In Ebern sprechen Hauswände Bände

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Andreas Geus hat sein Wohnhaus künstlerisch aufgewertet. Fotos: Eckehard Kiesewetter
Wo liest man am gemütlichsten? Manche meinen, es ist das Klo.
 
Und was liest man? Natürlich FT.
 
Das ist kein Dackel, sondern das Eberner Wappentier.
 
Die "Dorfrocker" kommen am Haus des Kirchaichers mehrfach zu Ehren.
 
Eine Frau schaut Fernsehen - an der Hauswand in Ebern.
 
Andres Geus (Bild) hat in Ebern eine originelle Fassadenmalerei anfertigen lassen. Maler ist Heinz Plasa aus Limbach.
 

"Unerhört, ein Klohocker an der Hauswand!"- "Super, endlich mal eine Hauswand mit Charakter!" Wer in Ebern von der Gymnasium- und Coburger Straße Richtung Steinberg unterwegs ist, macht seit einigen Tagen große Augen, und oft gibt's spontane Meinungsäußerungen.

Gerade hat der Maler sein Gerüst abgebaut und den Blick auf ein Wandbild frei gegeben, das es in sich hat. "Manche Leute bleiben stehen, viele schmunzeln," berichtet Hausbesitzer Andres Geus, Und mancher signalisiere mit erhobenem Daumen Zustimmung zu der farbenfrohen Malerei: "Super!".

Das Gemälde suggeriert eine aufgerissene Hausecke, die den Blick in die Wohnung gewährt. Während sich's im Erdgeschoss eine Frau auf dem Sofa vor dem Fernseher bequem gemacht hat, sitzt oben im Bad ein Mann Zeitung lesend auf dem Lokus.

"Der schönste Marsch ist der Mi leckst a - Marsch" lautet die Schlagzeile. In all den 27 Jahren, die der heute 66-Jährige den FT schon liest, hat er diese Überschrift nie in seiner Zeitung gefunden, gesteht der Metzger im Ruhestand. Sie stammt vielmehr aus dem Lied "Vogelbeerbaum", einem Hit der "Dorfrocker". Als Kirchaicher mit Leib und Seele ist Geus eingefleischter Fan des Volksmusiktrios aus seinem Heimatort. Bis nach Las Vegas ist er seinen jungen Idolen schon nachgereist.

Dem Betrachter strahlen die Drei von einem Wandbild über dem Sofa entgegen, und "Dorfrocker-Zitate an der Fassade verheißen "Jetzt geh's richtig ab" und "Bei uns ist Remmi Demmi". Damit spitzt der Spaßvogel Geus nicht nur auf den Titel der aktuellen "Dorfrocker"-Platte an, er macht auf seine Weise auch dem Ärger über frühere Mieter in dem Haus an der Eberner Albrecht-Dürer-/Mozartstraße Luft. "Hier hat es ständig Zirkus gegeben." Das Wohnhaus gehört dem Ruheständler schon seit 1994, doch in jüngster Zeit hatten sich schlechte Erfahrungen mit den Bewohnern gehäuft. Sie sind inzwischen ausgezogen.

Bei einer Rundumrenovierung hat der "Lebenskünstler," wie sich Geus selbst bezeichnet, nun eine Idee aufgegriffen, die er vor Jahren in der Zeitung sah, um die Hausfassade aufzulockern. "Wir wollten a bissle Kultur aus dem Steigerwald nach Ebern bringen," sagt Geus und grinst übers ganze Gesicht.

Das Bild fertigte Heinz Plasa aus Limbach nach Geusens Vorstellungen an. Bei der Stadtverwaltung in Ebern hatte man den Entwurf zunächst nicht gerade begeistert aufgenommen. Es könnte zu Unfälllen kommen, wenn Autofahrer durch die Toilettenszene abgelenkt würden, hatte eine Befürchtung gelautet. Doch Geus blieb dabei, denn "jeder macht das jeden Tag, nur mer sieht's halt net alle Tage." Letztendlich gab es grünes Licht vom Landratsamt aus Haßfurt, denn rein rechtlich sei gegen das Gemälde nichts einzuwenden, hieß es.

Wen der Klohocker und die Frau auf dem Sofa nun meinen, verrät Geus lieber nicht. Soviel: "Der Dackel da vor dem Fernseher soll eigentlich das Eberner Wappentier darstellen.

Was, wenn die "Dorfrocker" weitere Alben veröffentlichen? "Wir haben da noch viel Platz an der Hauswand," gibt Geus zurück. "Vielleicht wird ja noch ein Eberner Hundertwasser-Haus daraus?" Nach der Renovierung sollen übrigens wieder Mieter einziehen, denn Geus zieht es nicht nach Ebern. "Kirchaicher bin ich und bleib ich auch."