Was viele nur von Bildern oder aus Landkarten kennen, fremde und weit entfernte Länder, hat Nina Cichon aus Unterpreppach, die jetzt in Reutlingen lebt, mit ihrem Lebensgefährten,Sebastian Volk live gesehen. Sie sind Weltenbummler und haben viele Länder bereist. Schon als Kind war Nina Cichon von Tieren begeistert; sie wollte Elefanten, Zebras und Löwen in freier Natur sehen. Das Ziel hat sie in die Tat umgesetzt.

Dass die zierliche junge Frau sich in Länder wagt, in die andere Menschen nicht einmal mit Begleitschutz hin möchten, sieht man der heute 38-jährigen nicht an. Nina Cichon ist 1982 in Coburg geboren und in Unterpreppach im ehemaligen Pfarrhaus aufgewaschen. Dort lebte sie mit ihrem Bruder Daniel und ihren Eltern Elisabeth und Klaus Cichon, der schon verstorben ist. Im Eberner Stadtteil verbrachte sie ihre Kindheit und Jugendzeit. Sie gehörte der Jugendblaskapelle Unterpreppach an. Nach ihrem Abitur am Friedrich-Rückert-Gymnasium Ebern hat sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt Klarinette studiert. Derzeit wohnt sie mit ihrem Lebenspartner in Reutlingen, ist freischaffende Musikerin, Musiklehrerin und Dirigentin. "Seit ich den Kilimanjaro zum ersten Mal auf einem Poster gesehen habe, hatte ich den Traum, ihn einmal zu besteigen", sagt Nina Cichon. Von ihrem ersten verdienten Geld nach dem Studium ist sie mit Sebastian Volk nach Tansania geflogen. "Wir haben es tatsächlich auf den 5895 Meter hohen Gipfel geschafft", schildert sie. Jetzt war sie endgültig von fremden Kulturen, atemberaubenden Landschaften, freundlichen Menschen, den Tieren und Afrika infiziert. "Das Reisefieber ließ mich nicht mehr los", sagt die Berufsmusikerin.

Nina Cichon überlegt und sagt: "Wir waren bisher in Marokko, Tansania, China, Nepal, Kenia, Türkei, Ägypten, Botswana, Südafrika, Peru, Uganda, Ruanda, Sambia, Israel und in Palästina. Außerdem in Schottland, Korsika, Schweden, aber das sind ja Länder, die nicht so fern sind." Fortbewegungsmittel haben sie in den Ländern viele ausprobiert. "So zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel, die in vielen Ländern sehr abenteuerlich sind; wir hatten Mietautos, Motorräder, sind per Anhalter oder mit Fahrrädern gefahren, haben uns zu Fuß oder mit dem Kanu fortbewegt", sagt Nina Cichon. Stolz ist die junge Frau, dass sie und ihr Partner nun ein eigenes Auto mit Dachzelt haben.

"Da man für das Reisen natürlich auch Geld braucht, haben wir im Studium erst einmal mit kleineren Reisen in Europa angefangen und waren kostengünstig viel mit dem Zelt und zu Fuß unterwegs. Generell versuchen wir, immer möglichst nah an den Menschen zu sein, das heißt, wir reisen wie die Einheimischen. Auf diese Weise bekommt man am meisten von dem Land und dem Leben mit. Natürlich ist das nicht so bequem wie eine durchorganisierte Pauschalreise, aber dafür viel interessanter", sagt Nina Cichon.

Wie viele Kilometer sie in den Ländern zurückgelegt haben, hängt auch damit zusammen, wie sie unterwegs waren. "Mit dem Rad waren es etwa 800 Kilometer von Uganda nach Ruanda, mit Mietwagen in Kenia, Botswana und Sambia vielleicht jeweils 1500 Kilometer, wandernd so durchschnittlich 120 bis 150 Kilometer und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln waren es meistens Überlandreisen, also etwa 500 Kilometer. "Die Hitze im afrikanischen Busch und die Feuchtigkeit im Regenwald machen uns nichts aus, dafür aber die Höhe am Kilimanjaro, in den Anden und im Himalaya. Das darf man nicht unterschätzen und muss sich viel Zeit zum Anpassen lassen", sagt die frühere Unterpreppacherin.

Außerdem waren sie auf dem Annapurna Circuit, einem Fernwanderweg, in Nepal in der kleinen Monsunzeit zu Fuß unterwegs, was manchmal durch die schlammigen oder überfluteten Wege und wegen der vielen Erdrutsche nicht einfach war. "Bis auf die üblichen Durchfallerkrankungen, wenn man einheimisches Essen von den Buden am Straßenrand isst, hatten wir öfters die Höhenkrankheit", erklärt Nina Cichon. Am Kilimanjaro hatten sie mit heftigen Kopfschmerzen und Übelkeit zu kämpfen, zum Glück war alles am nächsten Morgen vorbei und sie konnten weiter.

"Wir hatten einige gefährliche Begegnungen mit Elefanten in Afrika. In Uganda waren wir alleine mit einem geliehenen Auto im Queen-Elisabeth-Nationalpark unterwegs, als plötzlich eine aggressive Gruppe von jungen Elefantenbullen vor uns stand. Offenbar hatten wir sie erschreckt und der eine kam direkt auf uns zugerannt. Wir sind langsam rückwärts gefahren, was auf unbefestigten Wegen nicht leicht ist, und hofften, dass er das als Rückzugssignal erkennen würde. Er hat uns leider weiter gejagt, aber nach einiger Zeit zum Glück das Interesse verloren. Wenn Elefanten wirklich wollen, dann hat man mit dem Auto keine Chance", weiß Nina Cichon. Sie ist froh, dass nichts passiert ist.

Generell versuchen sie und Sebastian Volk, sich immer an Grundregeln zu halten. Dazu gehört, nie im Dunkeln zu reisen und auf die eigene Intuition zu hören. Vergessen wird sie nie die erste längere Wanderung, als sie völlig untrainiert in Schottland den 154 Kilometer langen Westhighland Way gewandert sind. "Weil wir viel zu viel Gepäck dabei hatten, waren wir nach sechs Tagen völlig entkräftet. Auch noch untrainiert, aber besser ausgerüstet, sind sie und ihr Freund auf dem GR 20 in Korsika, der als einer der schwierigsten Wanderwege Europas gilt, unterwegs gewesen. In Schweden waren sie eine Woche mit dem Kanu auf Seen auf Tour, ohne ein menschliches Wesen zu Gesicht zu bekommen.

Gerne denkt die junge Frau an Marokko zurück, wo ihre Mutter Elisabeth dabei war und sie auf Eseln in der Wüste geritten sind. "Wir verbrachten dort Silvester, das Flair mit der orientalischen Musik war ein Erlebnis." Tansania bezeichnet Nina Cichon als Highlight, als sie bei Sonnenaufgang auf dem 5895 Meter hohen Gipfel des Kilimanjaro standen. Acht Tage hat der Aufstieg gedauert, bei dem sie von Guides und Trägern begleitet wurden. "Das Problem am Kilimanjaro ist, dass es in den oberen Camps keine Wasserquelle mehr gibt und so muss das ganze benötigte Wasser hochgetragen werden", erläutert die 38-Jährige.

In Nepal haben sie und Sebastian Volk freundliche und gelassene Menschen getroffen, die trotz ihrer Armut immer fröhlich waren. "Die Dörfer auf unserer Wanderung auf dem Annapurna-Rundweg waren kunterbunt, da jedes Haus eine andere, grelle Farbe hatte, was automatisch immer gute Laune gemacht hat. Das Beeindruckendste, was ich überhaupt je gesehen habe, waren der Himalaya mit seinen Achttausendern und die Kraft, die diese Berge ausstrahlen." Dorthin möchte sie auf jeden Fall noch einmal. "Auf der Rückreise aus dem Gebirge sind wir mit einem öffentlichen Bus in einem vom Monsunregen überfluteten Bachlauf steckengeblieben. Wir musste dann alles ausladen und der Bus wurde von einem Bagger, der zufällig in der Nähe war, herausgezogen."

In Peru hatte die Fluggesellschaft ihr gesamtes Gepäck verloren, weshalb sie ohne Hilfsmittel über vier Wochen auskommen mussten. "Das hat mir gezeigt, wie wenig man eigentlich braucht", so Nina Cichon.

Mit dem Rad durch das Land der tausend Hügel klingt auf den ersten Blick, als sei das eine verrückte Idee, sagt Nina Cichon im Nachhinein von ihrem Trip in Uganda und Ruanda. Dort gab es Kontakt mit Einheimischen und Kindern, die noch nie weiße Menschen gesehen hatten. Oft wurden sie umzingelt und konnten nicht weiterfahren. "Als wir einmal unsere geplanten Tageskilometer nicht geschafft haben, es dunkel wurde und weit und breit keine Schlafmöglichkeit in Sicht war, haben einige Dorfbewohner ein Polizeiauto organisiert und uns zur nächsten Unterkunft gefahren."

Die bisher letzte Reise führte an Weihnachten mit ihrer Mutter Elisabeth und ihrem Partner Sebastian nach Israel und Palästina, wo sie mit dem Mietauto quer durch das Land gefahren sind und natürlich die Highlights wie Jerusalem, Bethlehem das Tote Meer besucht haben. "Wir hatten Glück, denn kurz danach waren die Grenzen dicht", sagt Nina Cichon.

Diesen Sommer wollten sie von Costa Rica nach Panama mit dem Rad fahren, das ist jedoch der Pandemie zum Opfer gefallen. Deshalb sind sie in Tschechien, Slowakei, Ungarn und in Slowenien unterwegs gewesen.

Was ist geplant? "Viel", sagt Nina Cichon und lacht: "Äthiopien, Indien, Südamerika und der Iran stehen auf dem Plan, aber wir werden jetzt erst einmal ein Jahr Auszeit nehmen und dann mit dem Auto, für das wir gerade ein Dachzelt gekauft haben, die Ostroute von Reutlingen nach Kapstadt fahren. Mal sehen, was dann alles wieder möglich sein wird."

Globetrotterin Nina Cichon zieht ein Resümee über ihre Reisen und sagt: "Ich möchte keine der Reisen missen. Wenn du in Ländern warst, andere Kulturen, Lebensweisen und Lebensanschauungen kennengelernt hast, die Armut gesehen hast, die es gibt, ändert sich deine Sichtweise zum Positiven. Man sieht, wie wenig manche Menschen brauchen, um zufrieden zu sein. Es stellt sich die Frage, ob der Überfluss, wie er hier vorhanden ist, immer nötig ist. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Themen wie Rassismus in der Gesellschaft oder Folgen des Klimawandels, die man in diesen Ländern viel deutlicher zu sehen bekommt, ist es wichtig, seinen Horizont zu erweitern, um im eigenen Leben oder an der eigenen Einstellung etwas zu ändern. Jede Gesellschaft kann voneinander lernen."