Dass er gerade einen Unfall verursacht hat, wollte sich ein 19-Jähriger aus dem Landkreis Bamberg im Mai vergangenen Jahres nicht eingestehen, als er kurz vor Mitternacht in Rauhenebrach ausparkte. Dabei touchierte er einen geparkten Renault Clio und verursachte laut Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bamberg einen Schaden von 5555 Euro. Doch anstatt anzuhalten und den Unfall bei der Polizei zu melden, suchte der Havarist das Weite.

Neben einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro erhielt er laut dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft deshalb eine Fahrsperre von sechs Monaten - mit der Folge, dass er nach Ablauf dieser Frist seinen Führerschein neu beantragen müsste. Er legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein und hatte Erfolg. Denn bei der Verhandlung am Jugendgericht des Amtsgerichts in Haßfurt am Montag reduzierte das Gericht die Strafe auf 1600 Euro und verhängte statt der Fahrsperre nur ein dreimonatiges Fahrverbot, so dass der 19-Jährige seinen Führerschein nach einem Vierteljahr wieder bekommt.

Der Grund für das milde Urteil liegt darin, dass das Gericht Verteidiger Herbert Menauer glaubte, der den Schaden auf nur 1824 Euro bezifferte. Dies sei der Restwert des rund zehn Jahre alten französischen Kleinwagens, versicherte er dem Gericht. Damit rutschte die Schadenshöhe unter die Summe von 1900 Euro, die im Gesetz eine Grenze darstellt. Liegt der Schaden darunter, hält der Gesetzgeber die Verhängung eines Fahrverbots für ausreichend. Ist die Schadenssumme höher als 1900 Euro, wird eine sechsmonatige Fahrsperre fällig, mit der Konsequenz, dass der Unfallflüchtige unter Umständen seinen Führerschein neu machen muss. Dies bleibt dem Angeklagten nun erspart.

Es habe beim Ausparken etwas "geruckelt", gab er zu Protokoll. Er habe sich nichts dabei gedacht und sei in Gedanken woanders gewesen. Er habe seinem Freund hinterherfahren wollen, weil der sich in der Gegend nicht so gut auskenne. Dass er bei dem Unfall eine Delle und Kratzer in der Beifahrerseite hinterließ, habe er nicht bemerkt, versicherte der Angeklagte.

Unerwartete Schützenhilfe erhielt er durch die lückenhafte Aussage des geschädigten Fahrers. Der konnte vor Gericht weder das Alter seines Wagens angeben, noch die Kilometerzahl oder die Höhe der Reparaturrechnung, da der Wagen seiner Mutter gehöre. Zugute kam dem Angeklagten außerdem, dass sein Name weder im Bundeszentralregister noch im Verkehrszentralregister auftaucht, womit der 19-Jährige juristisch eine blütenreine Weste hat.

Der Staatsanwalt senkte daher in seinem Plädoyer die Anzahl der Tagessätze von 60 auf 40 Euro und forderte außerdem ein dreimonatiges Fahrverbot, das der Vorsitzende, Richter Martin Kober, so übernahm. Der Verteidiger hielt eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro plus zwei Monaten Fahrverbot für ausreichend, da die Tat schon eineinhalb Jahre her ist. Der 19-Jährige nahm das Urteil an und gab noch im Gerichtssaal seinen Führerschein ab. Ausgestanden ist die Sache für ihn noch nicht. Denn die geschädigte Autobesitzerin hat Zivilklage erhoben.