Wenn Singschullehrerin Monika Schraut vor der Aufführung den Korb mit den Handys und Smartphones in die Mitte stellt, gibt es kein Halten mehr. 32 Kinder stürmen nach vorne, jeder will ein passendes Modell haben. "Ich will das rosafarbene, das man so hochschieben kann", sagt Elena, die die Hauptrolle im Musical spielen wird. "Ich brauch keins aus dem Korb, ich hab meins dabei", betont Fabian und zeigt gleich, dass er schon praxiserprobter Experte ist. Selina, die mit einem eigenen Song im Musical aufwartet, nimmt ihr eigenes Tablet aus der Tasche.

Praktische Helfer

Die Faszination der neuen Medien ist bei Kindern unübersehbar. Der Alltag ist längst nicht mehr denkbar ohne diese praktischen, technischen Helfer. Sie sind ein Segen, können aber auch ein Risiko für die Sicherheit oder ironischerweise ein Hindernis für soziale Kontakte sein.
Und genau darum ging es im beeindruckenden Musical "SMS für Timo Beil", welches die Singschule Monika Schraut am Samstag und Sonntag im Rudolph-Winkler-Haus in Zeil aufgeführt hat.

Flotte Finger

Timo (Elena Barth) sitzt mit seiner Familie (Elias Bartl, Maja Wöhrl, Selina Schorr) am Frühstückstisch. Vor lauter Ablenkung durch Laptop und Handy nimmt keiner den anderen wahr. Auch an der Bushaltestelle ist von den 15 Kindern, die da stehen, außer der gedämpften Musik aus den Kopfhörer und einem gelegentlichen "Hmm" oder "Oh Mist ..." nichts zu hören. Begegnung findet nicht statt. Im Unterricht, den jedes Kind an jeder beliebigen Stelle vom Handy abrufen kann, lernen die Schüler bei Frau Dr. Sims (Maria Minnich) und bei Miss App (Johanna Röth), wie man Zeit spart durch Abkürzungen und wie die Finger am flottesten zu trainieren sind.

Für was denn einen Schulhof?

Zwischendrin spielen die Kinder. Aber natürlich nicht auf dem Schulhof, sondern auf ihren Tablets. Die Zuschauer konnten diese Pausenaktivitäten "live" miterleben. Sie sahen die Magier aus "Clash of Clans", die voller Elan Feuerkugeln zur Explosion brachten. Ebenso flatterten die "Angry Birds" lustig über die Bühne. Die Uraufführung von "Big City Life" wurde im Musical von Samira Lembruch und Selina Schorr professionell präsentiert.
Als Timo ganz in sein Spiel vertieft über die Straße lief, wurde er von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Zum Glück hatten alle Kinder ihr Handy dabei. Schnell wurden die Polizei, der Notarzt und die Eltern informiert. Im Krankenhaus war Timo ebenfalls gut ausgerüstet mit allen möglichen technischen Geräten, und so machten sich die Ärztin (Lena Braun) und die Krankenschwester (Lena Wagner) auch keine Sorgen um den kleinen Patienten. Lediglich die Putzfrauen (Annabell Schneider und Anna Kunkel) schimpften über die heutige Jugend mit ihren Stöpseln im Ohr und überhaupt war früher natürlich alles besser. Anfangs freute sich Timo auch über die vielen SMS und E-Mails, die er bekam. Aber irgendwann wurde ihm bewusst, wie allein er war.

Direkter Kontakt

Das wurde dann auch das Thema am Familientisch. So toll diese Geräte auch sind, den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch können sie niemals ersetzen. Der Singschulchor wusste das und fand mit seinen Liedern "Mach mal Pause" und "Einfach nur da sein tut gut" einen guten Weg, mit den neuen Medien umzugehen. Einmal mehr honorierte das Publikum die Arbeit von Monika Schraut, die mit ihren Singschulkindern immer am Puls der Zeit ist, mit viel Applaus. rn