Im Prozess vor dem Amtsgericht Haßfurt konnte zwei Angeklagten der Handel mit Betäubungsmitteln nicht nachgewiesen werden. Allerdings wurden sie wegen Besitzes von Drogen in nicht geringer Menge vom Schöffengericht verurteilt.

Ein 34-jähriger Angestellter erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten sowie eine Geldauflage von 1500 Euro. Sein mitangeklagter Lebenspartner, ein 38-jähriger Diplomingenieur, wurde zu zehn Monaten Freiheitsstrafe und einer Geldauflage von 3000 Euro verurteilt. Beide kommen aus dem Landkreis Haßberge.
Die beiden Angeklagten hatten in ihrem Haus eine professionelle Cannabisaufzuchtanlage. Auf die Schliche war ihnen die Polizei gekommen, wie der ermittelnde Beamte in seiner Zeugenaussage darlegte, weil ihre Adresse gefunden wurde bei der Durchsuchung eines Shops, der Cannabis-Samen vertreibt.

Daher klopfte die Kripo Schweinfurt im Dezember 2014 an die Tür der Angeklagten.
Wie der Sachbearbeiter der Polizei schilderte, wurde in allen Räumen des Hauses Cannabis gefunden, insgesamt 766 Gramm. Zu handeln bestritten die beiden Angeklagten jedoch. Sie räumten auf den Vorhalt von Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch ein, regelmäßig Cannabis konsumiert zu haben.


Angeblich als Schmerzmittel

Der Angestellte begründete den Anbau damit, dass er Schmerzen mit Cannabis lindern wollte. "Ich wollte nicht ständig Chemie in mich stopfen, und Cannabis hat mir besser geholfen als Arzneimittel." Das wurde vom Lebensgefährten bestätigt, der nicht glücklich war, dass Cannabis angebaut wurde. Deshalb habe es Unstimmigkeiten gegeben, bestätigten beide den Vorhalt von Rechtsanwältin Anette Ditzel, die den Diplomingenieur vertrat. So etwa zwei Jahre wurde in der Wohnung Cannabis angebaut.

Ein Polizeibeamter schilderte detailliert, was in der Wohnung der Angeklagten in einem Ort im Maintal vorgefunden wurde. Der Ermittler: "Ich habe den Eindruck, dass die Angeklagten das Marihuana trotz der relativ großen Menge nur zum Eigengebrauch nutzten."

Der Beamte erklärte, dass keine Hinweise gefunden wurden, die auf Handel schließen ließen. Auf Nachfrage von Rechtsanwalt Werner Weber, der den Angestellten verteidigte, sagte der Polizeibeamte, dass bei der die Auswertung der Handys oder PCs der Angeklagten keine rauschgifttypischen Hinweise gefunden wurden und auch keine Hinweise auf polizeibekannte Rauschmittel-Konsumenten.

Die Portionstütchen habe man zu Hause, um das Cannabis frischzuhalten, sagte der 34-Jährige auf Frage von Richterin Ilona Conver.


Andere Anklagen

Alles habe sich wie in der Anklage dargelegt bestätigt, sagte der Oberstaatsanwalt in seinem Plädoyer. Lediglich die rechtliche Würdigung stelle sich nach der Beweisaufnahme anders dar. Er beantrage, die Angeklagten nicht wegen Handels mit Betäubungsmitteln, sondern wegen Besitzes in nicht geringer Menge zu verurteilen.

Für den 34-Jährigen beantragte er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zur Bewährung, sowie eine Geldauflage von 1500 Euro. Für den 38-Jährigen forderte er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten zur Bewährung und eine Geldauflage von 3000 Euro.

Die Verteidiger gingen mit der dem Antrag hinsichtlich des Tatvorwurfs konform. Rechtsanwalt Weber forderte jedoch für seinen Mandanten ein Jahr und vier Monate. Rechtsanwältin Ditzel sah für ihren Mandanten einen minderschweren Fall und beantrage im Urteil an der untersten Grenze zu bleiben. Im Schlusswort sagte der 34-Jährige: "Ich habe schon mal bessere Entscheidungen getroffen, ich weiß, dass ich was falsch gemacht habe."

Sein Lebensgefährte nannte es "die schlechteste Entscheidung meines Lebens".

Die Geldauflage muss der 34-Jährige an den Kindergarten St. Martin Limbach bezahlen, der 38-Jährige muss an die Tafel in Haßfurt bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.