Was sie sich wünschen: Manche warten schon fast ein Jahr auf vollständige Papiere, eine Arbeitserlaubnis und aktuell sehnen sie sich nach Wärme. In ihrer Unterkunft ist es kühl, die Heizkörper nur lauwarm. Auch hygienische Verhältnisse sind nicht optimal. Aus dem Helferkreis kommen Klagen.

Asylheime sind keine Luxusvillen, auch wenn sie in einstmals mondänen Häusern eingerichtet werden. Denn von Luxus kann im Haus an der Max-Reger-Straße keine Rede sein. Es fehlt an vielem, vor allem an einer vernünftigen Heizung. Bei 14 Grad, gemessen am fast noch milden Freitag, warten auf dem großen Anwesen, das in Ebern als Bodenbergerhaus bekannt ist, seit Monaten 17 Syrer und ein Ägypter auf Fortschritte im Anerkennungsverfahren - und auf einen Menschen, der sich mit der Heizung auskennt und diese hochdreht.


Rollo und Vorhang zur Dämmung

Dies weiß Sybille de Soete, die sich der Männer-Wohngemeinschaft angenommen hat und fast täglich hilft, wo sie nur kann. Jetzt hat sie selbst eine Erkältung zugezogen. "Es ist einfach zu kalt dort droben."

Heruntergelassene Rollos, vorgezogene Vorhänge erfüllen den Zweck als Wärmedämmung nur bedingt. Über den lauwarmen Heizkörpern hängen gewaschene Kleidungsstücke. "Die Bettwäsche kriegen sie gar nicht trocken." Zu allem Übel ist auch noch das Waschpulver ausgegangen.

Die Räume sind spartanisch möbliert. Zwei Sofas in einem Gemeinschaftsraum, wo die rußgeschwärzten Wände mehr auffallen als der eine Fernseher, der mitten im Raum steht. "Die würden die Wände gerne selber weißeln, aber wir haben keine Farbe", umschreibt Sybille de Soete den ausgebremsten Arbeitseifer ihrer Schützlinge.

Ansonsten: Bis zu drei Betten in einem Zimmer, ein Schrank, ein Tisch. Im Raum des Ägypters zeigt sich, welche Behaglichkeit allein ein Teppich ausstrahlt. Einige seiner Kollegen indes sind schon in den Keller umgezogen, weil dort - in der Nähe zum Heizungsraum, der mit einem Vorhängeschloss gesichert ist - angenehmere Temperaturen herrschen.

Gemeinsam genutzt wird eine Küche, wo Mitglieder aus dem Asylhelferkreis die hygienischen Bedingungen monieren. Der Heizkörper wurde abmontiert, die Arbeitsplatte verdirbt jeglichen Appetit.

Dass die neuen Bewohner als Männer-WG daran ihren Anteil haben, stellt de Soete gar nicht in Abrede, aber: "Sie räumen aber auch auf und putzen, wenn sie dazu angehalten werden." Voller Stolz berichtet denn auch der 18-jährige Hasan, der "unbedingt arbeiten will", dass sie vor dem Pressebesuch alle zusammengeholfen und aufgeräumt haben. Auch den Besuch des Deutschunterrichts in der VHS organisiert die Schicksalsgemeinschaft als Gemeinschaftsaktion. So fallen auch die Hausaufgaben leichter, obgleich es an Tischen als Schreibunterlagen fehlt.

Trotz ihrer Unterschiede und auch mancher Vorbehalte untereinander packen die 18 Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren gemeinsam an. Und es gibt auch gemeinsame Feiern, wie zu Weihnachten oder zur Jahreswende. "Kahled holte zusammen mit Förster Kühnel Zweige aus dem Wald, und damit schmückten wir die Fensterbänke. und es war eine Freude, wie sich die jungen Burschen an den süßen Plätzchen, Äpfeln, Nüssen und Mandelkern erfreuten, die Bärbel Hertrampf, Frau Rieß und Optik Künzel spendiert hatten", erzählt Helferin de Soete, die Rassismus und nicht praktizierte Integration schon am eigenen Leib erfahren hat. "Sei es beim Kontakt mit dem Apartheid-Regime 1973 in Namibia, sei es die Ehe mit einem dunkelhäutigen Texaner oder die Beschimpfung meiner Töchter wegen ihrer Hautfarbe."

"Als Mitte März vergangenen Jahres die ersten Syrer einzogen, waren von den eingeladenen Nachbarn zwar 35 gekommen, aber mehr aus Neugier denn aus Hilfsbereitschaft", findet die Asylhelferin. In Willi Holdorf und Bärbel Hertrampf hat sie zwar Unterstützer gefunden. Eine Nachbarsfamilie spendierte einmal ein Essen, eine andere Familie aus einem Stadtteil leerte ihre Kleiderschränke und ermöglichte so eine Modenschau. "Da gab es ein lustiges Gerangel besonders um gut erhaltene Winterschuhe."

Auch Geschäftsleute unterstützten eine Tombola zum Jahreswechsel. Auch dem Caritas-Betreuer Thomas Heidenreich, der sehr beliebt und geschätzt sei, attestiert de Soete enormen Einsatz in dem Haus, das vom Landratsamt angemietet wurde. "Aber dennoch bleibt das Bodenbergerhaus ein Stiefkind bei der ehrenamtlichen Betreuung", findet de Soete.