In den Küchen der heimischen Gastronomie brodelt es. Nicht nur, dass sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Konsumgewohnheiten und Freizeitmöglichkeiten ändern. Manche Wirte sitzen (fast) häufiger mit Steuerberater und -prüfern vom Finanzamt zusammen als mit ihren Gästen am Stammtisch. Regulierungswut, Bürokratie und politische Entscheidungen machen ihnen das (Berufs-)Leben schwer, vergällen ihnen Spaß und den Appetit auf ihre Arbeit, wie bei Herbstversammlungen des Hotel- und Gaststättenverbandes landauf, landab deutlich wird.

Auch saßen dieser Tage Gaststätten- und Hotelbesitzer aus dem Bereich des Tourismusverbandes Haßberge zusammen und tauschten sich neben dem Hauptthema "Barrierefreiheit" über solche Probleme der Branche auseinander.

Seit sechs Jahren gilt für die deutsche Hotellerie der verminderte Mehrwertsteuersatz von nur sieben Prozent, für den der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG) gemeinsam mit dem Bundesverband lange gekämpft und öffentlich demonstriert hatte. "Bei uns kocht nicht jeder sein eigenes Süppchen, wir halten zusammen", tönt ein Verbandsvertreter. Die wachsende Zahl der von den Finanzbehörden festgelegten Ausnahmen lässt den vermeintlichen Steuervorteil schon wieder schwinden. Denn die sieben Prozent gelten nur für die reine Übernachtung. Für das Frühstück muss der Hotelier den üblichen Satz von 19 Prozent kalkulieren.


Mehr Steuern fürs Parken

Jetzt muss nicht nur das eventueller Angebot einer Sauna, sondern zusätzlich auch eines Pkw-Stellplatzes mit 19 Prozent versteuert werden, informierte Bezirskgeschäftsführer Michael Schwägerl die BHG-Mitglieder. Dazu Jürgen Stahl aus Ebern: "Du bietest eine Sauna eigentlich kostenlos an und musst sie jetzt versteuern. Und wie soll ich auflisten, wer sein Auto vor unserem Restaurant parkt, und wer den städtischen Parkplatz nutzt? Und wenn unser Personal unseren Parkplatz nutzt, ist das schon ein geldwerter Vorteil?"

Im Sommer hatte der Bundesfinanzhof als oberste Instanz ein anders lautendes Urteil des niedersächsischen Finanzgerichts gekippt: Der Pkw-Stellplatz sei eine mit vollem Satz zu versteuernde Zusatzleistung. Wenn also ein Stellplatz im Übernachtungspreis eingeschlossen ist, muss der Hotelier diesen kalkulatorischen Anteil aus dem Übernachtungspreis herausrechnen und separat mit 19 Prozent versteuern. "Das macht Spaß", kommentiert ein Eberner Geschäftsführer diese Rechenspielchen sarkastisch


Alles genau herausrechnen

"Bitte bewerfen Sie nicht den Referenten", wehrte Schwägerl den aufkommenden Zorn der Gastronomen ab und schlug sich bei einer Sitzung jüngst in der Rhön als Fachjurist auf deren Seite: "Das ist der reine Wahnsinn." Denn mangels einer pauschalen Regelung durch den Gesetzgeber ist jeder Hotelier gezwungen, diesen kalkulatorischen Preisanteil, der maximal 20 Prozent des Übernachtungspreises betragen darf, individuell für sein Haus auszurechnen.

Das Problem sei die Nachweispflicht gegenüber dem Finanzamt und Begründung bei Minderbewertung. Schwägerl: "Ich habe noch von keiner Betriebsprüfung gehört, wo nicht nachbezahlt werden musste." Hier sei der Gesetzgeber gefordert.

Schweigerls oberfränkischer Geschäftsführer-Kollege Günther Elfert, stößt ins gleiche Horn und kritisiert, dass die Branche unter Generalverdacht gestellt wird. "Kontrollen von Zoll und Finanzamt, Buchführungen werden verworfen, Schätzungen gemacht - da werden Familienbetriebe vernichtet", sagt Elfert. Ein Gastronom prangert die Buchführungspflichten an: "Da gehst du vor die Hunde."

Ein Kollege fühlt sich durch die ständigen Kontrollen gegängelt: "Ich koche jeden Abend mit offener Küche - es gibt nichts Transparenteres", sagt er und schiebt "den größten Witz" hinterher: Der Parkplatz, wo der Gast sein Auto abstellt, sei mit 19 Prozent zu versteuern.

Das nächste Problem zeichnet sich schon ab: Ab Januar gilt, dass elektronische Kassensysteme nicht nur alle Buchungen digital aufzeichnen, sondern auf Jahre hinaus archivieren müssen. Ein Update der Kassen ist also unaufschiebbar.

Hatte es früher ausgereicht, alle steuerlich relevanten Daten dem Finanzamt oder Betriebsprüfer in Papierform vorzulegen, müssen diese nun jederzeit digital abrufbar sein. Da bei der zehnjährigen Nachweispflicht kurzlebige Speichersysteme wechseln, sei es Pflicht der Gastronomen, selbst auf ständige Aktualisierung zu achten.

"Ich hab schon 300 Euro für die Nachrüstung der Kasse ausgegeben. Die Datensicherung kommt noch dazu. Wenn das bei älteren Kassen nicht möglich ist, werden bis zu 10 000 Euro fällig", weiß Jürgen Stahl, stellvertretender Vorsitzender des Gaststätten-Kreisverbandes, und er schiebt eine Befürchtung nach: "Für kleinere Betriebe kann das das Ende bedeuten."