Deadhorse ist nur ein toter Gaul

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Die Alaska-Tour führte Manfred Wagner (links) und Dietmar Roth weit über den Polarkreis hinaus. Foto: Manfred Wagner
Die Alaska-Tour führte Manfred Wagner (links) und Dietmar Roth weit über den Polarkreis hinaus.  Foto: Manfred Wagner
Mitten in den schneebedeckten Brooks Range sehen die Radler diesen Ziegenbock. Foto: Manfred Wagner
Mitten in den schneebedeckten Brooks Range sehen die Radler diesen Ziegenbock. Foto: Manfred Wagner
 
In den Wäldern Alaskas leben jede Menge Elche. Foto: Manfred Wagner
In den Wäldern Alaskas leben jede Menge Elche. Foto: Manfred Wagner
 
In den Wäldern Alaskas leben jede Menge Elche. Foto: Manfred Wagner
In den Wäldern Alaskas leben jede Menge Elche. Foto: Manfred Wagner
 
Der Dalton Highway in Alaska gilt als eine der gefährlichsten Straßen weltweit. Foto: Manfred Wagner
Der Dalton Highway in Alaska gilt als eine der gefährlichsten Straßen weltweit. Foto: Manfred Wagner
 
Scheu laufen diese beiden Karibus durch die Tundra. Foto: Manfred Wagner
Scheu laufen diese beiden Karibus durch die Tundra. Foto: Manfred Wagner
 
Immer wieder kommt es zu riesigen Waldbränden in Alaska. Foto: Manfred Wagner
Immer wieder kommt es zu riesigen Waldbränden in Alaska. Foto: Manfred Wagner
 
Ufo, Fata Morgana oder Wolke? Das Gebilde am Horizont der Tundra entpuppte sich als kleiner Hügel. Foto: Manfred Wagner
Ufo, Fata Morgana oder Wolke? Das Gebilde am Horizont der Tundra entpuppte sich als kleiner Hügel. Foto: Manfred Wagner
 
Immer wieder passieren die Radler Waldgebiete, über die eine Feuerwalze zog. Foto: Manfred Wagner
Immer wieder passieren die Radler Waldgebiete, über die eine Feuerwalze zog. Foto: Manfred Wagner
 
Urwüchsig und kraftstrotzend. Hoch im Norden Alaskas leben diese Moschusochsen. Foto: Manfred Wagner
Urwüchsig und kraftstrotzend. Hoch im Norden Alaskas leben diese Moschusochsen. Foto: Manfred Wagner
 
Ein Blau, wie man es nicht alle Tage sieht: Blick auf einen Bergsee in Alaska. Foto: Manfred Wagner
Ein Blau, wie man es nicht alle Tage sieht: Blick auf einen Bergsee in Alaska. Foto: Manfred Wagner
 
Wilde Schönheit. Die Brooks Range im Norden Alaskas faszinieren durch unberührte Natur. Foto: Manfred Wagner
Wilde Schönheit. Die Brooks Range im Norden Alaskas faszinieren durch unberührte Natur. Foto: Manfred Wagner
 
Sogar einen Polarfuchs kriegt Manfred Wagner vor die Linse! Foto: Manfred Wagner
Sogar einen Polarfuchs kriegt Manfred Wagner vor die Linse! Foto: Manfred Wagner
 
Für die Arbeit im Permafrostboden bedarf es spezieller Maschinen wie diesen Zahnradbagger. Foto: Manfred Wagner
Für die Arbeit im Permafrostboden bedarf es spezieller Maschinen wie diesen Zahnradbagger. Foto: Manfred Wagner
 
Brutstätten: Ausgedehnte Feuchtgebiete sorgen im Sommer für ständige Mückenschwärme. Foto: Manfred Wagner
Brutstätten: Ausgedehnte Feuchtgebiete sorgen im Sommer für ständige Mückenschwärme. Foto: Manfred Wagner
 
Appell an die Autofahrer: Ein Herz für Enten. Foto: Manfred Wagner
Appell an die Autofahrer: Ein Herz für Enten. Foto: Manfred Wagner
 
Radlers Albtraum: Große Trucks wirbeln jede Menge Staub auf. Foto: Manfred Wagner
Radlers Albtraum: Große Trucks wirbeln jede Menge Staub auf. Foto: Manfred Wagner
 
Wilde Schönheit. Die Brooks Range im Norden Alaskas faszinieren durch unberührte Natur. Foto: Manfred Wagner
Wilde Schönheit. Die Brooks Range im Norden Alaskas faszinieren durch unberührte Natur. Foto: Manfred Wagner
 
Achtung: Elche kreuzen die Straße! Die beiden Radler begegneten vielen Tieren, nur Bären ließen sich nicht blicken. Fotos: Manfred Wagner
Achtung: Elche kreuzen die Straße! Die beiden Radler begegneten vielen Tieren, nur Bären ließen sich nicht blicken. Fotos: Manfred Wagner
 
Herausforderung: Um die langen und steilen Anstiege zu bewältigen, braucht man eine gute Kondition. Foto: Manfred Wagner
Herausforderung: Um die langen und steilen Anstiege zu bewältigen, braucht man eine gute Kondition. Foto: Manfred Wagner
 

Der Holzhäuser Manfred Wagner und Dietmar Roth aus Suhl radelten quer durch Alaska. Wichtiger als ihr Ziel war die faszinierende Natur, die sie erlebten.

Von Anchorage im Süden zum Eismeer im Norden weit jenseits des Polarkreises - diese faszinierende, aber auch strapaziöse Radtour meisterte der Holzhäuser Manfred Wagner (60) zusammen mit dem aus Suhl stammenden Dietmar Roth (75). Beí Minusgraden krochen sie frühmorgens schlotternd aus ihren Schlafsäcken und Zelten, ein wild fauchender Schneesturm sorgte über Nacht für eingefrorene Schaltungen und Bremsen, unzählige steile Anstiege und Abfahrten in der Form von Sinuskurven forderten äußerste Willensanstrengung, Kraft und Energie.

Doch das Wetter in Alaska ist extrem unbeständig: Einen Tag später überfielen bei 20 Grad plus Schwärme von Moskitos die schwitzenden Abenteurer, dann wieder blockierten kilometerlange Schlamm- und Schotterpisten die Räder und röhrende, überholende Trucks nebelten sie mit dichten Staubwolken ein - auf dem berühmt-berüchtigten, legendären 1#googleAds#100x100 Dalton-Highway von Alaska, der als eine der gefährlichsten Straßen der Welt gilt, geht Radeln nur auf die harte Tour.

Da es auf dieser nicht asphaltierten Piste ohne Leitplanken und Standstreifen so gut wie keine Versorgungsmöglichkeit gibt, mussten die die beiden Lebensmittel und Wasser für eine knappe Woche mit sich schleppen. "In the Middle of Nowhere" (wörtlich: Mittendrin im Nirgendwo), sagen dazu die Amerikaner. Wer hier die Straße verlässt, begegnet auf Wochen oder Monaten keiner Menschenseele.


Natur pur

Der Weg der beiden Vagabunden schlängelte sich durch menschenleere, riesige und abwechslungsreiche Landschaften: Feuchtgebiete der Taiga mit unzähligen verkohlten und verkrüppelten Sumpftannen, ausgedehnte Birkenwäldchen, tiefe Schluchten mit reißenden Bächen, schneebedeckte Berge der Brooks Range und schließlich die öde, unwirtliche und baumlose Landschaft der Tundra, wo der Permafrost herrscht. Wer Natur pur liebt und ein Ohr für den Ruf der Wildnis hat, ist hier richtig.

Auf dem 800 Kilometer langen Highway gibt es nur einen Stopp mit Restaurant und Zimmer: Coldfoot (wörtlich: Kaltfuß). Meist in Sichtweite verläuft die Trans-Alaska-Pipeline, durch die das im Nordpolarmeer geförderte Öl in den Süden gepumpt wird. Unterwegs überquerten die Pedalritter zahlreiche Bäche wie den Bonanza- oder den Desaster-Creek. Die Namen erinnern an den Goldrausch im 19. Jahrhundert.

Aus nächster Nähe beobachteten sie schaufelbewehrte Elche, schneeweiße Bergziegen, scheue Karibus und zottelige Moschusochsen. Nur Schwarzbären und Grizzlys ließen sich nicht blicken. Zum Glück, denn mit Meister Petz ist nicht zu spaßen. Jeden Abend deponierten die Radfreaks ihre Vorräte einige Hundert Meter entfernt von ihren Zelten - Bären haben einen ausgeprägten Geruchssinn! Und ein Tete-a-tete mit einem solchen Raubtier kann böse enden! Wer will schon als "Meal on Wheel" (wörtlich: Essen auf Rädern) enden?


20 Sonnenstunden am Tag

Gewöhnungsbedürftig war, dass es praktisch überhaupt nicht dunkel wurde. Jenseits des Polarkreises bleibt es um die Jahresmitte immer hell - was an schönen Tagen zu 16, 18 oder 20 Sonnenstunden führt! Nahe des Yukon-Rivers begegnete das Duo dem jungen Belgier Weking van Reeth. Dieser läuft täglich unter dem Motto: "Ein Mann, ein Kontinent" einen Marathon. Auf diese Weise will er in 18 Monaten ganz Nord- und Südamerika durchlaufen - nach 25 000 Kilometer ist Ushuaia in Argentinien sein Ziel. Für die beiden Deutschen aber hieß das Ziel Deadhorse.

Diese Ortschaft mit einer Handvoll Einwohnern besteht fast ausschließlich aus Industrieanlagen und einem Camp, das die Arbeiter des Ölfeldes am Eismeer von Prudhoe Bay versorgt. Als die Radler erschöpft und verdreckt, aber glücklich und stolz dort ankommen, erkennen sie schnell: Bei dieser grandiosen Abenteuerreise war tatsächlich der Weg das Ziel - touristisch gesehen ist Deadhorse bloß ein toter Gaul!