+++ 11-Jährige Janina an Silvester erschossen: Urteil im Mordprozess

Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat Anklage wegen Mordes gegen den Mann erhoben, der in der Silvesternacht in Unterschleichach den Ermittlungen zufolge die elfjährige Janina erschossen hat. Das teilte Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch am Freitag mit.

In dem kleinen Ort Unterschleichach (Gemeinde Oberaurach) herrschte Anfang des Jahres das blanke Entsetzen: Deutschlandweit erregte der Fall um eine getötete Schülerin wochenlang Aufmerksamkeit, gerade in Hinblick auf den Ablauf der Tat: Der 53-jährige Roland E. hatte in der Nacht auf Neujahr mit einer Kleinkaliberwaffe auf eine Schülerin geschossen, weil er sich unter anderem durch den Böllerlärm vor seiner Haustür belästigt fühlte. Aus Wut hatte er von seinem Grundstück aus mit einer Pistole gezielt auf eine Personengruppe gefeuert. Janina, die aus dem Landkreis Bamberg stammt und bei Bekannten in Unterschleichach zu Besuch war, um mit ihnen Silvester zu feiern, wurde dabei von einem Projektil am Kopf getroffen und starb noch in der Nacht im Krankenhaus.


Ein Dorf im Ausnahmezustand

Tagelang herrschte Ungewissheit über den Ablauf der Tat, die Bewohner Unterschleichachs waren schockiert und fragten sich: War es ein Unfall, hatte jemand versehentlich das Mädchen getroffen, handelte es sich bei der tödlichen Kugel um einen Querschläger? Kaum jemand wagte anzunehmen, dass die Tat offenbar bewusst begangen worden war.

Schließlich ergaben aber die Ermittlungen einer 50-köpfigen Sonderkommission der Kripo Schweinfurt, dass der 53-jährige Roland E. mit voller Absicht auf die Personengruppe vor seinem Haus geschossen hatte. Der Mann hat ein Geständnis abgelegt und sitzt seit dem 13. Januar in Untersuchungshaft.

"Die umfangreichen Ermittlungen wegen des Tötungsdelikts, bei denen unter anderem mehrere Sachverständigengutachten eingeholt wurden, konnten Anfang Juli abgeschlossen werden", teilte nun Oberstaatsanwalt Rosenbusch mit.

Die Staatsanwaltschaft Bamberg sehe einen dringenden Tatverdacht, "dass der Angeschuldigte am 1. Januar 2016 gegen 1 Uhr vom Garten seines Anwesens in Unterschleichach mehrere Schüsse in Richtung einer Gruppe von zwei Frauen und vier Kindern abgab", heißt es in der Erklärung. Den Ermittlungen zufolge zündeten die Personen auf der Straße in der Nähe des Hauses des Angeschuldigten kleine Feuerwerkskörper. Davon in Rage gebracht, lief Roland E. in den Keller seines Hauses, holte dort einen Kleinkaliberrevolver und Munition, ging nach draußen in den Garten und feuerte die Waffe mehrmals in Richtung der Gruppe ab.

Einer der Schüsse traf die elfjährige Schülerin am Hinterkopf und verursachte tödliche Verletzungen. "Dies nahm der Angeschuldigte nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörde bei Abgabe des Schusses zumindest billigend in Kauf", erklärt Rosenbusch. Als Motiv sieht die Staatsanwaltschaft "Wut und Verärgerung des Angeschuldigten über seine persönliche Situation". Daneben fühlte er sich durch die Personengruppe vor seinem Haus gestört.


Niedrige Beweggründe

Weiter teilte die Staatsanwaltschaft mit: "Bei der Schussabgabe vermied es der Angeschuldigte nach seinen eigenen Angaben, dass er von Personen auf der Straße gesehen werden konnte. Das Tatopfer konnte nicht mit dem Angriff rechnen." Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat deshalb Anklage wegen "Mordes aus niedrigen Beweggründen und in heimtückischer Begehungsweise" erhoben.
 


Die Chronologie des Falls

31. Dezember 2015: Die Schülerin Janina M. (elf Jahre) besucht eine befreundete Familie in Unterschleichach und will dort ins neue Jahr feiern.


1. Januar 2016: Kurz vor 1 Uhr bricht Janina auf der Straße "Am Käppela" zusammen. Sie stirbt später im Klinikum in Schweinfurt an den Folgen einer schweren Kopfverletzung. Mediziner finden im Schädel des Mädchens ein Projektil aus einer Kleinkaliberwaffe.

2. Januar: Das Polizeipräsidium Unterfranken setzt eine Soko bei der Kripo Schweinfurt ein. 50 Beamte ermitteln. Es folgen Vernehmungen und Überprüfungen von Personen, die in der Nähe des Tatortes wohnen oder sich in der Silvesternacht dort aufgehalten haben, Hinweise werden geprüft.

4. Januar: In einem Video appelliert Janinas Mutter an den Täter, er solle sich stellen.
5. Januar: Die Soko richtet ein Zeugentelefon ein. Viele Menschen gedenken während Andachten in Unterschleichach und in Janinas Heimatort Burgebrach des toten Kindes.

7. Januar: Die elfjährige Schülerin wird auf dem Friedhof in Burgebrach beigesetzt.

8. Januar: Die Polizei schaltet im Internet einen Upload-Kanal für Fotos und Videos aus der Silvesternacht frei.

12. Januar: Es verdichten sich die Hinweise, dass es einen Tatverdächtigen gibt. Die offizielle Bestätigung einer Festnahme folgt am 13. Januar.

Juni 2016: Die Staatsanwaltschaft Bamberg teilt mit, dass im Fall Janina bald Anklage erhoben werden kann. Ein ballistisches und ein psychiatrisches Gutachten müssten noch abgeschlossen werden. Im Juli erfolgt dann die Anklage. pg/al