Im Jahr 2015 feierte der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) Altenstein sein 50-jähriges Bestehen. Damals und bis Anfang des Jahres 2020 war alles in Ordnung, alles ging seinem geregelten Gang. Viele, auch große Gruppen, verbrachten dort in der heute einzigen Jugendherberge im Landkreis Haßberge ihre Freizeiten, Familien kamen, um einige Urlaubstage zu verbringen. Durch die Pandemie ist der Umsatz des Vereins jedoch enorm eingebrochen.

"Heuer werden wir ein Defizit von etwa 120 000 Euro haben", sagt Jürgen Grell, Hausleiter der evangelischen Einrichtung. Bei Nennung dieser Summe blicken Wolfgang Kettler, Vorsitzender des Vereins, und Vorstandschaftsmitglied Alfred Müller betrübt drein. Die Pandemie hat die Finanzen des CVJM erheblich strapaziert, ein großes Loch in den Haushalt gerissen. Jürgen Grell runzelt die Stirn und sagt: "Uns fehlen heuer circa 300 000 Euro an Einnahmen." Wie er weiter erläutert, wurden in normalen Jahren 15 000 bis 16 000 Übernachtungen registriert. "Heuer hatten wir gerade mal 4200, was für uns ein enormer Verlust ist," bedauert der Hausleiter.

Rücklagen müssen herhalten

Der Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Kettler, ergänzt und sagt: "Unser CVJM lebt derzeit nur von Rücklagen, die wir bisher erwirtschaftet haben und die eigentlich für einen bereits beantragten Umbau als Eigenanteil gedacht waren." Schon beim ersten Lockdown war die Einrichtung für längere Zeit komplett geschlossen. Als wieder ab Juli bis Anfang November offen war, sei die Belegung relativ schlecht gewesen. Die Leute und Gruppen hätten storniert, wohl aus Angst wegen Corona. Große Gruppen konnten aufgrund vorgegebener Abstandsregelungen nicht mehr angenommen werden oder hätten sich gar nicht erst angemeldet.

Nothilfe vom Staat

"Bisher hat der CVJM in Altenstein vom Sozial- und Familienministerium Bayern als Notmaßnahme für kleinere Träger sozialer Einrichtungen 10 000 Euro erhalten", sagt Jürgen Grell. Weiter gab es Überbrückungshilfen von 4845 Euro und aus einen Sonderprogramm für Kinder und Jugendliche 48 000 Euro. Kurzarbeitergeld wurde in Höhe von 38 440 Euro gezahlt. Beantragte Überbrückungshilfen von 38 500 Euro für die zeit von September bis Dezember 2020 sind noch nicht eingegangen.

Ein Problem für den Verein, der 130 Mitglieder zählt, ist, dass er keine staatlichen Zuschüsse erhält, weil der Ortsverein Träger ist. "Wir müssen unseren Betrieb selber finanzieren, es gibt keine Fördergelder, als örtlicher Träger fällt man durch die Raster", sagt der Vorsitzende, Wolfgang Kettler und fährt fort: "Auch wenn das Haus zu ist, haben wir monatliche Fixkosten von etwa 20 000 Euro, weil Unterhalt und Sozialleistungen weiterlaufen."

Bisher gerate man noch nicht an die Grenzen der Existenz, weil viele Arbeiten von Ehrenamtlichen erledigt würden. Kettler meint, für die nächsten zwei Jahre seien die Aussichten für den CVJM düster, dann aber werde ein Run einsetzen, weil der Bedarf da ist. Er befürchte, dass manche Häuser diese Phase nicht überleben werden, sei sich aber sicher, dass sich die geplante Umbaumaßnahme auf die Angebote in altensteinpositiv auswirken wird."

"Eine Berufung"

Kettler: "Auf unserem Haus liegt eine Berufung, es ist ein Glaubenswerk und Gott wird das sicher nicht zurückziehen. Mit seiner Hilfe werden wir das Haus weiter führen können."

Das Personal, es gibt beim CVJM Altenstein fünf Vollzeit- und drei Teilzeitstellen, geht in Kurzarbeit. Weiter gibt es noch drei Mini-Jobs und einen Bundesfreiwilligen, der dort beschäftigt ist.

Vorstandsmitglied Alfred Müller bat bisher zur Weihnachtszeit immer um Spenden für eine gemeinnützige Einrichtung. "Diesmal", so sagt er, "bitte ich um Spenden fürs Haus, damit irgendwann unser Betrieb wieder anrollen kann." Wer dem CVJM finanziell über die schwierige Zeit helfen möchte, kann dies mit einer Geldzuwendung tun. Bankverbindung: Sparkasse Ostunterfranken, IBAN: DE 16 79351730 0000 8606 56