Jens Winkelmann aus Rentweinsdorf war ein lebensbejahender Mann voller Energie, ein Fußballer mit besonderem Talent. Er war erst 23 Jahre alt, als er in Laufen in der Schweiz an seiner Arbeitsstelle am 22. November 2007 tödlich verunglückte. Cornelia Winkelmann und ihr Mann Peter sprechen über ihren Sohn Jens, der am 26. Februar dieses Jahres 37 Jahre alt geworden wäre.

"Mich freut es sehr, dass überhaupt jemand an Jens denkt", sagt die 55-Jährige. Sie und ihr Mann Peter (52) wirken 13 Jahre nach dem tragischen Unfalltod ihres Sohns Jens gefasst, auch wenn ihnen Trauer ins Gesicht geschrieben steht. "Den Tag kann ich gar nicht mehr genau sagen, als es nachts gegen 22.30 Uhr an unserer Haustür klingelte. Mein Mann Peter und unser jüngster Sohn Dominik waren schon schlafen gegangen, unser Sohn Markus wohnte nicht mehr zu Hause. Ich sah zum Fenster raus und habe zwei Polizeibeamte gesehen, mit einer weiteren Person, die ich nicht erkannte", sagt Cornelia Winkelmann.

"Ich konnte schon nicht mehr richtig denken, als ich die Tür geöffnet habe"

Ihr sei damals blitzartig ihr Sohn Jens eingefallen. "Mein Herz raste, ich konnte schon nicht mehr richtig denken, als ich die Tür geöffnet habe", erinnert sich die dreifache Mutter. Sie musste anhören, dass ihr Sohn in der Schweiz am Arbeitsplatz tödlich verunglückt war. Auch an die Zeit nachher, als Diakon Sven Steffan sich um sie kümmerte, habe sie bis heute keine Erinnerungen mehr. Nachdem die Polizei gegangen war, habe sich Steffan einfühlsam um die Familie bemüht. "Sven hat uns noch lange Zeit nachher begleitet", sagt Peter Winkelmann. Er und seine Frau empfanden das als sehr wohltuend.

"Ja, wir sind ihm dafür heute noch sehr dankbar", sagen beide unisono. Sven Steffan sei nach der schrecklichen Nachricht vom Tode von Jens fast täglich da gewesen, um zu trösten und um mit der Aufarbeitung des Unglücks zu beginnen. "Er organisierte einfach alles, bis hin zur Beerdigung von Jens", sagt Cornelia Winkelmann. Sie und ihr Mann Peter haben ihren Sohn auf Fotos stets gegenwärtig, aber auch ohne Fotos ist er in ihren Gedanken immer da. "Fußball war das Leben von Jens. Er war ein guter Spieler und hatte das Bestreben einmal höherklassig zu spielen", sagt Peter, früher selbst ein begeisterter Fußballspieler bei den Sportfreunden Unterpreppach, wo auch Jens dem Ball nachjagte. Peter und Cornelia blicken sich an, und sie sagt zu ihrem Mann: "Weißt du noch, wir waren im Wald, um Brennholz zu machen. Und Jens war da, wie wir später erfuhren, bereits tot."

Es habe einige Zeit gedauert, bis Jens von der Schweiz nach Rentweinsdorf überführt wurde, weil es vorher vieles zu klären galt. "Meine Frau und ich waren nicht in der Lage, das alles in die Hand zu nehmen", erzählt Peter Winkelmann. Er und seine Frau sind deshalb ihrem Sohn Markus heute noch sehr dankbar, der vor 13 Jahren mit seiner damaligen Freundin Nadine in die Schweiz gefahren war, um alles zu regeln.

Todesnachricht noch genau im Gedächtnis

Daran - und wie er die Todesnachricht von seinem Bruder Jens erfahren hat - erinnert sich der damals 20-jährige Markus heute noch ganz genau. "Ich war auf der Rückfahrt von meiner Arbeitsstelle in Haßfurt nach Ebern, als mich meine Eltern anriefen und mir mitteilten, dass Jens tödlich verunglückt sei." Markus Winkelmann musste erst einmal anhalten, um das alles zu realisieren, erinnert er sich. "Ich konnte auch nicht gleich nach Hause fahren, sondern fuhr in der Gegend umher, rief alle Freunde von Jens an, um ihnen die schlimme Nachricht zu überbringen", sagt Markus.

Er erinnert sich, dass damals die Kommunikation mit den Schweizer Behörden relativ kompliziert war. Als er dort war, musste er sich vielen Fragen stellen: "War mein Bruder Jens selbstmordgefährdet? Hatte er Feinde in der Schweiz? Das waren Fragen, die mich belastet haben." Bei allen Erledigungen, die in der Schweiz nötig waren, sei Jens in seinem Kopf stets gegenwärtig gewesen.

"Es fällt mir heute noch sehr schwer, sein Grab aufzusuchen. Einmal im Jahr tue ich das." Kürzlich sei er mit seiner 15 Monate alten Tochter Antonia am Grab von Jens gewesen. Da habe es ihn übermannt, als er daran dachte, dass Jens jetzt Onkel wäre. Schlimm sei auch der Tag gewesen, als Jens von der Schweiz nach Rentweinsdorf überführt wurde. "Uns hat der Bestatter angerufen, dass er bei uns vorbei kommt. Er hat uns Kleider unseres Sohnes und den Schlüssel für das Leichenhaus übergeben", sagt Cornelia. Noch am gleichen Tag sei sie mit ihrer Familie zum Friedhof gegangen. "Das war ein schwerer Gang. Ich wollte nicht realisieren, dass mein Sohn Jens dort lag", sagt Cornelia und fügt an, dass sie dieses Bild nie vergessen werde.

Das "Warum" steht immer im Raum

Mit vielen Menschen haben die Winkelmanns gesprochen. Immer wieder stand die Frage im Raum: Warum? "Bis heute haben wir darauf noch keine Antwort gefunden", sagt Peter Winkelmann. Jens hatte eine Freundin in der Schweiz. "Mit ihr, Sarah, haben wir noch heute Kontakt", erzählt Cornelia. Ihr Gesichtszug erhellt sich, als sie weiter sagt: "Uns hat es sehr gut getan, wie damals die Freunde von Jens hier Anteil nahmen und auch tröstende und Worte der Anteilnahme für uns fanden."

Vergessen wird Jens nie sein. "Wir lassen jedes Jahr an Silvester an seinem Grab Raketen in den Himmel steigen, um ihn zu zeigen, dass wir an ihn denken, ihm nahe sein wollen", sagt Cornelia nachdenklich. Vater Peter ergänzt dazu, dass an den Weihnachtstagen unter dem Christbaum eine Flasche Pils steht, weil Jens das gern trank. "Jens ist immer bei uns, jeder denkt mit verschiedenen Ritualien an ihn, so auch unser Sohn Dominik, der ab und zu eine Zigarette auf das Grab seines Bruders legt, weil er auch Raucher war", erläutert Peter Winkelmann.

Cornelia Winkelmann erzählt, dass sie nach dem Tod von Jens lange Zeit nicht mehr in der Lage war, zu arbeiten. Nach einiger Zeit habe Stefan Kaiser von der Gaststätte Kaiser in Unterpreppach, wo sie arbeitete angerufen und sehr einfühlsam mit ihr gesprochen: "Ich bin dann wieder zur Arbeit und habe hier etwas Ablenkung erfahren." Auf Beerdigungen kann Cornelia Winkelmann seit Jens' Tod nicht mehr gehen. "Ich verabschiede mich später an den Gräbern, allein ohne Zuschauer."