Der Landkreis will mit Genusswochen im Herbst das Bewusstsein und die Wertschätzung für Lebensmittel stärken sowie vor allem seine regionalen Erzeuger unterstützen. "Unsere Winzer, Brauer, Gastronomiebetriebe und natürlich auch unsere Naturpark-Rangerin bieten im September und Oktober getreu dem Motto ,Wild, Pilze und Früchte' ausgewählte Menüs und Erlebnisse an", sagte Landrat Wilhelm Schneider am Genusserlebnisweg in Kirchlauter und eröffnete damit die "Gönn-Dir!-Wochen" für Haßberge, Maintal und Steigerwald.

Die "Gönn-Dir!-Wochen" sollten bereits Ende März vom Verband Haßberge-Tourismus und der Vereinigung "Natürlich von hier - frisch auf den Tisch" starten. Der Naturparkverein Haßberge hatte geplant, das Jubiläum "50 Jahre Bayerisches Umweltministerium" mit einem Genusserlebnis-Tag in Kirchlauter zu feiern.

Als erstes deutsches Bundesland hatte Bayern im Dezember 1970 beschlossen, das erste Umweltministerium zu etablieren. Der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel hatte erklärt: "Die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch die zunehmende Technisierung der Welt und den unkontrollierten Egoismus der Einzelnen lässt es nicht zu, den Umweltschutz heute noch von den Ministerien gesondert unter den verschiedensten Teilaspekten wahrzunehmen." 1984 hat dann der Umweltschutz sogar Verfassungsrang erhalten.

Die Corona-Pandemie hat den Veranstaltern in Kirchlauter allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Deswegen sind wir froh, dass wir nun mit dieser Kooperationsveranstaltung die beiden Anlässe ,50 Jahre Umweltministerium' und ,Gönn-Dir!-Wochen' miteinander verbinden konnten. Als Partner haben wir uns die Gemeinde Kirchlauter mit ihren Vereinen mit ins Boot geholt," betonte Landrat Wilhelm Schneider.

Er gab seiner Freude Ausdruck, dass in dieser schwierigen Zeit zahlreiche Gäste der Einladung nach Kirchlauter gefolgt sind und damit ihr Interesse an der Stärkung der regionalen Erzeuger bekundeten. Darunter waren auch die Vertreter der Landkreise Schweinfurt, Rhön-Grabfeld und Bamberg. "Lassen Sie uns heute gemeinsam unsere wunderschöne Natur aus neuen Blickwinkeln erleben und erfahren, welche lokalen Erzeugnisse der Naturpark im Herbst bereithält. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher wird es immer wichtiger, wo und wie unsere täglichen Lebensmittel produziert werden. Ich bin sehr dankbar, dass es bei uns in den Haßbergen noch eine große Zahl an Direktvermarktern gibt, die alle Wert auf eine ökologische Landwirtschaft und qualitativ hochwertige Produkte legen."

Das schone die Umwelt, sichere Arbeitsplätze, stärke die heimische Wirtschaft und setze ein Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit. Kooperationen wie "Natürlich von hier - frisch auf den Tisch" hätten es sich zur Aufgabe gemacht, unter einem achtsamen Umgang mit Natur, Pflanzen und Tieren beste Lebensmittel zu produzieren. Diese Philosophie wolle man bewahren und weiter ausbauen, versicherte der Landrat.

"Die Region von den Haßbergen über das Maintal bis in den Steigerwald hat kulinarisch eine große Vielfalt an regionalen Lebensmitteln zu bieten. Wir haben feines Gemüse von den Feldern, frischen Fisch aus heimischen Gewässern, Rind und Schwein aus artgerechter Haltung und hervorragenden Frankenwein und Bier," stellte Schneider heraus.

Der Kirchlauterer Bürgermeister Karl-Heinz Kandler erinnerte daran, dass der Genusserlebnisweg in der Gemeinde vor zwei Jahren angelegt und im letzten Jahr eröffnet worden sei. Dies sei ohne Förderung geschehen bei Gesamtkosten von rund 120 000 Euro. Er wies darauf hin, dass das Projekt noch auf Altbürgermeister Peter Kirchner zurückgehe, der den Lehrbienenstand und die Streuobstwiese aufgebaut und den Genusserlebnisweg in die richtige Bahn gelenkt habe.

Die Naturpark-Rangerin Katja Winter nahm dann die Besucher in Kleingruppen mit auf einen Rundgang an der Streuobstwiese. "Streuobstwiesen sind von großem Wert und von besonderer Bedeutung für unsere Region. Sie beherbergen eine Vielzahl an seltenen Tier- und Pflanzenarten, prägen den Charakter von Landschaftszügen, sind aber auch interessant für Naturerholung und Naturbildung. Kurzum: Sie sind eine vielfältige Bereicherung unserer charmanten fränkischen Kulturlandschaft."

Wer zu Hause im Garten einen Beitrag leisten möchte für typische Streuobstwiesenbewohner wie fleißige, farbenfrohe und friedfertige Wildbienenarten, blattlausfressende Schwebfliegenarten, insektenfressende Spitzmäuse und schneckenfressende Igel, der schaffe für diese Tiere mit einer wenige Quadratmeter großen Wildpflanzen-Blühfläche, einem einheimischen Obstbaum, einem Laub- und Heckenschnitthaufen oder einer kleinen offenen Sandstelle einen wichtigen Lebensraum, sagte sie. Als extensiv genutzte Kulturlandschaftselemente hätten Streuobstwiesen demnach eine hohe Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität und für das Landschaftsbild im Landkreis, so Katja Winter. "Hochgradig durch fehlende Pflege- und Nutzungskonzepte gefährdet, stehen sie seit längerem im Fokus von Naturschutz-Bemühungen. So setzt sich der Naturpark Haßberge in einem Kooperationsprojekt mit dem benachbarten Naturpark Steigerwald seit diesem Jahr für den Erhalt lokaler Streuobstbestände ein."

Der Verein "Natürlich von hier - frisch auf den Tisch", ein Zusammenschluss von Gastronomen und Direktvermarktern, präsentierte unter Leitung von Ilse und Jochen Werner Produkte und wies auf die vielfältigen Genussangebote bei den "Gönn-Dir!-Wochen" hin, die über den ganzen Landkreis verteilt sind. "Der goldene Herbst im Naturpark steckt auch voller kulinarischer Köstlichkeiten."

Informationen zu den einzelnen Angeboten gibt es beim Verband Haßberge Tourismus, Marktplatz 1, in Hofheim, erreichbar über die Homepage www.hassberge-tourismus.de.