, wenn sie über die Pläne nur aus der Zeitung erfahren", so der FW-Stadtrat.
Die Einwände hörte Bürgermeister Pascher offensichtlich nicht gerne. "Ich kann diesen Widerstand nicht verstehen weil andere Standorte geprüft, von der Diakonie jedoch nicht für umsetzbar gehalten werden. Die Verkehrsanbindung wird geprüft und ein Einkaufsmarkt, der dort vorgesehen war, brächte ein weitaus größeres Verkehrsaufkommen", argumentierte er. Außerdem käme ein Standort in Eyrichshof für die Diakonie nicht in Frage, die den Baubeginn für das Jahr 2016 wünscht.


Knappe Mehrheit

"Schützenhilfe" erhielt der Bürgermeister von Stadträtin Brunhilde Giegold (SPD). "Der Stadtrat hat die Standorte eingehend abgewogen und wir sollten diese einmalige Chance wahrnehmen", sagte sie. Den Neubau befürwortete auch Dieter Gerstenkorn (CSU) für seine Fraktion. Mit 14 Ja- bei vier Nein-Stimmen wurde der Änderung des Bebauungsplans und dem Bauvorhaben der Diakonie zugestimmt.