"Unerhört, ein Klohocker an der Hauswand!"- "Super, endlich mal eine Hauswand mit Charakter!" Wer in Ebern von der Gymnasium- und Coburger Straße Richtung Steinberg unterwegs ist, macht seit einigen Tagen große Augen, und oft gibt's spontane Meinungsäußerungen.
Gerade hat der Maler sein Gerüst abgebaut und den Blick auf ein Wandbild frei gegeben, das es in sich hat. "Manche Leute bleiben stehen, viele schmunzeln," berichtet Hausbesitzer Andres Geus, Und mancher signalisiere mit erhobenem Daumen Zustimmung zu der farbenfrohen Malerei: "Super!".
Das Gemälde suggeriert eine aufgerissene Hausecke, die den Blick in die Wohnung gewährt. Während sich's im Erdgeschoss eine Frau auf dem Sofa vor dem Fernseher bequem gemacht hat, sitzt oben im Bad ein Mann Zeitung lesend auf dem Lokus.
"Der schönste Marsch ist der Mi leckst a - Marsch" lautet die Schlagzeile. In all den 27 Jahren, die der heute 66-Jährige den FT schon liest, hat er diese Überschrift nie in seiner Zeitung gefunden, gesteht der Metzger im Ruhestand. Sie stammt vielmehr aus dem Lied "Vogelbeerbaum", einem Hit der "Dorfrocker". Als Kirchaicher mit Leib und Seele ist Geus eingefleischter Fan des Volksmusiktrios aus seinem Heimatort. Bis nach Las Vegas ist er seinen jungen Idolen schon nachgereist.
Dem Betrachter strahlen die Drei von einem Wandbild über dem Sofa entgegen, und "Dorfrocker-Zitate an der Fassade verheißen "Jetzt geh's richtig ab" und "Bei uns ist Remmi Demmi". Damit spitzt der Spaßvogel Geus nicht nur auf den Titel der aktuellen "Dorfrocker"-Platte an, er macht auf seine Weise auch dem Ärger über frühere Mieter in dem Haus an der Eberner Albrecht-Dürer-/Mozartstraße Luft. "Hier hat es ständig Zirkus gegeben." Das Wohnhaus gehört dem Ruheständler schon seit 1994, doch in jüngster Zeit hatten sich schlechte Erfahrungen mit den Bewohnern gehäuft. Sie sind inzwischen ausgezogen.