Alfred Müller aus Junkersdorf ist 63 Jahre alt und im Rentenstand. Vor seiner Rente war er in der Behindertenarbeit am Zeilberg Maroldsweisach tätig und auch als Diakon Heimleiter in den Rummelsberger Anstalten in Ditterswind gewesen. "Verlorene Jahre" heißt sein Buch, welches im Jahr 2006 in erster Auflage mit 500 gedruckten Exemplaren erschienen ist. Im Jahr 2014 war die zweite Auflage fertig, von der 300 Stück gedruckt wurden.

Fund im Nachlass

"Als mein Vater Eduard im Jahr 1982 gestorben war, habe ich unter seinem Bett eine Kiste gefunden, die mir vorher nicht bekannt war", sagt der Autor. Neugierig, was sich darin verbirgt, begann er zu kramen. "Da habe ich eine Menge Feldpost gefunden, mit Briefen von meinem Vater in die Heimat, aber auch von meiner Mutter und Schwester an meinen Vater, während er im Krieg war", sagt Müller.
Das habe sein Interesse geweckt und schließlich kam ihm, ermuntert von Bekannten, der Gedanke, darüber ein Buch zu schreiben. Viel Vorarbeit war zu leisten. Alfred Müller hat die Briefe und Karten fein säuberlich chronologisch sortiert. Er lacht: "Da waren einige Räume in unserem Haus damit gepflastert, was meiner Frau nicht so gut gefallen hat."

Jedenfalls verfolgte er fortan sein Ziel, in einem Buch das Leben seines Vaters Eduard, vor allem in den Kriegsjahren, festzuhalten. Unzählige Stunden war er damit beschäftigt, mehrere Monate gingen ins Land, bevor das Konzept stand. "Unsere Nachbarin hat damals gefragt, ob ich überhaupt noch schlafen würde, wohl, weil sie in den Nachtstunden oft Licht bei uns gesehen hat", sagt Müller.

Unerfüllte Hoffnung

Schon kurz nachdem Eduard Müller 1939 seine Frau geheiratete hatte, wurde er eingezogen. Die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen, wie sie oft in den Zeilen mitschwang, blieb unerfüllt. Der Vater des Autors war als Soldat in Polen, Frankreich und Russland. Er sagte über den Krieg, dass dieser ihm und vielen anderen die besten Jahre genommen habe. Die Briefwechsel sind traurige Belege für diese Aussage. "Briefe, die von zu Hause an meinen Vater geschrieben wurden, stammen fast alle aus der Feder meiner Schwester Olga", sagt Alfred Müller. Allerdings stand als Absender stets seine Mutter drauf.

"Wie ich von ihnen erfahren habe und später auch selbst lesen konnte, stand in den Briefen manchmal auch etwas, was den Machthabern damals nicht schmeichelte", sagt der Autor. Dass Feldpost kontrolliert wurde, war nicht auszuschließen und wohl auch der Fall, meint er.

Direkt an der Front

In seinem Buch schildert er die Eindrücke seines Vaters aus dem 900 Tage belagerten Leningrad, die er im Mai 1942 niedergeschrieben hat. Was wichtig war drückte sein Vater wie folgt aus: "Erst kam die Munition, die wir kilometerweit schleppen mussten und dann erst die Verpflegung." Weiter schrieb sein Vater, dass von einem Bataillon mit 1000 Mann nur dreizehn ohne Verletzung waren. Auch von unsagbaren 50 Minusgraden berichtete sein Vater in die Heimat.

Späte Entdeckung

Aus dem Munde seines Vaters hat Alfred Müller von dessen Strapazen im Krieg relativ wenig erfahren. Erst als er nach dessen Tod im Jahr 1982 unter den Hinterlassenschaften die Briefe fand, bekam er einen erschütternden Einblick der vom Krieg geprägten Jahre seines Vaters.

In seinem Buch "Verlorene Jahre" ist das Schicksal von Eduard Müller exemplarisch für das, was auch viele andere in dieser Zeit ereilte, nachzulesen. Schon zahlreiche Lesungen hat der in Kraisdorf geborene Alfred Müller gehalten.

"Wer eine Antwort darauf haben möchte, warum wir Deutschen uns so leicht von Hitler mitnehmen ließen, bekommt sie in diesem Buch." Das schrieb ein Bekannter von Alfred Müller über sein Buch.

All jene, deren Interesse geweckt ist, können den Autor am Freitag, 8. Mai, um 19.30 Uhr in der Rathaushalle in Ebern hören. Der Eintritt ist frei.