Wenn Matthias und Yvonne Jung ihr Haus im Eltmanner Stadtteil Limbach betreten, erklingt plötzlich eine Frauen-Stimme. "Hallo! Willkommen zuhause", tönt es durch den Raum. "Alle Systeme sind im grünen Bereich", fährt die Stimme fort - freundlich, aber mit mechanischem Unterton. Das Sprachsystem, das Matthias und Yvonne Jung beim Betreten ihres Hauses begrüßt, ist Bestandteil ihres intelligenten Zuhauses. Denn die Familie lebt in einem Smart Home. Tablets und Kameras sind die ersten optischen Vorboten der im Haus verbauten digitalen Technik, die im Hintergrund nahezu alles vernetzt und steuert.

Gleichzeitig ist das Haus der Jungs klimafreundlich und energieeffizient. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom. Wärmepumpe, Solarthermieanlage und Pellet-Ofen sind zentrale Bestandteile des Heizungssystems. Sensoren sammeln Daten der einzelnen Komponenten und liefern diese an die digitalen Steuerungssysteme. Die gesamte Beleuchtung ist auf LED-Technik umgerüstet. Ein Elektroauto und weitere E-Fahrzeuge zählen zum Fuhrpark der Familie.

"Wir haben das Haus 2004 gekauft", berichtet Matthias Jung. Als es modernisiert werden musste, hätten er und seine Frau sich gedacht: "Wenn, dann machen wir das gescheit." Ziel war es, Energiekosten einzusparen und nachhaltig umzurüsten. "Vieles ist dabei in der Anschaffung zunächst teurer, auf lange Sicht aber kostengünstiger", sagt Jung und fügt an: "Oder man ist unabhängiger als zum Beispiel mit einer Gasheizung."

Auf beiden Seiten Photovoltaik

Die Photovoltaik-Anlage ist auf der Ost- sowie der West-Seite des Hausdachs angebracht. Sie erzeugt jährlich rund 18 000 Kilowattstunden an Energie. "Jeder hat gesagt, wir sollen die Anlage nur auf einer Seite des Dachs anbringen, auf beiden wäre nicht effizient", erinnert sich Jung. Zwar dauert es nun länger bis der Ertrag der Anlage die Anschaffungskosten ausgleicht, dafür steht der Familie mehr Leistung zur Verfügung.

"Wir erzeugen wesentlich mehr Strom als wir verbrauchen", sagt Jung. Im Moment wird der Solarstrom aus der Photovoltaik-Anlage noch ins Netz eingespeist. In fünf Jahren soll ihn eine Speicheranlage direkt nutzbar machen. Eine Lösung, die die überschüssige Energie aus dem Sommer für den gesamten Winter speichern kann, gibt es aktuell noch nicht. Matthias Jung ist jedoch zuversichtlich, dass die Technik bis 2025 soweit sein wird. "Es kommen Monat für Monat neue Innovationen auf den Markt." Können die Jungs dann die von der Photovoltaikanlage erzeugte Energie speichern, wäre ihr Haushalt energieautark.

Das ganzheitliche, klimafreundliche Konzept überzeugte vor Kurzem die Jury des Bürgerenergiepreises, der jedes Jahr von der Bayernwerk Netz GmbH mit Unterstützung der Regierung von Unterfranken vergeben wird. Familie Jung wurde als einer von insgesamt drei Preisträgern gekürt.

Seit 2010 habe die Familie ihr Zweifamilienhaus - Baujahr 1983 - kontinuierlich auf smarte, erneuerbare Energien umgestellt, heißt es in der Begründung der Preisjury. Das Bestandsgebäude sei intelligent, innovativ und mit viel Eigeninitiative fit für die Energiezukunft gemacht worden. Die Eltmanner Familie habe Vorbildcharakter, was Energiemanagement und Umweltbewusstsein betrifft.

Vom Gewinn des Preises war die Familie überrascht, wie Matthias Jung erzählt. Der gelernte Industriemechaniker hat die Heizungsanlage des Hauses größtenteils in Eigenregie umgebaut. Die Grundkenntnisse aus seiner Ausbildung halfen ihm hierbei. In Foren und mit Fachberichten las er sich tiefer ein. Auch die Steuerungssysteme hat er aufeinander abgestimmt.

Er sei öfters an einen Punkt gekommen, an dem er am liebsten alles in die Ecke geschmissen hätte, bestätigt Jung. Kam er nicht weiter, sei ihm oft über Nacht ein Baustein eingefallen, der ihn der Lösung ein Stück näher brachte. "Ich habe an der Anlage alles kontrolliert. Geschaut, was wie passiert. Sensoren eingebaut, Diagramme ausgewertet. Etwas verändert und dann wieder ausprobiert, was passiert."

"Alexa, ich will baden"

Auf dem Smart Home-Markt gebe es viele Angebote, sagt Jung. "Aber keinen Hersteller, der alle Funktionen anbieten kann." So stellte sich der 40-jährige Familienvater die Technik für sein Haus selbst zusammen. "Es ist wie mit vielen kleinen Bienen, die zusammen einen Stock betreiben", beschreibt er die Systematik.

Yvonne Jung zeigt an einem Beispiel, wie es funktioniert: "Alexa, ich will baden", sagt sie. Einen kurzen Moment später antwortet das Sprachsystem: "Kein Problem, ich schalte die Wärmepumpe ein." Alexa sagt auch, dass es etwa 15 Minuten dauern wird, bis das Badewasser aufgewärmt ist. Gleichzeitig meldet sich ein anderes System zu Wort und gibt Bescheid, dass die Wärmepumpe eingeschaltet wurde. Eine Art Kontrolle für die Aktivitäten von Alexa.

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Dass ihre Daten durch die digitale Technik den großen Internetdiensten wie etwa Amazon zur Verfügung stehen, macht den Jungs keine Bedenken, wie sie sagen. Das gilt auch für mögliche Hacker-Angriffe. Die Daten einer einzelnen Familie würden niemanden interessieren. "Wir mussten alles vernetzen, damit es so funktioniert wie jetzt", sagt Matthias Jung. Die Möglichkeiten der modernen Technik begrüßen er und seine Frau aber nur "bis zu einem gewissen Grad". Wichtig sei es etwa, selbst noch Entscheidungen treffen zu können, sagt Yvonne Jung. "Wenn ich das Haus irgendwann fragen muss, ob ich rein darf, geht das zu weit."

Energiespartipps

Auf die Frage, was jeder tun könne, um beim Heizen Energie zu sparen, empfiehlt Matthias Jung smarte Thermostate. Auch ein hydraulischer Abgleich der Heizkörper lohne sich. So würden die optimale Heizkurve und Vorlauftemperatur bestimmt. "Schätzungen zufolge passt dies bei mindestens 50 Prozent der Haushalte nicht, beziehungsweise wahrscheinlich bei über 80 Prozent", sagt Jung.