Kein Ort für Genussradler

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Das isländische Hochland ist menschenleer, krag und lebensfeindlich - eine Welt für sich. Foto: privat
Das isländische Hochland ist menschenleer, krag und lebensfeindlich - eine Welt für sich. Foto: privat
Die Sonne scheint, aber die Luft ist kalt - vor einem Vulkan legen Inge und Manfred Wagner eine Pause ein. Foto: privat
Die Sonne scheint, aber die Luft ist kalt - vor einem Vulkan legen Inge und Manfred Wagner eine Pause ein. Foto: privat
 
Es blubbert und dampft, es zischt und es stinkt: Ein gewaltiges Schwefelloch bei Myvatn. Foto: privat
Es blubbert und dampft, es zischt und es stinkt: Ein gewaltiges Schwefelloch bei Myvatn. Foto: privat
 
Vor einer Gletscherzunge des Vatnajökul weiden einige Schafe. Foto: privat
Vor einer Gletscherzunge des Vatnajökul weiden einige Schafe. Foto: privat
 
Dichter Nebel verhüllt teilweise die Skyline von Islands Hauptstadt Reykjavik. Foto: privat
Dichter Nebel verhüllt teilweise die Skyline von Islands Hauptstadt Reykjavik. Foto: privat
 
Irgendwo im Nirgendwo: Bus-Stopp im isländischen Hochland. Foto: privat
Irgendwo im Nirgendwo: Bus-Stopp im isländischen Hochland. Foto: privat
 
Bei diesem Eisberg handelt es sich um eine abgebrochene Eismasse von Europas größtem Gletscher Vatnajökul. Foto: privat
Bei diesem Eisberg handelt es sich um eine abgebrochene Eismasse von Europas größtem Gletscher Vatnajökul.  Foto: privat
 
Godafoss heißt Wasserfall der Götter. Der Sage nach wurden die letzten heidnischen Götzenbilder hineingeworfen. Foto: privat
Godafoss heißt Wasserfall der Götter. Der Sage nach wurden die letzten heidnischen Götzenbilder hineingeworfen. Foto: privat
 
Das Königsberger Radlerpaar Inge und Manfred Wagner vor dem riesigen Wasserfall Gullfoss. Foto: privat
Das Königsberger Radlerpaar Inge und Manfred Wagner vor dem riesigen Wasserfall Gullfoss. Foto: privat
 
So schön kann Island sein. Das Wetter wechselt aber manchmal im Viertelstundentakt. Foto: privat
So schön kann Island sein. Das Wetter wechselt aber manchmal im Viertelstundentakt. Foto: privat
 
Mehr als einmal müssen sich die Wagners einen Zeltplatz in der Wildnis suchen. Foto: privat
Mehr als einmal müssen sich die Wagners einen Zeltplatz in der Wildnis suchen.  Foto: privat
 
Sieht unscheinbar aus, ist aber ein wichtiger historischer Ort. In Pingvellir beschloss um das Jahr 1000 das isländische Parlament, zum Christentum überzutreten. Foto: privat
Sieht unscheinbar aus, ist aber ein wichtiger historischer Ort. In Pingvellir beschloss um das Jahr 1000 das isländische Parlament, zum Christentum überzutreten. Foto: privat
 
Trotzen Wind und Wetter: Die abgehärteten Islandpferde. Foto: privat
Trotzen Wind und Wetter: Die abgehärteten Islandpferde.  Foto: privat
 
Kaum hat ein eiskalter Regenschauer Inge Wagner frösteln lassen, scheint schon wieder die Sonne und überm Himmelsblau bildet sich ein Regenbogen. Foto: privat
Kaum hat ein eiskalter Regenschauer Inge Wagner frösteln lassen, scheint schon wieder die Sonne und überm Himmelsblau bildet sich ein Regenbogen. Foto: privat
 
Blick vom Vulkankrater: Der See auf dem Grund ist identisch mit dem Grundwasserspiegel. Foto: privat
Blick vom Vulkankrater: Der See auf dem Grund ist identisch mit dem Grundwasserspiegel. Foto: privat
 
Das stilisierte Wikingerschiff steht als modernes Kunstwerk an der Promenade von Reykjavik. Foto: privat
Das stilisierte Wikingerschiff steht als modernes Kunstwerk an der Promenade von Reykjavik. Foto: privat
 
Allerorten sieht man die Spuren unzähliger Vulkanausbrüche. Foto: privat
Allerorten sieht man die Spuren unzähliger Vulkanausbrüche. Foto: privat
 
Spektakulär: Der Geysir "Strokkur" schießt alle paar Minuten eine meterhohe Fontäne in die Luft. Foto: privat
Spektakulär: Der Geysir "Strokkur" schießt alle paar Minuten eine meterhohe Fontäne in die Luft. Foto: privat
 
Allerorten sieht man die Spuren unzähliger Vulkanausbrüche. Foto: privat
Allerorten sieht man die Spuren unzähliger Vulkanausbrüche. Foto: privat
 
Gestrandet! Vor rund 50 Jahren kenterte dieses Boot im Sturm vor Islands Südküste. Foto: privat
Gestrandet! Vor rund 50 Jahren kenterte dieses Boot im Sturm vor Islands Südküste. Foto: privat
 
Öfter stehen solche Häuschen in der Landschaft - ob man damit die Trolle besänftigen will? Foto: privat
Öfter stehen solche Häuschen in der Landschaft - ob man damit die Trolle besänftigen will? Foto: privat
 
Auf matratzendick mit Moos bedecktem Lavafeld steht dieser lustige Stein-Troll. Foto: privat
Auf matratzendick mit Moos bedecktem Lavafeld steht dieser lustige Stein-Troll. Foto: privat
 
Wie gigantische Trolle wirken die bizarren Felsen unweit des Lavastrandes an der Südküste. Foto: privat
Wie gigantische Trolle wirken die bizarren Felsen unweit des Lavastrandes an der Südküste. Foto: privat
 

Auf den Weg zu faszinierenden Naturwundern machten sich Inge und Manfred Wagner aus Holzhausen bei ihrer Umrundung Islands mit dem Fahrrad.

Mit dem Fahrrad Island umrunden, durch das Hochland radeln, auf Tuchfühlung gehen zu faszinierenden Naturwundern und den Wetterextremen trotzen - diesen abenteuerlichen Traum erfüllten sich Inge und Manfred Wagner aus Holzhausen.

Sie sahen, wie Geysire ihre Fontänen hochschießen, wie riesige Wasserfälle donnernd in die Tiefe rauschen, wie die größten Gletscher Europas in den Ozean kalben und wie Schwefellöcher dampfen, zischen und stinken. Doch sie strampelten auch tagelang gegen stürmischen Wind, fröstelten bei eiskaltem Graupel- und Nieselregen sowie dichtem Nebel. Fazit ihrer einmonatigen Radreise: Es gibt kaum eine schönere Tour - doch Island ist wahrlich kein Radlerparadies und völlig ungeeignet für Genuss- und Schönwetterradler!


Wind und Nebel gehören dazu

Schnell erkannten sie, dass Wind und Nebel zu Island gehören wie das Kreuz und das Abendmahl zur Kirche. Zuerst steuerten sie die Sehenswürdigkeiten des Golden Circle an: den riesigen Wasserfall Gullfoss, die aktiven Geysire und Pingvellir - einen historischen Platz beim felsigen Spalt zwischen der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatte. Dort tagte vor 1000 Jahren das erste isländische Parlament und beschloss, dass die Einwohner den christlichen Glauben annehmen sollten.

Der ursprüngliche Plan der Franken, die Insel aus Feuer und Eis zunächst von Süd nach Nord zu durchqueren, scheiterte an einem langen und steilen Berg aus Steingeröll, als ihnen der böige Sturm wie entfesselt entgegen fauchte. Hier stießen die erfahrenen Traveller an ihre Grenzen und sie kapitulierten vor der Naturgewalt. Es fiel ihnen schwer, zu akzeptieren, dass sie gescheitert waren. Sie erinnerten sich an das, was ihnen ein Freund vorher gesagt hatte: Wer in Island eine längere Radtour machen wolle, könne sich auch gleich selber geißeln. Schließlich beschlossen sie, ihre ursprünglich geplante Route genau umgekehrt zu fahren.


Kleine Trolle, große Gletscher

Nachdem sie ausgedehnte, matratzendick mit Moos bedeckte Lavafelder passiert hatten, bestaunten sie die riesigen Eisberge, die Europas größter Gletscher Vatnajökull in den Atlantik kalbt. Im Norden der Insel machte beiden das nasskalte und im Viertelstundentakt sich radikal wechselnde Wetter zu schaffen: Immer wieder prasselten eisige Graupelschauer auf die Globetrotter nieder. Trotzdem entschlossen sie sich kurz darauf, einen neuen Anlauf zu wagen, um die Insel über das menschenleere Hochland - diesmal von Nord nach Süd - zu durchqueren.

Frisch gewagt ist halb gewonnen - das Vorhaben glückte! Für manche Dinge im Leben braucht man nicht nur einen, sondern zwei, drei oder vier Versuche! Leicht war es allerdings nicht: Über lange Strecken hatten die Pedalritter mit wellblechartigen tiefen Querrillen zu kämpfen und stürmische böige Seitenwinde zwangen Inge Wagner, meilenweit zu schieben. Sehr problematisch gestaltete sich die Suche nach einem einigermaßen windgeschützten und ebenen Zeltplatz inmitten der unwirtlichen und schier unendlichen Stein- und Lavawüste.
Die weite und unberührte Natur und Wildnis hinterlässt fast zwangsläufig einen mystischen Eindruck. Viele Isländer glauben heute noch, dass hier geheimnisvolle Trolle und Elfen hausen. Dieses ursprüngliche Naturerlebnis zieht auch viele Radler aus aller Herren Länder magisch an. In welch anderem Land kann man bedenkenlos das Wasser einfach aus Flüssen trinken? Allerdings waren fast alle Radfreaks, denen die Königsberger begegneten, jung und sportlich ambitioniert - die beiden Haßbergler in ihrer Altersklasse 60 plus waren die große Ausnahme...


Eine Pizza für zwei

Camping war für die Wagners von ersten bis zum letzten Tag angesagt. Zum einen wegen der fehlenden Infrastruktur in vielen Regionen, zum anderen wegen der horrenden Preise. Ein Zimmer für rund 200 Euro die Nacht? Nein, danke! Fast immer war Selbstverpflegung angesagt, nur selten teilten sie sich eine Pizza für 20 Euro und gönnten sich dazu ein Bier für acht bis zehn Euro.

Für die Globetrotter war die Reise auch ein Akt intensiver Selbsterfahrung: Die Freude über den eigenen Mut und die Entschlossenheit, über Geduld, Ausdauer, Gelassenheit und Selbstvertrauen wechselte mit dem Frust wegen eigener Genervtheit, Wankelmut und Selbstzweifel. red