Ein schöner Brauch ist es zu Beginn der Adventszeit, eine kleine Krippenlandschaft aufzubauen und damit bildlich nachzuvollziehen, wie sich die Geburt Jesu ereignete und was das Weihnachtsfest bedeutet. Das ist genau die Zeit, in der die Krippenbauer in vielen Orten auf den Plan treten. Zu finden sind diese Begeisterten dann höchstens in ihrer Werkstatt, beim Aufbau oder Umbau ihrer Krippen. Das gilt auch für Herbert Bayer aus Kirchlauter, der seit mehr als 30 Jahren seinem Hobby als "Krippenbauer" frönt.

Schon immer fasziniert vom weihnachtlichen Geschehen

Der heute 55-Jährige ist von Beruf Straßenwärter beim Landkreis Haßberge. Handwerkliche Arbeiten bereiteten ihm schon immer viel Freude. Mit der Geschichte der Geburt kam er schon im Kinder- und Jugendalter in Berührung.
"Ich kann mich noch gut entsinnen, dass ich bei Krippenspielen mitgemacht habe und dabei meist in die Rolle des heiligen Josef oder des ersten Hirten geschlüpft bin."

Noch vor seiner Heirat hat er schon die erste Krippe gebaut und diese mit Stolz am Weihnachtsfest seiner Freundin Heidi präsentiert. Als seine beiden Kinder geboren waren, bekam natürlich die Weihnachtskrippe eine neue Bedeutung, und das Hobby wurde immer intensiver. Wichtig sei es für ihn dabei gewesen, dass die Krippe nicht isoliert irgendwo im Haus stand, sondern die Kinder in der Weihnachtszeit auch damit spielen konnten; so konnten sie die Geburtsgeschichte nachspielen.

Im Dienste des Kindergartens

Da war es für ihn ganz selbstverständlich, dass er auch für den Kindergarten Krippen baute, die dann auf dem Basar oder beim kleinen Weihnachtsmarkt zugunsten Vereinskasse verkauft wurden. Das Interesse an Krippen wurde immer intensiver, auch Verwandte und Freunde sprachen ihn als den Spezialisten an. Herbert Bayer baute nun alle Jahre neue Krippen und ging mit diesen auch auf kleine Weihnachtsmärkte. "In den Wintermonaten wurde das für mich zu einem richtigen Ausgleich, zumal es ja auch heißt: Wer rastet, der rostet", meinte der Kirchlauterer.

Mit diesem Hobby sei er in Kirchlauter aber nicht alleine gewesen. Auch Heinz Söldner habe sich im Krippenbau sehr engagiert und lange mitgebaut. Bei Ausstellungen im Gemeindezentrum, in anderen Räumen oder auch in Königsberg hätten auch Karl Gehring oder H. Pratscher gerne mitgewirkt, erinnerte Bayer sich. Ebenso habe er für die Krippe in der Kirche von Neubrunn Änderungen vorgenommen.

Weltweit gibt es die unterschiedlichsten Darstellungen der Krippe oder des Hirtenstalles als Scheune oder Höhle. Und diese Entwicklung vollzog sich auch bei Herbert Bayer. "Meine erste Krippe bestand aus Rinde und Holz. Aber dann bevorzugte ich eine Zeitlang auch Fachwerkkrippen, weil ich gerade unseren fränkischen Baustil damit einbauen wollte. Als ich mich dann mehr mit der biblischen Geschichte beschäftigte und mir die Identität mit dem Heiligen Land und dem Geburtsort als Stall oder Höhle wichtig wurde, schlug sich das auch in meinen Krippen nieder. Ich baue sie deswegen heute mit Naturmaterialien aus Holz und Wurzeln und einer Art Höhle."

Materialien aus der Natur

Zu Anfang bot ihm die Natur viele Materialien, denn oft dienten knorrige Baumrinde oder manchmal Baumschwämme als Kulisse. Bei seinen Spaziergängen durch den Wald stieß er dabei öfter auf schöne Stücke, die sich wunderbar für den Krippenbau anboten. Dazu kommt, dass er einen eigenen Wald hat und beim Holzmachen mit der Motorsäge so manches Unikat findet; das sägt er heraus und nimmt es zum Trocknen mit nach Hause, wie er weiter plaudert "Mit der Zeit bekommt man dafür sogar ein Gefühl und ein Auge und verbindet das Holz schon mit der nächsten Krippe."

Aber auch aus alten Hölzern von Häusern, Eichenbrettern von Fußböden oder Dachböden fertigt der Kirchlauterer seine Krippen. Manchmal wird er dabei von Leuten angerufen, die solches alte Holz besitzen und ihn fragen, ob er nicht Verwendung dafür habe. Das freut ihn natürlich sehr.

Das Kribbeln stellt sich bei ihm Anfang November ein: Spätestens dann zieht es ihn zum Krippenbau in die Garage und in den Keller. Da lagern, ganz klar, viele Utensilien für die Krippe.

Bayer lässt dann seiner Fantasie freien Lauf und er berücksichtigt dabei die geschichtlichen Hintergründe für die Gestaltung der Geburtsszene.
Es braucht seine Zeit, bis alle Teile ihren Platz gefunden haben. Bis alles ausgeschmückt und passend beleuchtet ist.

Bayer bilanziert: "Früher haben sich mehr die älteren Bürger dafür interessiert. In letzter Zeit werden auch gerne von Jugendlichen zwischen zwölf bis 15 Jahren Krippen gewünscht, die sogar ihr eigenes Taschengeld dafür hernehmen. Sie sagen dann, dass sie ihre eigene Krippe haben wollen. Eine andere Gruppe sind noch ältere Frauen, für die früher in der eigenen Familie die Krippe einfach zu Weihnachten dazu gehörte. Manche von ihnen sind nun allein und möchten deswegen in ihrem Zimmer oder in ihrer Wohnung auch eine Krippe haben." Auf diese Weise hat Herbert Bayer nach eigenen Schätzungen nun schon mehr als 100 Krippen gebaut.

Eine wunderbare Zeit

Die Weihnachtszeit ist für den Krippenbauer Herbert Bayer eine wunderbare Zeit. Er geht bei seinem Hobby in sich. Und ist aber auch anderweitig unterwegs. Zum Beispiel seit fast vier Jahrzehnten als St. Nikolaus. Die Kirchlauterer bestellen ihn gerne mal zu einer Feier, und natürlich hat Nikolaus Herbert dann auch Gedichte und den ein oder anderen passenden Vers für für die Kinder im Gepäck.

Weihnachten ist zwar vorbei, doch die Krippe bleibt noch präsent: Jetzt kommen die Heiligen Drei Könige immer näher. Auch ein Grund, das Krippenbild zu verändern.

Auf dem Land ist es oft noch Brauch, dass die Weihnachtszeit erst an Mariä Lichtmess endet, 40 Tage nach der Geburt Jesu. Das wiederum ist im Hause Bayer nun nicht so: Die Krippenzeit endet unmittelbar nach dem Dreikönigstag. Dann wird die Krippe abgebaut, die Figuren bekommen ihr Plätzchen in kleinen Schachteln - bis bei Herbert Bayer im Monat November wieder das Kribbeln in den Fingern kommt.