Oft findet man verschiedene Biersorten nur in ausgewählten Lokalen, eher nicht in einem dörflichen Brauhaus. Anders am Samstagabend im alten Kommunbrauhaus in Höchstädten, welches Jochen Zürl aus Ebern mit seinem Helferteam hergerichtet und seit August 2011 mit regelmäßigen Bierbrauen neu belebt hat. An diesem Tag fand aus Anlass des "Tag des Bieres", es ist jährlich der 23. April, das siebte Treffen aller Kommunalbrauer aus dem Haßbergkreis statt.

Die "Qual der Wahl" hatten die knapp 40 Frauen und Männer, die in den kleinen Ort an der Baunach gekommen waren, da jeder aus seinem Brauhaus eine Biersorte mitgebracht hatte. "Acht verschiedene Sorten haben wir heute", sagt Biersommelier Norbert Hümmer aus Neubrunn, der dieses "Event" ins Leben gerufen hat. Er und Jochen Zürl erläutern, dass es im Landkreis Haßberge neun Kommunbrauhäuser gibt, die in Dörflis, Junkersdorf bei Hofheim und Junkersdorf bei Pfarrweisach, in Unfinden, Eckartshausen, Brünn, Buch (Theres) Üschersdorf und Höchstädten betrieben werden.

Aller guten Dinge sind acht

Vor jedem Fassanstich erklärt einer der Brauer das Bier. Auch auf kleinen Infotafeln, die bei den Fässern stehen, kann man sehen, wo der Gerstensaft gebraut wurde. Mit kleinen Gläsern in der Hand umlagerten die Bierbrauer die acht sauber aufgereihten Fässer, um jeweils das Bier der anderen Brauer zu verkosten. Fachmännisch klingt es, als einer der Verkoster einen kleinen Schluck aus dem Glas nimmt, diesen sich auf der Zunge zergehen lässt: "Wenig Kohlensäure, leicht untergärig", ist zu hören. Die Kommunhausbrauer, die bei ihrem Treffen lebhaft über Zutaten, Stammwürze und Kohlensäuregehalt fachsimpeln, schätzen den edlen Gerstensaft.

"Keine Konkurrenz"

Jochen Zürl und Norbert Hümmer legen Wert auf die Feststellung, dass sie als Kommunbrauer sich nicht als Konkurrenz zu professionellen Brauereien sehen. "Wir wollen das Kulturgut der fränkischen Brautradition in unserem Landkreis weiter erhalten", sagt Norbert Hümmer und Jochen Zürl ergänzt: "Wichtig ist es uns auch die alten Hausbrauerbiersorten zu erhalten, für Genießer eben."

Die Brauer, die mit Angehörigen, Freunden oder Bekannten zum Treffen nach Höchstädten gekommen waren, hatten für die Erzeugnisse ihrer "kommunalen Konkurrenz" nur anerkennende Worte. Für jeden war es interessant festzustellen, wie das Bier der anderen schmeckt. "Bei den Bieren sind schon wesentliche Unterschiede festzustellen", ruft ein Teilnehmer aus dem Hintergrund und aus einer anderen Ecke tönt es: "Die sind alle nicht schlecht."

Im Kommunbrauhaus in Höchstädten sind an diesem Tag Leute versammelt, die sich dem Erhalt der Tradition des Bierbrauens verschrieben haben. "Alles halt Idealisten und Individualisten", sagt einer der Besucher beeindruckt.

Keins wies andere

In eigenen Wänden Bier zu brauen ist kein Hexenwerk, wenn man sich damit befasst. Alle die in den Haßberg-Kommunbrauhäusern brauen sind keine Profis. Ihre Kenntnisse haben sie sich selbst in entsprechenden Kursen angeeignet. "Vor allen Dingen ist es faszinierend mit nur wenigen Gerätschaften und noch weniger Zutaten eine Vielzahl nuancenreicher Biere, vollmundige, dunkle, helle, spritzige Biere wie einst zu sieden.", sagt Jochen Zürl.
Niemand anders kann mit einem wohlschmeckenden und unverfälschten Gebräu mit urigem Geschmack aufwarten, wie ein geschickter Hausbrauer, sagten diese. Kein Bier schmeckt wie das andere. "Wie viel Hektoliter Bier stoßen die neun Kommunbrauhäuser im Landkreis im Jahr aus? Norbert Hümmer überlegt kurz und sagt: "So zwischen 100 und 300 Hektoliter, genau kann ich das aber nicht sagen." Faszinierend an der alten Brautradition sei bei den Treffen der Austausch über Techniken, Fertigkeiten und Rezepturen", erläutert Hümmer, was die neun Bierbrauer im Landkreis verbinde.

Stolz sind die in Höchstädten versammelten Brauer, dass die Dichte von Kommunbrauern die im Landkreis Hassberge vorhanden ist, ihres gleichen nicht so schnell findet. "Kommunbrauhäuser und selbstgebrautes fränkisches Bier ist Kulturgut", sind sich die Brauidealisten unisono einig. Dieses wollen sie erhalten und pflegen, wozu der "Tag des Bieres" gute Gelegenheit bietet. Also dann: "Hopfen und Malz, Gott erhalt`s."