Günther Trum ist um seine Arbeit derzeit zu beneiden. Seit etwa drei Jahren hat er positive Zahlen auf seinem Schreibtisch, und das dürfte sich auch nicht so schnell ändern.

Trum leitet die Geschäftsstelle Haßfurt der Agentur für Arbeit, die für den gesamten Kreis Haßberge zuständig ist. Positive Zahlen bedeuten für Trum: Die Zahl der Erwerbslosen nimmt stetig ab. Ein Trend, der seit etwa drei Jahren anhält. Für 2014 bedeutet das: Die Zahl der Erwerbslosen ist von rund 2000 betroffenen Personen auf rund 1500 gefallen. Die Arbeitslosenquote liegt bei exakt 3,1 Prozent - ein Wert, der laut Experten nahe an der Vollbeschäftigung rangiert.

Für Günther Trum und seinen Kollegen Walter Seit, der bei der Arbeitsagentur in Schweinfurt, der für Haßfurt übergeordneten Behörde, als Bereichsleiter tätig ist, war 2014 ein weitgehend normales Jahr "auf sehr gutem
Niveau" (Seit). Die Gründe sind rasch dargestellt: Die Konjunktur brummt. Es gebe mehr Beschäftigte und mehr Arbeit, sagten Trum und Seit. "Die Konjunktur läuft nach wie vor rund", erklärte Trum unserer Zeitung in einem Gespräch.

Er und sein Kollege gehen davon aus, dass die Lage 2015 ähnlich sein wird. Trum: "Es werden sich keine großartigen Änderungen ergeben." Seit: "Wir kalkulieren: Es geht weiter so." Für den Landkreis gibt es nach ihrer Darstellung keine Hinweise auf etwaige Problemfelder oder Firmen, die in Schieflage kommen könnten.

Engpässe bei der Ausbildung

Probleme und Handlungsbedarf auf einigen Feldern gibt es dennoch. Deshalb können sich Günther Trum und Walter Seit sowie die weiteren Kollegen in der Arbeitsverwaltung nicht einfach zurücklehnen - positive Zahlen hin oder her. Stichwort Ausbildung: Hier hat sich die Schere mittlerweile vollkommen ins Gegenteil verkehrt. Während vor Jahren viele angehende "Azubis" händeringend eine Lehrstelle suchten und keine fanden, weil es zu wenige gab, stellt sich die Situation nun anders dar: Unternehmen bekommen keine Auszubildenden, weil es zu wenige Bewerber gibt. Vor allem Firmen mit Berufen, die bei den jungen Leuten eher weniger im Fokus stehen, haben Schwierigkeiten.

Die Arbeitsagentur will in der Situation helfen. Über die ausbildungsbegleitenden Hilfen" sollen verstärkt junge Leute in Lehrstellen vermittelt werden. Und die Firmen sollen nicht warten, bis junge Leute schlechte Noten haben. Die Unternehmen können das Angebot der Arbeitsagentur schon eher in Anspruch nehmen, betonen Günther Trum und Walter Seit. Ein Gutes hat der Bewerber-Engpass: Für schwächere Schulabsolventen steigen die Chancen auf einen "Azubi"-Platz.

Engpässe gibt es mittlerweile auch bei Fachkräften. Manche Firmen suchen nach geeigneten Mitarbeitern und finden sie nicht. Auch in dieser Lage will die Agentur helfen: mit Qualifizierung und Schulung.

Arbeitssuchende aus dem Ausland, auch Migranten, haben deshalb gute Chancen, eine Arbeitsstelle zu bekommen. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings, wie die Erfahrungen von Trum und Seit zeigen: Die Bewerber müssen deutsch können. Sonst wird es schwierig. Sprachkurse sind ein erster Schritt für Bewerber aus dem Ausland, auch für Asylbewerber, die nach einem dreimonatigen Aufenthalt hierzulande arbeiten dürfen.

"Licht und Schatten"

Ähnlich positiv wie die Arbeitsagentur bewertet auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Haßberge - allerdings mit Einschränkungen. "Wir sehen Licht und Schatten", kommentierte Norbert Zirnsak, Gewerkschaftssekretär des DGB Unterfranken aus Theres. Licht: Es gibt mehr Beschäftigungsverhältnisse und weniger Arbeitslose. Schatten: Die Mittel für die Jobcenter seien gekürzt worden, bedauert Norbert Zirnsak, und damit werde es schwieriger, die Langzeitarbeitslosen in Arbeit zu bringen. Außerdem ist der Niedriglohnsektor im Landkreis nach seiner Ansicht zu groß. Er geht davon aus, dass der seit dem 1. Januar geltende Mindestlohn hier korrigierend eingreift und die von der Gewerkschaft kritisierte Situation verbessern hilft.