Aus den "5 Sternen im Steigerwald" wurde vor einigen Jahren die "Ile südlicher Landkreis Haßberge". Der Erfolg dieses ersten interkommunalen Zusammenschlusses im Landkreis sollte auf einen größeren Kreis von Gemeinden übertragen werden, auch weil die Förderung der ländlichen Entwicklung inzwischen diese Zusammenarbeit belohnte.

In der ersten Stufe nach der Gründung der Ile bauten die Bürgermeister und Verwaltungen eine Struktur der Zusammenarbeit auf, setzten einige gemeinsame Projekte wie Gemeinde-verbindende Radwege um.
In einer nächsten Stufe soll die Zusammenarbeit verfeinert und dazu die Menschen selbst einbezogen werden.
Der erste Schritt dahin waren zwei Symposien, das zweite fand am Donnerstag in Eltmann statt, eine Woche zuvor hatte man sich in Breitbrunn getroffen.

Sandstein verbindendes Element

Nächstes anstehendes Projekt ist die Sandstein-Erlebniswelt in Breitbrunn, denn der Sandsteinabbau und die Sandsteinverarbeitung ist ein Element, der die gesamte Ile verbindet, die mittlerweile auch Zeil und die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach (Ebelsbach, Stettfeld, Breitbrunn und Kirchlauter) umfasst.

Intensivieren will die Ile im nächsten Schritt die Werbung als Wohn- und Gewerbestandort in den umliegenden Städten, wo in den vergangenen Jahren die Mietpreise explodierten und Familien auf Kita-Plätze lange warten müssen. "Hier liegen einige unserer Stärken: günstiges Wohnen, optimale Kinderbetreuung, hervorragend ausgestattete Schulen, auch wenn es Fahrwege gibt, ein soziales Miteinander und Vereinsvielfalt, wie es sie in den Städten nicht gibt", beschrieb Sands Bürgermeister Bernhard Ruß.

Manfred Stadler vom Amt für Ländliche Entwicklung betonte, wie wichtig es ist, dass wie in der Dorferneuerung die Bevölkerung diesen Prozess mitträgt, denn mit "Bedient-Mich-Mentalität" ihrer Bürger würden Gemeinden künftig nicht mehr weiterkommen. Wenn die Bevölkerungszahlen zurückgehen und das Durchschnittsalter steigt, dann steigen die Kosten für die Erhaltung der Infrastruktur, denn die Fixkosten bleiben gleich, auch wenn 500 Bürger weniger die Kanalisation nutzen. "Und es geht auch ganz klar darum, Ihr Vermögen zu schützen", erklärte Stadler. Stehen nämlich in einem Ort zehn Prozent der Häuser leer" "sinken die Immobilienpreise für Häuser dort nicht um zehn, sondern um 30 bis 40 Prozent". Deshalb wollen die ländlichen Gemeinden ihre Vorzüge als Wohnstandort für junge Familien herausstellen - und aufzeigen, dass Gewerbebetriebe hier ein hervorragendes Umfeld besitzen.

Dass er leider gezwungen war, sein Büro in Schweinfurt zu gründen wegen der mangelhaften Breitband-Versorgung, erklärte einer der Diskussionsteilnehmer. Hier sei man nach langem Ringen endlich weiter, erklärte dazu Rauhenebrachs Bürgermeister Matthias Bäuerlein, der die Diskussionsrunde moderierte. Das flache Land sei von den Netzbetreibern lange vernachlässigt worden. Ohne staatliche Förderung hätten sich Flächengemeinden wie seine eigene einen Breitbandausbau in Eigenregie aber nicht leisten können. Spätestens in zwei Jahren soll mit der Breitbandförderung dieser Rückstand im Kreis aber aufgeholt sein.

Nicht sehr begeistert zeigten sich viele Diskussionsteilnehmer von den drei Namensvorschlägen für die Ile. Die wurden in einem Workshop der beauftragten Werbeagentur zusammen mit je zwei Vertretern jeder Gemeinde erarbeitet. Die Aufgabe war nicht einfach, denn es gilt, die drei Regionen Haßberge, Maintal und Steigerwald zu berücksichtigen.

Namen überzeugen nicht

Die werden denn auch in der Unterzeile aufgeführt, doch zu den Schlagworten darüber gab es noch Diskussionsbedarf. "Regio +", "Regio Zehn +" und "Lebensregion +" fanden wenig Beifall - am ehesten noch die "Lebensregion". Die Abstimmung über den Namen soll daher noch verschoben, eventuell ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden.

In der Diskussion wurde Kritik laut, dass die Bürger erst jetzt einbezogen werden. Allerdings, hieß es, müsse man berücksichtigen, dass sich die Gemeinden zunächst intern miteinander verständigten und die ersten gemeinsamen Projekte umsetzten, erläuterte Oberaurachs Bürgermeister Thomas Sechser. Nun sollen die Strukturen verfeinert und in die Breite getragen werden.

Kritisiert wurden auch die Mängel in der Infrastruktur, vor allem im öffentlichen Personennahverkehr. Allerdings sind Versuche, den ÖPNV zu intensivieren daran gescheitert, dass sie von der Bevölkerung nicht genutzt wurden. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Stettfeld, Doris Simon, brachte es auf den Punkt: "Wir müssen auch das nutzen, was wir haben, nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern auch bei den Nachbarn." Zu solchen Initiativen gehören die Bürgerbusse, die in Zeil, Knetzgau oder Kirchlauter eingesetzt werden, ebenso wie die Bürgernetzwerke oder die Bezuschussung der Gemeinde Stettfeld für Saisonkarten des Eltmanner Freibades. Solche internen Stärken sind ein Standortfaktor, wenn Menschen ihren Wohnort auswählen.

Viele der Anwesenden wünschten sich, dass der Diskussionsprozess weitergeht, gerne auch auf Gemeinde-Ebene, um Einzel-Themen zu bearbeiten. Für die ganze Ile ist ein Workshop vorgesehen, dabei soll es um die Vernetzung gehen.