Für das Bürgerbegehren "Am Herrenwald" erklärte Gerald Makowski, dass seitens des Bürgermeisters Martin Horn keine weiteren Gespräche mehr angeboten worden seien. Die Vertreter des Bürgerbegehrens hätten sich bewusst zurückgehalten, um die aufgeheizte Stimmung abkühlen zu lassen. Jetzt führe aber der Bürgermeister Gespräche mit Grundstückseigentümern in dem geplanten Baugebiet, auf eine Anfrage dazu vom 27. November habe er nicht geantwortet.. Dabei, so die Gruppe, gebe es noch keine Entscheidung des Verwaltungsgerichts zu dem geplanten Bürgerentscheid mit Bürgerbegehren "Vernünftige Erschließung des Baugebietes ,Am Herrenwald‘".

Der Hintergrund: Vor gut drei Jahren hatten sich die Pläne für die Erschließung eines etwa 100 Bauplätze fassenden Baugebiets am Flurgrundstück "Herrenwald" konkretisiert. Im Laufe der Planungen ergaben sich Streitpunkte, die bis heute in der Debatte stehen. So gibt es unterschiedliche Ansichten zur Verkehrserschließung (verschiedene Varianten), zur Größe des Baugebiets (Verkleinerung durch die Vertreter des Bürgerbegehrens gefordert), zur Abwasserentsorgung (Trennsystem) und zur Starkstromleitung (Verlegung würde rund zwei Millionen Euro kosten); ferner wird ein Entwicklungskonzept für die Altgemeinde gefordert, in der es noch etliche Leerstände sowie freie Bauplätze in Privathand gibt.

Zu der Anfrage der Vertreter des Bürgerbegehrens und den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern informierte Bürgermeister Horn auf Anfrage, dass er nie ein Hehl aus seinem Vorhaben gemacht habe. Erst müsse man sich einig werden, dann könne man überhaupt erst weitermachen mit dem Thema. Preisverhandlungen sind seiner Meinung nach grundsätzlich erst einmal nichtöffentlich und laufen im Hintergrund unabhängig von der Umsetzung des Vorhabens.

Die Vertreter des Bürgerbegehrens hegen die Befürchtung, dass die Grundstückspreise für einheimische Bauwillige zu hoch werden; verschiedene Kosten, wie beispielsweise die geplante Variante der Straßenführung im Anschluss an die Haselnussstraße seien noch ein unbezifferter Faktor. "Sicherlich wird dieses Straßenstück auch kostenmäßig kräftig zu Buche schlagen", merken die Bürgerbegehren-Vertreter an, die auch in der Konkurrenz durch finanzkräftige Investoren eine Gefahr für die einheimischen Häuslebauer sieht.

Ganz grundsätzlich informierte Bürgermeister Martin Horn, dass der Bebauungsplan "Am Herrenwald" in einer demokratischen Mehrheitsentscheidung aufgestellt worden sei und er sich als Bürgermeister im Sinne aller Ebelsbacher daran gebunden fühle. Das Gebiet zu verkleinern, sei keine Option. Freilich könne man darüber reden, dass die einzelnen Bauabschnitte etappenweise angegangen werden.

Bei der Frage der Straßenführung erläuterte Martin Horn seine Bemühungen. So habe er sehr wohl die Anbindung über die B26 beim Landratsamt prüfen lassen. Vor allem die Untere Naturschutzbehörde hatte hier gegen die Erschließung Bedenken erhoben. Freilich könnte man erschließen, hieß es dort, aber zu welchem Preis? Die dann nämlich durch den Naturschutz geforderten Ausgleichsmaßnahmen würden wirtschaftlich in keinem Verhältnis stehen.

Denn genau im Bereich der geplanten Erschließungsstraße von der Staatsstraße 2447 aus (ehemalige B26) durchquere die Zufahrt zum Baugebiet eine überaus wertvolle Naturschutzfläche. Bei der Begehung mit einem Vertreter des Bund Naturschutz erläuterte dieser dem Ebelsbacher Bürgermeister, worin der Wert liege: Einen solchen Magerrasenstandort in Verbindung mit seltensten Bergkräutern sei in dieser Kombination einzigartig und gebe es sonst nicht mehr im Landkreis Haßberge. Dementsprechend werde der Ausgleich in einem hohen Verhältnis angesetzt. Der Verlust an kostbarer Flora und Fauna müsse grundsätzlich gleichwertig ersetzt werden. "Es ist eine Frage des Geldes", betonte Horn und gab zu bedenken, "und dann käme ja die Anbindung und der Straßenbau mit gut zwei Millionen Euro noch on top". Im Blick auf solche Kosten sehe er sich als Bürgermeister allen Ebelsbachern verpflichtet.

Die Vertreter des Bürgerbegehrens wünschen sich nach wie vor eine gemeinsame und einvernehmliche Lösung, um das "Gleisenauer Nadelöhr" (die Anbindung des Baugebiets über die Haselnussstraße) zu entschärfen. Es könne nicht sein, dass alle Vorschläge mit "nicht machbar" von der Gemeinde abgelehnt würden.

Martin Horn sagte zu dem Vorwurf, die Gemeinde wolle sich über die 482 Befürworter des Bürgerbegehrens hinwegsetzen, dass er die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes durchaus abwarte und respektiere. Selbst wenn die Rechtskraft für den Bebauungsplan hergestellt sei, seien damit doch noch nicht Tatsachen geschaffen.

Auf Anfrage der Redaktion beim Verwaltungsgericht in Würzburg informierte Richter Philipp Hornung, dass die Klage seit März 2020 anhängig sei. Aber: "Ein Termin zu einer mündlichen Verhandlung ist in der Sache gegenwärtig noch nicht absehbar."

Einem weiteren Kritikpunkt der Vertreter des Bürgerbegehrens, die Gemeinde solle vor Ausweisung eines so großen und teuren Baugebietes doch erst einmal im Altgebiet die Verhältnisse sichten und klären, trat Horn entgegen: "Wir geben ein innerstädtisches Entwicklungskonzept in Auftrag", Angebote von verschiedenen Ingenieurbüros lägen vor und darüber werde der Gemeinderat im Frühjahr entscheiden.

Den Ausverkauf neuer Bauflächen an Auswärtige und ein hier gefordertes Einheimischen-Modell sieht Horn nicht als Problem: "Ich kann mir ein Einheimischenkonzept vorstellen", im alten Siedlungsgebiet galt, dass nicht mehr als 50 Prozent an Bauwillige von auswärts verkauft wurden. "Aber das muss der Gemeinderat entscheiden", so Horn.