Am Ende hallten Wilhelm-, Wilhelm-Rufe durch den Saal. Nein, es waren keine Willy-, Willy-Rufe, mit denen einst der SPD-Bundeskanzler Willy Brandt gefeiert worden war, sondern die Wilhelm-Anfeuerung galt dem Landratskandidaten der CSU im Kreis Haßberge, dem Maroldsweisacher Bürgermeister Wilhelm Schneider. Der ist zwar schon nominiert, aber die CSU nutzte die Kreisversammlung am Montagabend im Rudolf-Winkler-Haus in Zeil, um ihrem Bewerber um die Nachfolge von Landrat Rudolf Handwerker den Rücken zu stärken. Und dazu ließ sie keine Gelegenheit aus.

Wilhelm Schneider sei "der richtige Mann" an der Spitze des Landkreises, betonte der CSU-Kreisvorsitzende Steffen Vogel. Wilhelm Schneider "wird mein Nachfolger. Da gibt's keinen Zweifel", sagte Landrat Rudolf Handwerker. "Du kannst sicher sein, dass unsere ganze Fraktion hinter dir steht und sich ganz sicher auch alle Kandidaten freuen, mit dir als Landrat ab 1. Mai für unsere Bürger und unseren Kreis Haßberge zu arbeiten", unterstrich der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Kreistag Haßberge, Günther Geiling. Und eingangs der Versammlung hatte der Ortsvorsitzende von Zeil, Andreas Diehm, den Wunsch ausgesprochen, dass "wir geschlossen hinter unserem Landratskandidaten Wilhelm Schneider stehen".

Das tat die Partei. Sie demonstrierte Geschlossenheit in Zeil. Auch bei der Aufstellung der Liste für die 60 Kreistagskandidaten. Um die Liste in Form zu gießen, hatte es im Vorfeld mehrere Sitzungen und Beratungen der führenden Parteigremien gegeben, und immer wieder wurde, wie Steffen Vogel bekannte, nachgebessert und neu justiert. Die Liste sei jetzt "mit allen besprochen und austariert", erklärte Vogel. In Zeil präsentierte die CSU einen Kandidaten-Vorschlag, der ohne jede Diskussion verabschiedet wurde. 148 Delegierte stimmten mit Ja für die Liste, nur ein Delegierter votierte dagegen.

Große Überraschungen gibt es nicht. Die CSU stellte die bewährten Parteifunktionäre auf und gewann einige neue Bewerber, auch von außerhalb der CSU. Auf der Liste sind Kandidaten aufgenommen worden, die nicht der Partei angehören. "Ich bin für Offenheit", sagte Kreisvorsitzender Steffen Vogel.

Als Ziel gaben er und Günther Geiling an, dass die CSU ihr bisheriges Ergebnis von 21 Kreisräten im 60-köpfigen Kreistag Haßberge verbessern möchte. "Wenn es wieder 21 sind, dann ist es so", machte Vogel deutlich, dass nicht Zahlen allein das Maß aller Dinge sein sollen.

Einige politische Schwergewichte hat die CSU auf die hin teren Plätze der Liste gesetzt. Zum Beispiel die beiden ausscheidenden Bürgermeister von Haßfurt und Ebern, Rudi Eck und Robert Herrmann. Und auf Rang 60 kandidiert Landrat Rudolf Handwerker, der ebenfalls sein Amt abgibt. Mit ihnen erhofft sich die CSU "Schwung von hinten", wie Steffen Vogel sagte, und viele Stimmen, denn je bekannter ein Bewerber ist, desto größer ist die Chance, dass die Wähler bei ihm oder bei ihr (17 der 60 CSU-Kandidaten sind Frauen) ihre Kreuzchen setzen.

Listenführer ist der Landratskandidat Wilhelm Schneider. Er schwor am Ende der dreistündigen Versammlung die Delegierten auf den Wahlkampf ein und forderte zur Geschlossenheit auf. Er ist überzeugt: "Wir werden eine gute Zukunft gestalten." Er betonte die Stärken des Kreises, die es gelte, deutlich zu machen. "Wir brauchen nicht zu jammern. Wir brauchen uns nicht zu verstecken", sagte er.

Schneider freute sich darüber, dass es der CSU Haßberge mit der Kreistagsliste gelungen ist, eine Super-Mannschaft aufzustellen, die viel Kompetenz und Potenzial habe. Mit Wilhelm-, Wilhelm-Rufen und viel Beifall fing die Kreisversammlung mit der Geschlossenheit gleich an.


Die 60 Kreistagskandidaten der CSU Haßberge

Der Blick ging zurück und nach vorne: Die CSU Haßberge zog bei ihrer Kreisversammlung am Montagabend im Rudolf-Winkler-Haus in Zeil eine Bilanz ihrer Arbeit in den vergangenen Jahren und sprach die Themen an, die den Landkreis in den kommenden Jahren bewegen werden.

"Wir haben viel erreicht" in den Jahren seit der letzten Kommunalwahl 2008, fasste Landrat Rudolf Handwerker zusammen. Das sei dank der guten Zusammenarbeit im Kreistag möglich geworden, lobte er die Kreisräte, und damit meinte er nicht nur die Kreistagsmitglieder der eigenen Partei.

Ein ähnliches Fazit formulierte Günther Geiling, der Vorsitzende der CSU-Kreistagsfraktion und stellvertretende Landrat. "Wir waren uns stets unserer verantwortungsvollen Aufgabe als Regierungspartei bewusst", sagte er, und die CSU habe die Anliegen der Menschen Ernst genommen.

Die Zukunft wird auf jeden Fall spannend, machte Landrat Handwerker deutlich. "Auf uns kommen enorme Herausforderungen zu", sagte er zu den 150 Delegierten im Rudolf-Winkler-Haus. Dazu nannte er zwei Stichworte: den demografischen Wandel und die Energiefrage. Keiner wisse genau, was diese beiden Themenfelder bringen werden. Deshalb bedauerte er es ein bisschen, dass er künftig nicht mehr als Landrat an entscheidender Position bei der Gestaltung der Zukunft im Landkreis mitwirken kann.

Ganz außen vor ist er aber nicht, denn Handwerker kandidiert auf Platz 60 der CSU-Kreistagsliste für ein Mandat im 60-köpfigen Gremium, und es wäre keine Überraschung, wenn er als Kreisrat gewählt würde.

Eine detaillierte Bilanz der Arbeit der CSU Haßberge zog Günther Geiling bei der Kreisversammlung am Montagabend. Als Schwerpunkt der Kreispolitik bezeichnete er die Bildung und die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. "Ohne Zweifel" sind nach seiner Ansicht die schulischen Angebote und die Betreuung "für unsere Kinder im Landkreis nahezu optimal und weit besser als in den Zentren". So bekomme jede Familie einen Platz im Kindergarten oder einen Krippenplatz, erklärte er und belegte seine Aussage mit Zahlen.Viel Geld investiert der Landkreis in die Sanierung und den Ausbau der Schulen. Die gigantische Summe von rund 50 Millionen Euro nannte Geiling bei der Modernisierung von Gymnasien und Realschulen im Landkreis. Zahlreiche Projekte sind bereits abgeschlossen, andere laufen oder werden geplant.

Als eine Erfolgsgeschichte bezeichnete der CSU-Fraktionsvorsitzende die "Entwicklung unserer Krankenhäuser". Die Haßberg-Kliniken mit den Häusern in Haßfurt, Ebern und Hofheim stünden gut da, sagte er. Sie "befinden sich auf einem technisch und medizinisch hervorragenden Stand".

Auch die Bemühungen des Kreises auf dem Gebiet des Tourismus' sieht Geiling von Erfolg gekrönt. Dazu ein Beispiel: In den vergangenen Jahren wurden die Radwege überall ausgebaut. Das Investitionsvolumen bezifferte er auf 14 Millionen Euro.


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