Eine "Krippewelle" zieht durch Zeil

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Klaus Kneuer bringt die Figuren auf einer seiner 30 Krippen in die richtige Position. Diese Darstellung hat sogar einen Wasserlauf.Christoph Wiedemann
Klaus Kneuer bringt die Figuren auf einer seiner 30 Krippen in die richtige Position. Diese Darstellung hat sogar einen Wasserlauf.Christoph Wiedemann
 
 
 
 
 
 
 
 

Eine Frage, die man sich in Zeil stellen kann: Was haben eine Apotheke, eine Redaktion, ein Schuhgeschäft und Klaus Kneuer gemeinsam?

"Der Bürgermeister Thomas Stadelmann hat schon gefragt, ob ich das heuer wieder mache", erzählt Klaus Kneuer freudestrahlend. Geantwortet hat er nur: "Thomas, ich kann dich doch nicht enttäuschen."

Wer Klaus Kneuer nicht kennt, der kennt aber höchstwahrscheinlich seine Krippen. Denn er ist der Krippenbauer, der jedes Jahr den Zeiler Krippenweg erstellt. Und die Vorbereitungen für dieses Jahr laufen auf Hochtouren, nachdem der Zeiler Bürgermeister von den Geschäftsleuten in Zeil gefragt wurde, ob denn in diesem Jahr wieder Krippen in die Läden gestellt werden.

Vor rund fünf Jahren kam Klaus Kneuer auf die Idee, die Geschäfte in Zeil mit seinen Krippen auszustatten. Da es einen ähnlichen Krippenweg in Haßfurt gibt, hatte sich der 65-Jährige gedacht: "Was die können, kann ich auch." Außerdem "habe ich einen riesen Spaß daran", berichtet er. Seinen Plan setzte er sofort in die Tat um und fragte die Geschäftsleute in Zeil. "Alle waren von der Idee begeistert" - und sind es bis heute.

Eine Woche vor dem ersten Advent beginnt Kneuer, die Krippen aufzubauen. Planung und Aufbau dauern nach seinen Angaben "so circa eine Woche", erklärt er. Aber die Zeit nimmt er sich gerne, um die Krippen kostenlos in die Schaufenster zu stellen. Der Krippenweg erstreckt sich von der Krumer Straße über den Marktplatz und der Langen Gasse bis in die Hauptstraße hinein. Es sind immer zwischen 15 und 18 Geschäfte, die eine Krippe bekommen.

Und dabei ist jede Krippe ein Unikat. Keine gleicht der anderen. Das liegt vor allem daran, dass Kneuer natürliche Baustoffe für seine Krippen nimmt. Das Gerüst einer Krippe besteht beispielsweise aus einer alten Wurzel und eine andere ist in ein Fass integriert. Auch Spanplatten, Weinkisten, Laternen oder Bilderrahmen dienen Kneuer für seine Krippen. "Vor mir ist nichts sicher und ich probiere immer was Neues aus."

Seine Rohstoffe für die Krippen findet er auf dem Wertstoffhof und in der Natur. Aber auch technisch haben seine Unikate einiges zu bieten. Jede Krippe ist individuell beleuchtet. Neben den vielen LED-Lichtern gibt es sogar Krippen, bei denen Lagerfeuer und Kamine Rauch ausstoßen.

Seine Leidenschaft für das Krippenbauen hat sich spontan entwickelt. "Als meine Kinder geboren wurden, haben wir eine Krippe gebraucht", erzählt der 65-Jährige. "Dann habe ich einfach gesagt: Ach komm, ich bau eine." Bei einer Krippe ist es dann aber nicht geblieben. Seitdem hat Kneuer unzählige Krippen gebaut. Aktuell stehen rund 30 Exemplare bereit.

Die Krippen können aber nicht nur von den Zeilern und Besuchern der Stadt am Main bewundert werden. Seit über 20 Jahren ist Klaus Kneuer auf Weihnachtsmärkten, wie beispielsweise in Kronach, unterwegs und verkauft seine weihnachtlichen Darstellungen. Ein Highlight war laut Kneuer der Weihnachtsmarkt in Himmelstadt. "Das ist da, wo das Christkind wohnt", erzählt der Rentner schmunzelnd.

Früher war seine Tochter immer mit auf den Weihnachtsmärkten. Mittlerweile steht er mit seiner Frau in den verschiedenen Buden. "Ich bin immer wieder glücklich, wenn ich sehe, wie den Leuten meine Krippen gefallen", berichtet Kneuer.

Im Moment geht Kneuer die Geschäfte für den Zeiler Krippenweg ab, um mit seinen Planungen zu beginnen. Wer bekommt wann welche Krippe? Wenn diese Fragen geklärt sind, nimmt die "Krippewelle" ihren Lauf.