Das Adrenalin schießt durch die Adern. Jetzt kommt es auf jede Sekunde an! Von der Integrierten Leitstelle Schweinfurt (ILS) alarmiert, schallt das Einsatzstichwort "Rauch aus Fenster, Personen in Gefahr" aus dem Funkrufmelder. Die ehrenamtlichen Männer und Frauen der Feuerwehr Zeil stürmen aus ihrem Bett, in die bereitgelegte Einsatzkleidung hinein und ab geht es zum Feuerwehrgerätehaus. Sie werden dringend gebraucht, um Menschenleben zu retten.

In der Nacht zum Mittwoch war dieses Szenario gegen 1.30 Uhr Wirklichkeit geworden. Am Einsatzort in der Bamberger Straße stellte sich die Lage aber noch ernster dar, als zunächst angenommen. Auch Kreisbrandmeister David Amling sah schon bei seiner Anfahrt, dass wohl ein größerer Einsatz bevorsteht: "Wenn man in der Nacht dunkle Rauchwolken über dem Einsatzort erkennen kann, dann ist das Einsatzszenario sehr ernst."

Der Hauseingang des Mehrfamilienhauses und die rückwärtige Seite des Gebäudes standen bereits in Flammen . "Erste Priorität hatte für uns die Personenrettung", sagte Kommandant Tobias Hetterich, der auch die Einsatzleitung innehatte. Die Bewohner waren in Panik, standen am Fenster und riefen um Hilfe. Zwei Personen aus dem Obergeschoss wurden mit einer Steckleiter gerettet, während für eine andere Person im Dachgeschoss der Einsatz der Drehleiter notwendig war.

Alle drei Bewohner im Alter von 16, 19 und 59 Jahren erlitten eine Rauchgasinhalation. Sie wurden durch den Rettungsdienst sowie eine Notärztin medizinisch erstversorgt und anschließend mit zwei Rettungswagen zur weiteren Behandlung und Überwachung in eine Klinik eingeliefert. Lebensgefahr bestand nicht. Eine vierte Bewohnerin im Alter von 27 Jahren wurde ambulant behandelt.

Dass er sich auf sein Team verlassen kann, weiß Tobias Hetterich. Und auch das moderne technische Gerät und zweckmäßige Einsatzfahrzeuge sind in der Fachwerkstadt selbstverständlich vorhanden. Seit dem Notruf waren nur zehn Minuten vergangen, bis alle Bewohner gerettet und im Freien waren. Mit dieser großartigen Leistung konnten schwerere Verletzungen vermieden werden.

Dass es nicht sogar tödlich für die Bewohner endete, haben sie den Rauchmeldern in dem Wohnhaus zu verdanken. Der leise "Killer", nämlich das Kohlenmonoxid, könne vom Menschen mit keinem Sinnesorgan wahrgenommen werden, erklärte der Kommandant. Immer wieder gebe es Fälle, bei denen Menschen im Schlaf an der Vergiftung sterben, ohne sie vorher zu bemerken.

Auch zwei Hunde konnten durch die Bewohner rechtzeitig gerettet werden. Das Schicksal einiger Katzen, die sich im Dachgeschoss und im Keller befanden, war vor Ort allerdings ungewiss.

Der zweite Schritt galt der Brandbekämpfung. Die Flamen breiteten sich rasend schnell auf den gesamten Dachstuhl aus. Mit zwei Atemschutztrupps im Innenangriff , mehreren Strahlrohren von außen und insgesamt drei Drehleitern der Feuerwehren aus Zeil, Haßfurt und Ebelsbach wurde der Großbrand bekämpft. Die Flammen schlugen zum Teil meterhoch aus den Fenstern, dichte dunkle Rauchwolken stiegen über dem Wohnhaus auf.

Wegen der Ziegeleindeckung des Daches gestalteten sich die Löschmaßnahmen langwierig und schwierig. Das Dach musste teilweise abgedeckt werden, um an den Brandherd zu gelangen. Es dauerte mehrere Stunden, bis das Feuer unter Kontrolle war. Durch den massiven Löscheinsatz konnte ein Übergreifen durch Funkenflug auf benachbarte Wohnhäuser vermieden werden. Als schließlich in den frühen Morgenstunden der Vollbrand soweit gelöscht war, wurde ein Bagger mit Greifarm eines benachbarten Recyclingbetriebes eingesetzt, um das komplette Dach abzureißen. Dies war notwendig, um auch die letzten Glutnester ablöschen zu können.

Dass die Feuerwehrleute zusammenhalten, egal aus welchem Ort sie kommen, ist eine Selbstverständlichkeit für sie. Insgesamt 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Zeil, Schmachtenberg, Ziegelanger, Haßfurt, Ebelsbach und Sand kämpften gemeinsam gegen die Flammen . Zwei Fachberater des Technischen Hilfswerkes ( THW ) Haßfurt unterstützen die Feuerwehrkräfte mit ihrem umfangreichen Wissen in Sachen Bautechnik. Das Bayerische Rote Kreuz war ebenso mit einem Großaufgebot vor Ort: insgesamt fünf Rettungswagen aus Haßfurt, Hofheim, Eltmann und Zeil sowie zwei Notärzte aus Haßfurt und Hofheim.

Im Laufe des Einsatzes wurden zudem die ehrenamtlichen Schnelleinsatzgruppen Betreuung, Verpflegung und Transport nachalarmiert, die ihre Verpflegungsstation in der Lagerhalle eines in der Nähe liegenden Malerbetriebes aufbauten, dessen Inhaber unkompliziert seine Räume zur Verfügung stellte. Auch die Polizeiinspektion Haßfurt war mit Unterstützungskräften und mehreren Streifen im Einsatz. Noch in der Nacht kam auch die Kriminalpolizei zum Unglücksort, um mit ersten Ermittlungen zu beginnen. Offensichtlich ist das Feuer im hinteren Bereich des Hauses ausgebrochen. Die Ursache steht noch nicht fest.

Der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann eilte zum Einsatzort, um sich selbst ein Bild des Schadensausmaßes zu machen. Das Wohnhaus in der Nähe zum Bahnhof ist dem Stadtoberhaupt nach eigenen Angaben selbst bekannt; als Kind sei er des Öfteren dort gewesen. Das Haus dürfte nach Stadelmanns Worten aus der Zeit um die 1920er Jahre stammen.

Seinen ausdrücklichen Dank sprach der Bürgermeister allen Einsatzkräften aus, die Schlimmeres verhindert haben und 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für das Wohl der Allgemeinheit bereitstehen. Das sei bei weitem keine Selbstverständlichkeit, seine Freizeit zu opfern, so Stadelmann. Auch von den Investitionen in die Feuerwehr zeigte sich er sich überzeugt: "Jeder Cent, der in die Feuerwehr gesteckt wird, ist richtig investiert."

In diesem Zusammenhang erinnerte Kreisbrandinspektor Peter Pfaff, der gleichzeitig auch Zeils Dritter Bürgermeister ist, an die Diskussionen im Stadtrat, als es vor einigen Jahren um die Beschaffung einer neuen Drehleiter ging. Die Anschaffung des neuen Fahrzeuges sei schlussendlich die richtige Entscheidung gewesen. "Spätestens beim heutigen Einsatz hat sich unsere Drehleiter voll bezahlt gemacht", so Pfaff.

Die Löscharbeiten dauerten bis in die Mittagsstunden des Mittwochs. Gleichzeitig waren die Bamberger Straße und der Mittelweg im Bereich des Einsatzortes für den Verkehr komplett gesperrt. Nachdem das Dach des Hauses komplett abgetragen war, wurde noch einige Stunden eine Brandwache gestellt. Insgesamt waren somit die Floriansjünger über 13 Stunden gefordert.