Die Polizei verzeichnete im Großen und Ganzen einen sehr ruhigen Jahreswechsel. Allerdings kam es in Sand zu dem Einsatz eines Sondereinsatzkommandos. Die Nacht zum neuen Jahr war in der Gemeinde Sand ein wenig aufregender als in den meisten anderen Gemeinden. Dort nämlich war ein junger Mann offenbar in eine psychische Ausnahmesituation geraten und drohte, jemanden umzubringen und danach sich selbst. Das rief den Großeinsatz von Rettungskräften, Feuerwehr und die Polizei auf den Plan. Sondereinsatzkräften (SEK) gelang es am Ende, den jungen Mann unverletzt aus der verbarrikadierten Wohnung zu holen. Er wurde in das Bezirkskrankenhaus Werneck gebracht.

Daniel Seeburg, Leiter der Polizeiinspektion in Haßfurt war als Einsatzleiter vor Ort und berichtete von der Bedrohungslage: Der junge Mann hatte sich am Silvesterabend in seiner Wohnung verbarrikadiert und damit gedroht, jemanden umzubringen und sich selber etwas anzutun. Polizeikräfte versuchten nach Darstellung von Seeburg, dem Mann gut zuzureden und ihn zu bewegen, aus seiner Wohnung zu kommen. Das gelang aber nicht, und so entschloss man sich letztlich zu dem Zugriff durch Spezialeinheiten. Der Mann konnte schließlich unverletzt festgenommen werden und wurde "aufgrund fremdgefährdender Tendenzen in das Bezirkskrankenhaus Werneck gebracht", so Seeburg.

Die Polizeiinspektion in Haßfurt berichtete noch einen anderen Vorfall. So wurde in Haßfurt die nächtliche Ausgangssperre nicht beachtet. Im Industriegebiet Haßfurt wurden Einsatzkräfte der Polizei in der Nacht zum Donnerstag bereits durch überlaute Musik auf eine Privatfeier aufmerksam. Bei der Kontrolle konnten vier alkoholisierte Männer im Alter zwischen 33 und 38 Jahren angetroffen werden, die sich nicht an die derzeit gültigen Corona-Beschränkungen hielten. Die Verstöße werden an das Landratsamt Haßberge weitergeleitet.

Ferner gab es vor dem Silvesterabend drei weitere Fälle, bei denen die häusliche Quarantäne nicht eingehalten wurde: Bereits im Zeitraum vom 26. bis 29. Dezember kam es zu den Verstößen gegen die jeweils angeordnete Quarantäne. Die betreffenden Personen hielten sich im familiären Umfeld auf. Die jeweiligen Verfahren wegen Verstoßes gegen die derzeit gültige Infektionsschutzverordnung wurden eröffnet und dem Landratsamt Haßberge zur Ahndung vorgelegt.

Unterfränkische Bilanz

Das Polizeipräsidium Unterfranken berichtet in seiner Bilanz davon, dass sich der ganz überwiegende Teil der unterfränkischen Bevölkerung in dieser besonderen Silvesternacht erfreulicherweise an die Corona-Beschränkungen gehalten und der Polizei wenige Einsätze beschert hat. So werde diese Silvesternacht vielen als ausgesprochen ruhig in Erinnerung bleiben, hieß es. Das Einsatzgeschehen bezeichnete die Polizei als sehr ruhig. Die Straßen waren in den Nachtstunden menschenleer, die Aktivitäten hinsichtlich des Abbrennens von Pyrotechnik verschwindend gering. Trotz einzelner Verstöße gegen die Corona-Regeln kam es zu keinen größeren Menschenansammlungen. Die Gesamteinsatzzahl liegt mit rund 180 Einsätzen deutlich unter der der Vorjahre. Im vergangenen Jahr mussten die unterfränkischen Streifen zum Vergleich 314 Mal ausrücken, im Vorjahr wurden 317 Einsätze gezählt.

43 Mal wurden die unterfränkischen Beamten im Regierungsbezirk zu Ruhestörungen gerufen. Mit nur zwei Körperverletzungsdelikten und bislang keiner gemeldeten Sachbeschädigung ist die Zahl dieser Straftaten so niedrig wie wohl selten in einer Silvesternacht. Besonders erfreulich ist, dass nur fünf Verkehrsunfälle auf den Straßen passierten und nur eine Person leicht, aber niemand schwer verletzt wurde.

Die Hauptaufgabe der unterfränkischen Beamten lag somit darin, die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen zu kontrollieren. Insgesamt wurden in ganz Unterfranken rund 220 Verstöße festgestellt. Etwa 30 Mal musste das Fehlen eines Mund-Nasen-Schutzes beanstandet werden, rund 115 Anzeigen wurden wegen Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen aufgenommen Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen werden die Vorgänge der jeweiligen örtlich zuständigen Kreisverwaltungsbehörde zur weiteren Verfolgung und Ahndung vorgelegt.

Zwei Großbrände hatten Einsatzkräfte im Landkreis Kitzingen in der Nacht in Atem gehalten. In Feuerbach und in Kaltensondheim hatten jeweils Scheunen auf landwirtschaftlichen Anwesen Feuer gefangen.

Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Gelchsheim (Würzburg) hatten zwölf junge Menschen eine Party gefeiert. Ein 23-Jähriger hatte dabei an die 17- bis 23-Jährigen offensichtlich Betäubungsmittel verkauft. Die Polizei beendete mit Unterstützung der Operativen Ergänzungsdienste die Feier und ermittelt nun. Der Sicherheitsdienst der Ankereinrichtung in Geldersheim (Schweinfurt) hatte gegen 20 Uhr Hilfe gerufen, da eine Gruppe von 15 Personen ihre Feier nicht beenden wollte. Die Beamten leiteten auch hier Bußgeldverfahren ein. In Mensengesäß (Mömbris) hatte der Besitzer einer Bar am Donnerstagnachmittag für Gäste geöffnet. Trotz Belehrung schenkte er auch in der Silvesternacht aus. Die Polizei nahm ihn fest und leitete Bußgeldverfahren ein.