Die Sommerferien 2020 stehen vor der Tür, doch Corona hat Reisepläne platzen lassen. Viele Reisebüros stehen aktuell vor dem Problem, dass es kaum Neubuchungen gibt, so auch das Eberner Reisebüro "Touristik und Meer" und das Haßfurter Best-Franken-Reisebüro (wir berichteten).

Diejenigen Urlaubsreisen, die momentan gebucht werden, führen vor allem an die Nord- und Ostsee oder ins Allgäu. Der Trend geht also zu Inlandsreisen - die bergen aber auch ein Risiko. Laut den Reisebüroleitern könnte so beispielsweise im Allgäu die Ansteckungsgefahr steigen, da in der Region sehr viele Sommerurlauber aufeinander treffen. Eine Umfrage auf der Facebookseite des Fränkischen Tags Haßberge erfragte die generellen Urlaubsvorlieben der Nutzer – unabhängig von der Corona-Pandemie. Von den 66 Teilnehmern sprachen sich 35, also 53 Prozent, für einen Urlaub in der Heimat aus. Die restlichen Befragten gaben an, eine Reise ins Ausland sei ihnen lieber. Solche sind in den meisten Fällen wieder möglich. Mancher Auslandsbesuch birgt jedoch noch Hürden. So müssen sich Touristen in Italien etwa auf Gesundheitskontrollen einstellen oder vor der Griechenlandreise ein Online-Formular ausfüllen. Vereinzelt gibt es auch noch Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes (Türkei).

Absurder Mobilitätswahn (Kommentar von Sven Dörr)

Wir leben in der Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Gerade noch am Frankfurter Flughafen eingecheckt, sind wir Stunden später schon in einer anderen Zeitzone. Klingt spannend – ist es wahrscheinlich auch. Trotzdem ist es absurd, wie sich der Mobilitätswahn in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Die Welt unserer Urgroßeltern endete oft in der nächstgrößeren Stadt, während deren Urgroßeltern wahrscheinlich selten aus ihrem Dorf herauskamen. Dafür kannten sie noch ihre eigene Heimat und wussten diese auch zu schätzen. Ob das bei den Touristenschwärmen, die im Resort in der Dominikanischen Republik glauben, eine fremde Kultur zu erleben, auch der Fall ist, sei mal dahingestellt. Fernab der Umweltbelastung, die durch die ausufernde Fliegerei entsteht, stellt sich also die Frage, wieso die eigene Region oft so stiefmütterlich behandelt wird. Vielleicht verhilft ja Corona zu einer Bodenständigkeit, die erkennen lässt, dass der Campingurlaub am Brombachsee auch ganz nett sein kann.

s.doerr@infranken.de

Wenn das Fernweh einsetzt (Kommentar von Jutta Rudel)

Noch nie war es so einfach, so günstig und so komfortabel wie heute: das Reisen. Egal ob ins Nachbarland oder ans andere Ende der Welt - der nächste Urlaubsort ist nur wenige Klicks entfernt. Während frühere Generationen nur davon träumen konnten, gehört es heute einfach dazu, fremde Kulturen und Länder zu entdecken. Wer schon einmal vereist ist - oder es sogar von klein auf gewohnt ist - der weiß, wie sehr das Fernweh einen packen kann. Gerade jetzt in der Corona-Krise ist die Reiselust größer denn je. Es gilt: Vom Fernweh ist man erst geheilt, wenn das Heimweh einsetzt! Doch mit Blick auf den Kalender tröstet da nur der Gedanke an 2021. Natürlich kann dieser Sommer trotz storniertem Strandurlaub auch mit einem Ausflug ins Voralpenland schön werden. Aber dennoch fehlt da was, und zwar das ländertypische Essen, die Mentalität der Einheimischen, die Palmen und Kakteen - kurzum: das Gefühl, dem Alltag zu entfliehen. Und das kommt am ehesten, je weiter das Gewohnte weg ist.

j.rudel@infranken.de