Der verbale Schlagabtausch ist nicht ihr Ding. Die beiden CSU-Landratskandidaten pflegen einen manierlichen Umgang miteinander - und dennoch flogen beim "Vorstellungsgespräch" im Rahmen des Jahresabschluss-Essens der Kreisverbandes der Jungen Union im Gutsgasthof Andres "die Fetzen".

Besser gesagt: Es handelte sich nur um zwei Kleidungsstücke, denn als der Maroldsweisacher Bürgermeister Wilhelm Schneider ganz leger in Jeans und Pulli eintraf, legte auch Horst Hofmann schnell Sakko und Krawatte ab. 1:0 für Schneider, ansonsten endete die Veranstaltung aber unentschieden.

Es sollte eine Standortbestimmung werden, bei der sich die CSU-Nachwuchspolitiker ein Bild von den Kandidaten machen wollten.
Allen voran JU-Kreisvorsitzender Sebastian Stastny (Ebern), der gleich zu Beginn ankündigte, dass er nach sechs Jahren nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung steht, da er sich stärker auf seine berufliche Tätigkeit - als Gymnasiallehrer - konzentrieren wolle. Stastny: "Politik lebt vom Wechsel, deswegen sollte keiner an seinem Stuhl kleben."

Zusammen Fußball gespielt

Ein Wink an die beiden Kandidaten? Wohl kaum. Die präsentieren sich beide als Teamplayer, spielten auch schon zusammen in der Kreistags-Fußballmannschaft. Auch wenn sie den Schulterschluss nicht suchten, war der Umgang miteinander mehr als fair. Sie ähneln einander zu sehr.

Horst Hofmann (56) erinnerte daran, dass er als Neunjähriger zusammen mit dem Großvater schon CSU-Wahlplakate geklebt habe, Wilhelm Schneider (54) verwies auf seine Wurzeln in der Jungen Union. Beide präsentierten sich als Fans von Jesserndorf, das sich wehrhaft gegen den demografischen Wandel stemme. Ein Thema, das Alexander Ambros als Fraktionssprecher der Jungen Liste besonders bewegt: "Ich finde es toll, dass dieses wichtige Problem bei beiden Kandidaten angekommen ist."Ambros sprach auch andere Problemfelder an. Etwa die Einführung des gelben Sacks, die beide Aspiranten für möglich erachteten, wenn "es sich rechnet".

Peter Stretz stellte die Notwendigkeit von drei Krankenhäusern in Frage, wobei Wilhelm Schneider den Nahversorgungsauftrag in den Vordergrund stellte - und: "unser Sorgenkind ist das Haus in Ebern". Weitere Sorgenfalten dürfte dem künftigen Landrat auch das Eberner Hallenbad bereiten, wobei Wilhelm Schneider vom bisherigen Standort abrückte. "Ein Alternativstandort wäre besser, weil dann auch die Schulen mehr Platz hätten."

Antworten bleiben vage

Von Fabian Weber nach der ersten Amtshandlung für Ebern befragt, blieben beide Anwärter vage. Horst Hofmann ließ eine Landkreis-Versammlung als Bürger- und Kundenbefragung anklingen, woran sich Schneider flugs anschloss.

Den Kirchlauterer Bürgermeister Jochen Steppert indes drückten Geldnöte. "Der Kreis muss bei seinem Haushalt auf die Kommunen schauen und nicht Projekte auf den Weg bringen, die keiner will und braucht."
Dazu verwies Wilhelm Schneider auf eigene Erfahrungen. "Als Bürgermeister bin ich da vorbelastet." Horst Hofmann regte an, von der einen oder Ausgabe im Sozialbereich Abschied zu nehmen. Denn: "Unsere Kreisstraßen brauchen wir ja."

Am Ende der fast zweistündige Gesprächsrunde bilanzierte der scheidenden JU-Kreisvorsitzender, dass "wir schon lange nicht mehr so inhaltsstark diskutiert haben."