"Nachhaltig schützen und nutzen." Unter diesem Motto hatte Staatsminister Helmut Brunner das Jahr 2015 zum Aktionsjahr Waldnaturschutz ausgerufen. Bei Veranstaltungen in ganz Bayern haben in diesem Jahr Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, mehr über den verantwortungsvollen Naturschutz im Wald zu erfahren und seine Vielfalt zu erleben.

Im Bereich des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt fanden so seit April insgesamt neun Führungen der Revierleiter sowie Informationsveranstaltungen im Steigerwaldzentrum in Handthal statt. Zur letzten Tour im Bereich Ebern führte Förster Wolfgang Gnannt am Sonntag Interessierte rund um den Käppelesberg.

Eine stattliche Gruppe hat sich eingefunden, um den Wald bei der zweieinhalbstündigen Führung mit den Augen eines Försters zu sehen.
Manchen wird so die Vielfalt des "urigen" Waldes, im Bayernatlas mit "Nägeleinsberg" bezeichnet, bewusst. Gelbbauchunke, Specht und Habicht werden von Gnannt angesprochen, aber gleich zu Beginn der Führung lenkt am Käppele ein freches Eichhörnchen die Blicke auf sich. Als jüngster Teilnehmer ist Julian Schleicher aus Höchstädten dabei, der von Gnannt ein Fernglas erhalten hat, mit dem er die Baumwipfel und den Wald absucht. Der Achtjährige: "Vielleicht sehe ich einige Tiere. Aber auch das was ich gerade über den Specht und seine Höhlen gehört habe und die Löcher im Stamm, finde ich spannend", sagt Julian.

Forstamtsrat Gnannt zeigt schon nach wenigen Metern auf eine Eiche. In deren Stamm befinden sich auf einer Höhe von vielleicht 2,50 Meter mehrere "Löcher." Klar wissen die Teilnehmer, dass es sich hier um das Werk eines Spechtes handelt. Julian will es genau wissen und versucht, mit dem Fernglas in den "dunklen Löchern" etwas zu erkennen. Gnannt erläutert, dass der Ansatz der Waldbewirtschaftung in Bayern "Schützen vor Nutzen" ist. Auf den Spechtsbaum eingehend erläutert er, dass es sich um einen Biotopbaum handelt. "Wer einen solchen in seinem Wald für mindestens zwölf Jahre stehen lässt, bekommt vom Staat eine ,Belohnung' von einmalig 190 Euro", sagt der Forstbeamte, quasi als "Lockmittel", solche wichtigen Bäume stehen zu lassen.

Naturnahe Wälder sind das Ziel

Gnannt holt aus seinem Rucksack einen Kosmosnaturführer, in dem viele Vogelarten aufgeführt sind. Dazu einen Tingstift, mit dem man Stimmen von Vögeln hörbar machen kann. Nicht nur der Julian spitzt hier die Ohren, als Gnannt fragt, welche Vogelstimme gerade zu hören ist. Am "Spechtsbaum" waren das die Stimmen vom Mittel-, Schwarz- und Grünspecht.

Im Waldstück unterhalb des Käpelle sind Bäume mit ganz unterschiedlichem Umfang zu sehen, viele Eichen sind dabei. Gnannt: "Bayerns Wälder sind wertvolle Lebens- und Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten." Naturnahe Wälder auf der gesamten Fläche seien das Ziel, nicht nur hie und da mal eine Fläche. 40 Prozent der Tiere und Pflanzen seien auf Totholz angewiesen. Einige Meter weiter befindet sich ein Biotop. "Solche sind rund um den Käppeleswald mehrere vorhanden und in einigen sind Gelbbauchunken angesiedelt", erklärt der Förster.