Die Stadt Königsberg feiert fünf Tage ihr Pfingstfest. Höhepunkt ist der Auszug der historischen Bürgerwehr am Pfingstdienstag (ab 8.30 Uhr, Marktplatz). Der Aufmarsch ist zugleich der Schlusspunkt des traditionsreichen Festes in Königsberg. Die Bürgerwehr ist etwas Besonderes und in weitem Umkreis einmalig.

Revolutionsjahr 1848

Die Anfänge der Königsberger Bürgerwehr liegen in dem für die europäische Geschichte bedeutsamen Jahr 1848. Die deutschen Lande erfasste damals eine zu befreiender Gemeinsamkeit drängende Willensdemonstration. Sie bekundete den Anspruch der Bürger, nicht länger Untertanen zu sein, sondern das nationale Schicksal mitzubestimmen und zu diesem Zweck an der Regierung teilzuhaben.

Die Forderung jener Zeit war ein deutscher Nationalstaat unter der schwarz-rot-goldenen Fahne, wie sie 1817 von Burschenschaften auf der
Wartburg geschaffen worden war. Die Abschaffung der Feudalherrschaft und die Einführung der Grundrechte waren die Ziele, für die es sich offenbar zu kämpfen lohnte. Um dies gegen die herrschende Obrigkeit durchzusetzen, entstanden überall im Lande, besonders aber in Baden und Franken, Bürgerwehren.

Getragen vom freiheitlichen Willen

Auch die Königsberger waren fest entschlossen, ihre Bürgerrechte gegenüber dem Coburger Fürstenhaus, unter dessen Herrschaft sie standen, durchzusetzen. Unter dem schwarz-rot-goldenen Freiheitssymbol sammelten sich in Königsberg revolutionäre Kräfte zu einer Bürgerwehr, um dem freiheitlichen Willen der Bürger Nachdruck zu verleihen.

Nach anfänglichen Erfolgen, wozu auch der Zusammentritt des frei gewählten deutschen Parlaments in der Paulskirche in Frankfurt zu zählen ist, wurde das Vorhaben immer schwieriger. Das Parlament zerstritt sich, und der Adel gewann die Oberhand. Die republikanischen Armeen in Baden wurden durch die zu Hilfe gerufene preußische Armee unter dem späteren deutschen Kaiser Wilhelm I., dem sogenannten Kartätschen-Prinzen, geschlagen. Aufständische wurden in Prozessen gefoltert und hingerichtet. 1849 wanderten allein aus Baden 80 000 Menschen nach Amerika aus.

Herzog bewies Weitblick

In Königsberg ist es nicht zu größeren Kampfhandlungen gekommen, weil der damalige Herzog Ernst II. politischen Weitblick besaß. Das Bürgerwehrbataillon, das damals über 120 Mann stark war, bekam von den Königsberger Frauen eine schwarz-rot-goldene Fahne gestiftet, die am 22. Oktober 1848 geweiht wurde. Sie wird heute noch beim Auszug mitgeführt.

Zur Erinnerung an diesen Tag findet jährlich am Dienstag nach Pfingsten ein Auszug der Bürgerwehr mit Parademarsch statt. Alt wie der Brauch sind die Uniformen, die Kommandos sowie der gesamte Ablauf der Parade, die mehr ist als nur ein farbenprächtiges Schauspiel. Es handelt sich um ein Wachrufen geschichtlicher Ereignisse. Es geht um die Demokratie.

Das Programm des Pfingstfestes

Freitag Ab 17 Uhr Festplatzbetrieb. 19.30 Uhr Bieranstich. Musik im Bleichdamm-Festzelt machen die "Frankenräuber".

Samstag Ab 15 Uhr "Schnippeltag" mit vielen Angeboten. Gegen 22.30 Uhr wird das Feuerwerk gezündet. Das Motto lautet: "Tanz der Funken". Die Gruppe "BlechBlasn" spielt im Festzelt am Bleichdamm auf.

Sonntag Um 10 Uhr Gottesdienst in der evangelischen Marienkirche und in der katholischen Josefs-Kirche. Ab 11 Uhr ist ein Standkonzert auf dem Marktplatz mit der Blaskapelle Hofstetten und dem Spielmannszug Hofheim geplant. Im Festzelt spielen mittags die Hofstettener auf. Abends unterhalten "The Jets".

Montag Um 8.30 Uhr ist ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Schlossberg. Um 9 Uhr Frühschoppen im Burghof mit Heimattreffen der Königsberger. Im Festzelt spielen auf: "2gether" und "Little Mundox".

Dienstag Um 8.30 Uhr beginnt der Auszug der Bürgerwehr auf dem Marktplatz. Im Festzelt macht die Blaskapelle aus Michelau die Musik.