Es war ein missglückter Testlauf: Bei einem Versuchsaufbau, mit dem ein Verfahren für die Vorreinigung von Industriesalzen getestet werden sollte, ist es im Schaeffler-Werk in Eltmann zu einer folgenschweren Explosion gekommen. Das haben die Ermittler am Dienstag festgestellt.

Die Reinigungsanlage für Industriesalze war demnach von einem Dienstleister temporär in dem Werk in Eltmann bereitgestellt worden. Am Montag kam es dann gegen 10.15 Uhr zu der folgenschweren Explosion. "In der Filteranlage kam es zu einem technischen Defekt", erklärte Enrico Ball, Pressesprecher des Polizeipräsidiums (PP) Unterfranken. Dabei sei ein chemischer Prozess ausgelöst worden, bei dem sich explosive Stoffe gebildet hätten, so sei es schließlich zur Detonation gekommen.


Mehrere Verletzte

Laut Polizeipräsidium sind dadurch sieben Menschen so schwer verletzt worden, dass sie per Hubschrauber in Spezialkliniken und Krankenhäuser eingeliefert werden mussten. Zudem wurden weitere Mitarbeiter des Werks medizinisch versorgt, insgesamt "gehen wir von 13 Verletzten aus", sagte Ball.

Von Seiten des Unternehmens Schaeffler wurde mitgeteilt, dass es 23 Verletzte gegeben hat. Auf Nachfrage erklärte die Schaeffler-Unternehmenssprecherin Antje Müller, dass die unterschiedlichen Angaben wohl damit zu erklären seien, dass bei Schaeffler intern alle Mitarbeiter zu den Verletzten gezählt wurden, "die irgendeinen Kontakt zum Werksarzt hatten". Zum Zustand der Schwerverletzten äußerte sie sich zurückhaltend: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir über ihren derzeitigen Gesundheitszustand keine Auskunft geben können. Mit unseren Gedanken sind wir weiterhin bei den Betroffenen und ihren Angehörigen." Betroffene Mitarbeiter und Angehörige werden "umfassend werksärztlich und seelsorgerisch betreut".

Schaeffler hat laut Müller die Ermittlungen vollständig an die Staatsanwaltschaft abgegeben. "Schaeffler unterstützt die Ermittlungen vollumfänglich, um den Unfallhergang lückenlos aufzuklären." Die Untersuchungen seien komplex, mit baldigen Ergebnissen sei nicht zu rechnen. Weiterhin erklärte das Unternehmen, dass der Regelbetrieb wieder hergestellt sei. "Den Ausfall einer Anlage kann das nahe gelegene Werk Schweinfurt vollständig kompensieren." Am Standort Eltmann werden Wälzkörper produziert. Das Unternehmen beschäftigt dort rund 480 Mitarbeiter.


Gemeinsame Ermittlungen

Wie das Polizeipräsidium Unterfranken mitteilte, hatten am Dienstag das Gewerbeaufsichtsamt, die Berufsgenossenschaft, die Staatsanwaltschaft Bamberg, das Bayerische Landeskriminalamt und die Kriminalpolizei erste genauere Erkenntnisse zur Ursache des Unglücks gewonnen. Die Kripo Schweinfurt betreibt die weiteren Ermittlungen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft.

Dem Sachstand nach kam es im Zusammenhang mit dem Betriebsunfall zu keinerlei Austritten von Gefahrstoffen oder Ähnlichem und somit auch zu keiner Gefahr für die umliegende Bevölkerung, teilt die Polizei mit. Die Mitarbeiter im Werk Eltmann mussten am Unglückstag ihre Arbeitsplätze kurzzeitig verlassen, der Großteil der Beschäftigten kann mittlerweile seiner Arbeit wieder nachgehen.

Bei dem Vorfall am Montagvormittag waren neben der Betriebsfeuerwehr auch die Freiwilligen Wehren von Eltmann, Zeil, Ebelsbach, Sand und Kirchaich mit über 120 Einsatzkräften vor Ort, die von sechs Angehörigen des Technischen Hilfswerks unterstützt wurden.


Rettungsdienst mit Großaufgebot

Weiterhin war der Rettungsdienst mit einem Großaufgebot vertreten. Die örtlich zuständige Polizeiinspektion Haßfurt wurde bei den Sofortmaßnahmen von Beamten der Polizeiinspektion Schweinfurt, der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck und den Operativen Ergänzungsdiensten Schweinfurt unterstützt.