Der Ausgang einer Abstimmung zur Einsetzung eines Wahlvorstandes bei Uniwell, der eine Betriebsratswahl vorbereiten soll, sorgt weiter für Ärger. Wegen der unterschiedlichen Auslegung des Stimmergebnisses bei einer Betriebsversammlung im Juli wurde seitens der IG Metall das Arbeitsgericht in Schweinfurt angerufen. Des Weiteren wird bei der Staatsanwaltschaft in Bamberg ein Strafantrag gegen die Uniwell-Geschäftsleitung wegen der Behinderung einer Betriebsratswahl gestellt. Entsprechende Unterstützung habe man aus der IG-Metall-Zentrale aus Frankfurt erhalten. "Das ist bundesweit eine ganz, ganz seltene Vorgehensweise", erklärte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg, Matthias Gebhardt, im Rahmen eines Pressegespräches . "Ich persönlich habe das in meinen gesamten Berufsjahren noch nicht erlebt."

Über den Verlauf der Betriebsversammlung berichtete Gewerkschaftssekretär Thilo Kämmerer, der zusammen mit Zweitem Bevollmächtigen Dieter Reichert im Juli als Gewerkschaftsvertreter teilgenommen hatte, obgleich beide zunächst vor verschlossenen Toren gestanden hatten und sich mit Tricks Einlass verschafften. Kämmerer: "Laut Anwesenheitsliste nahmen 120 Leute teil, davon verließen zwischenzeitlich einige die Versammlung. Auf den Stimmzetteln hatten 58 die Vorschläge für den Wahlvorstand angekreuzt, 47 gaben leere Zettel ab, fünf Zettel enthielten Schmierereien mit zum Teil obszönen Bemerkungen." Diese Zahlen sind laut Kämmerer unstrittig, die Interpretation indes differiert, da die Geschäftsleitung die 180 Beschäftigten als Grundlage heranzieht, obgleich 70 Mitarbeiter bei der kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung gar nicht anwesend waren. Kämmerer sprach über die Betriebsversammlung von einem "Chaos perfekt", - und dies vor laufender Videokamera, die wohl Eindruck auf die Mitarbeiter machen sollte

Einschüchterungsversuche

Weiter prangerten die beiden Gewerkschaftsvertreter wiederholte Einschüchterungsversuche an. "Wir mussten in die hintersten Winkel, wenn einer der Beschäftigten mit einem Gewerkschaftsvertreter sprechen wollte, so viel Angst hatten die", lautet Kämmerers Vorwurf. Auch sei bereits vor Wochen einem der Initiatoren einer Betriebsratswahl gekündigt worden. "Er wurde sofort freigestellt und mit einem Hausverbot belegt. Die Kündigungsschutzklage läuft", sagte Kämmerer.

Einem weiteren Mitarbeiter, der sich jetzt unter den Wahlvorschlägen befand, sei nach der Betriebsversammlung ebenfalls gekündigt worden. "Mit der obskuren Begründung, dass man Arbeitsplätze in die Slowakei verlagern muss, nachdem er vorher willkürlich mit einer Abmahnung belegt worden war." Auch in diesem Fall wurde eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht eingereicht.

Vor diesem Hintergrund stehe die IG Metall bei aller Gesprächsbereitschaft mit der Geschäftsleitung hinter allen Uniwell-Beschäftigten, die einen Betriebsrat demokratisch wählen wollen. Unterstützt würden sie dabei von den Kollegen bei FTE in Ebern und den Fränkischen Rohrwerken in Königsberg sowie Geistlichen beider Konfessionen, die sich vermittelnd einschalteten.


Verhandlung am 17. Oktober


Die IG Metall-Vertreter setzen nun auf die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Schweinfurt am 17. Oktober und gehen davon aus, dass vom Gericht ein Wahlvorstand samt Vorsitzendem eingesetzt wird, der dann reguläre Betriebsratswahlen einleitet. Gebhardt: "Einen Konflikt in dieser Härte habe ich noch nicht erlebt. Dabei kokettiert die Geschäftsleitung nach außen damit, den Prozess positiv zu begleiten, und nach innen überzieht sie die Leute mit Schikanen und macht genau das Gegenteil."

Seitens der Uniwell-Geschäftsleitung wollte sich Geschäftsführer Peter Winkler "zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der anhängigen und der von der IGM angedrohten Verfahren nicht äußern, auch wenn dieses bei so vielen Falschaussagen und Fehlbehauptungen dieser beiden Herren sehr schwer fällt". Winkler weiter: Wirmöchten in unserer Firma Ruhe einkehren lassen, bis das Thema entschieden wurde. Wir leben nicht von Mitgliedsbeiträgen wie solche Organisationen, sondern müssen uns täglich hartem Wettbewerb stellen, um Arbeitsplätze in der Region zu sichern."