"Ich bin ja schon ewig Mitglied im Biz, und meine Mutter hat mir beigebracht: Wer etwas nimmt, muss auch was geben", erzählt Klaus M. (Name von der Redaktion geändert), ehrenamtlicher Helfer im Biblio theks- und Informationszentrum (Biz) in Haßfurt. Damit ist er einer von Millionen, denen der "Tag des Ehrenamts" am 5. Dezember gewidmet ist - und doch nicht nur einer von vielen, denn Klaus M. kämpft mit einer psychischen Erkrankung, "und die Arbeit hier ist wieder ein Schritt zurück in die Normalität", erklärte er bei einem Treffen im Biz.

"Auch psychisch kranke Menschen haben Ressourcen, die im Laufe einer Betreuung nach und nach gehoben werden können", erklärt Birgit Hofmann-Betz. Die Sozialpädagogin leitet das sozialpsychiatrische Tageszentrum der Caritas in Haßfurt. Klienten wie Klaus M. finden hier "Tagesstruktur", sprich Hilfen, den Alltag wieder zu bewältigen.


"Ganz am Anfang meiner Erkrankung war ja schon Aufstehen eine Herausforderung", erzählt Klaus M. Dass er jetzt täglich ins Tageszentrum und zweimal die Woche ins Biz geht, um dort ehrenamtlich mitzuhelfen, ist für ihn ein enormer Fortschritt.

"Wir standen unserem neuen Helfer ganz offen gegenüber", so Amelie Ebert. Die Leiterin des Biz hatte sich über das Landratsamt auf die Suche nach ehrenamtlichen Unterstützern der Bibliothek gemacht. Dieser Aufruf erreichte auch die Caritas und Birgit Hofmann-Betz.

Reaktion auf die Not

"Die Caritas ist ja aus dem Ehrenamt entstanden", erzählt sie. Als Reaktion auf große Not gründete Lorenz Werthmann 1897 die erste ehrenamtliche Aktion der Caritas, die später mehr Struktur erhielt und Haupt- und Ehrenamt zusammenführte.

Im Biz gibt es allerhand Arbeit, die die Hauptamtlichen zeitlich manchmal sehr unter Druck setzt, etwa das Zurücksortieren der entliehenen Medien, oder auch das Folieren von Neuerwerbungen. Sehr engagiert und zuverlässig ging Klaus M. ans Werk, zunächst zwei Stunden, inzwischen acht Stunden in der Woche. Und - was er von sich selbst kaum erwartet hätte - er steht sogar an der Theke im direkten Kundenkontakt, denn " es muss immer was voran gehen", er arbeitet ständig an sich und seiner Erkrankung. Also "einmal tief durchatmen, und dann lief es gut", erinnert er sich an den ersten Theken-Einsatz.

Fortschritte, die Freude machen

Birgit Hofmann-Betz freut sich über solche Fortschritte. Genau dahin will sie mit ihren Hilfen im Tageszentrum. Hier üben psychisch kranke Menschen Dinge wieder ein, die ihnen die Bewältigung des Alltags erleichtern, tägliches Erscheinen, ergotherapeutische Unterstützung und die Auseinandersetzung mit der Gruppe. Ohne diese Basis hätte Klaus M. sein Ehrenamt im Biz niemals antreten können. Im Gespräch spürt man sein Engagement, denn "jeden Tag lerne ich was dazu".

Das Biz-Personal schätzt ihn als angenehmen und zuverlässigen Helfer - und Birgit Hofmann-Betz freut sich über den gelungenen Vorstoß, denn: "Auch psychisch kranke Menschen haben Ressourcen."