Die heißen Tage sind vorbei, es ist etwas kühler geworden, als Wolfgang Gnannt in seinem Büro in Ebern in der Nikolaus-Fey-Straße, welches im Gebäude der Schreinermeisterschule untergebracht ist, sitzt und schriftliche Arbeiten erledigt. Förster sind nicht nur in der Natur unterwegs, sondern auf häufig an den Schreibtisch gebunden.

Forstamtsrat Wolfgang Gnannt ist 55 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er ist Forstbeamter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt. Bei dieser Behörde gibt es zwei Abteilungen mit insgesamt zehn Forstrevieren, davon fünf im Landkreis Haßberge. Eines davon, das Forstrevier "Raueneck", leitet Wolfgang Gnannt. Sein Revier zählt 5900 Hektar und umfasst den Wald der Stadt Ebern, der Gemeinden Rentweinsdorf und Untermerzbach, sowie Staats- und Privatwald.

Der Forstbeamte war nach seinem Abitur zwei Jahre bei der Bundeswehr, bevor er im Jahr 1981 das Studium der Forstwissenschaft in Weihenstephan bei Freising begann und dieses im Jahr 1985 als Diplomforstingenieur FH erfolgreich abschloss. Es folgte ein Jahr Anwärterzeit bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung, die er am Forstamt Schweinfurt und in Schöllkrippen im Spessart absolvierte. Danach leitete er als Forstoberinspektor dreieinhalb Jahre die Forstdienststelle in Arnstein.

In den Jahren 1990 bis 1993 stellte sich der junge Forstbeamte den Herausforderungen der Auslandshilfe. Er folgte dem Ruf des Deutschen Entwicklungsdienstes (DEW) und ging mit seiner Ehefrau Petra drei Jahre nach Ostafrika in die Republik Ruanda. "Das haben wir natürlich gemeinsam beschlossen", sagt Petra, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, was auf sie zukommt.

Von Ebern in das afrikanische Ruanda sind es 6100 Kilometer Luftlinie. Es ist ein dicht bevölkerter Binnenstaat mit etwa zwölf Millionen Einwohnern. Hier geriet das Ehepaar Gnannt immer wieder zwischen Stammesfehden, die nach 1994 zum Bürgerkrieg ausarteten der letztlich eine Million Menschen das Leben kostete. "Als wir 1990 dort angekommen sind, war noch alles ruhig aber mit der Zeit wurde es gefährlich. Wir mussten dreimal evakuiert werden, um aus Gefahrenzonen zu kommen", sagt Petra Gnannt. In der Hauptstadt Kigali seien plötzlich Soldaten mit Handgranaten und Maschinenpistolen in ihrem Wohnzimmer gestanden. "Das war schon eine brenzlige Situation und ein recht mulmiges Gefühl", gesteht die Frau des Försters. Sie haben Tote und Verletzte gesehen.


Arbeit viel freier gestaltet

Trotzdem fiel es ihr nicht leicht, sich von Freunden zu verabschieden, als es zurück nach Deutschland ging. Auch Wolfgang Gnannt möchte diese Zeit nicht missen. "Es war eine Herausforderung, die ich gerne angenommen habe", sagt er.

Vor allem ist ihm positiv in Erinnerung, dass er seine Arbeit in Ruanda "total frei gestalten" konnte. Hier galt es Forstwirtschaft in kleinen Schritten zu betreiben. "Wenn ich in Deutschland eine Pflanzaktion vorhabe, bestelle ich mir die Pflanzen in einer Baumschule und lasse sie mir zeitgerecht liefern", sagt der Förster. In Ruanda mussten alle Pflanzen selbst gezogen werden was bei dem dortigen Klima mit gewissen Problemen verbunden war. "Wir hatten trotzdem eine Jahresproduktion von 500 000 Pflanzen", weiß der Forstmann. "Agroforst" hieß das Stichwort. Es galt, den Waldbau in die landwirtschaftlichen Kulturen zu integrieren, einen Gemeindeforstdienst aufzubauen. Der erste Sohn des Försters und seiner Ehefrau Petra, Philippe, wurde in Ruanda geboren.

Danach war Gnannt beim Forstamt in Ebern beschäftigt, welches 2005 im Zuge der Forstreform aufgelöst wurde. Seit das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt seine vorgesetzte Dienststelle ist, ist er im Forstrevier "Raueneck" in Ebern quasi "Dienstleister" für die Kommunen und den Privatwaldbesitzern.
"Gemeinwohlorientierte Beratung hat hier einen hohen Stellenwert", erläutert der Forstbeamte. Der Klimawandel stelle die Waldbewirtschaftung vor eine große Herausforderung. "Es gilt, die Wälder infolge der steigenden Temperaturen durch entsprechende Holzarten zukunftsfähig machen", sagt Wolfgang Gnannt. "Spannend", aber auch "ermunternd" ist es für ihn, mit Privatwaldbesitzern und deren verschiedenen Charakteren konfrontiert zu werden. "Manchmal hat man es schon mit rechten Querköpfen zu tun", schmunzelt er. Der Forstmann stellt klar: "Ich kann Kleinwaldbesitzer nur beraten und ihnen Empfehlungen geben. Was sie letztendlich davon umsetzen, ist ausschließlich ihre Angelegenheit".

Bei einem Förster darf natürlich auch die Jagd nicht fehlen. Landläufig wird der Beruf eines Försters häufig mit einem Jäger gleichgestellt. Nicht zu vergessen, dass die Waldbaupädagogik als gesetzlicher Auftrag im Waldgesetz verankert ist. Gerne nimmt der Forstmann deshalb auch Anfragen von Kindergärten und Schulen entgegen, um die Kinder mit der Vielfalt der Natur, ihren Pflanzen und Tieren und den Waldbau vertraut zu machen.
Seine Wurzeln, er stammt aus einer Schreinerfamilie, verbinden ihn auch eng mit der Schreinermeisterschule in Ebern, in der sein Büro untergebracht ist. Deshalb folgt er gerne dem Wunsch der Schule, angehenden Schreinermeisterinnen und Schreinermeistern zu Beginn ihres Semesters den Waldbau und die Ziele der Waldwirtschaft in einer mehrstündigen Exkursion näher zu bringen.


Mit Holz seit der Kindheit vertraut

Wenn Wolfgang Gnannt seine bisherige berufliche Laufbahn Revue passieren lässt, so sieht er sie insgesamt positiv. Dazu gehören vor allem auch die Herausforderungen, die ihm in Ruanda abverlangt wurden.
"Zu Hause hatten wir eine Schreinerei, sodass ich mit dem Stoff Holz schon in der Kindheit vertraut war", sagt Wolfgang Gnannt. Vielleicht war das, neben seinem Interesse an Natur und Wald Grund, den Beruf eines Forstmannes zu ergreifen. Bereut hat er diesen Entschluss bisher ganz offensichtlich nicht.