Im Januar blickte die Brauwirtschaft optimistisch in die Zukunft. Seit Mitte März ist das anders, weil das gesellschaftliche Leben durch Corona nahezu erlahmte, Volks- und Vereinsfeste abgesagt wurden sowie Gaststätten und Biergärten schließen mussten. Das bedeutete erhebliche Umsatzeinbußen.

Natürlich sind die Brauereien nicht in gleicher Weise von der Krise betroffen, manche haben außer ihrer Braustätte noch eine traditionelle Wirtschaft oder Biergarten. Überall kam der Fassbier-Absatz aber fast völlig zum Erliegen - weil es keine Feste mehr gab und der Gastro-Zapfhahn trocken blieb.

Gut also, wer ein zweites Bein mit Flaschenbierabfüllung hat, Märkte beliefern kann oder sich über seine treue Stammkundschaft freuen darf.

Wie ist es den Brauereien im Landkreis Haßberge ergangen? Wir haben uns umgehört.

Privatbrauerei Wagner

Am Ausstoß gemessen ist die "Privatbrauerei Wagner" aus Eltmann-Eschenbach mit 90 000 Hektolitern die größte Brauerei im Landkreis, der Absatz läuft zu rund 80 Prozent über die verschiedenen Flaschenbiersorten. "Bei uns ist der Einbruch mit rund 20 Prozent moderat, er betrifft fast ausschließlich das Fassbier. Hier lief sechs Wochen fast nichts. Wir bringen unsere Biere aber in Flaschen deutschlandweit über den Handel auf den Markt, auch in die neuen Bundesländer. Dort bot sich für uns die glückliche Lage, dass der Absatz viel früher wieder angelaufen ist", schildert Braumeister Karl Wagner die Situation. Deswegen sei man von der Krise auch nicht so betroffen, weil Feste und Veranstaltungen keine so große Rolle spielen. "Wir haben auch keine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder entlassen müssen. Wir haben nur Überstunden oder Urlaubstage abgebaut."

Brauerei Hartleb

Ganz anders ist es bei der "Brauerei Hartleb" in Maroldsweisach, die seit 200 Jahren und in der sechsten Generation von der Familie geführt wird. Hartleb füllt das Bier nicht in Flaschen ab, sondern in Partyfässern, in Siphons oder mitgebrachten Gefäßen. Der Hauptumsatz erfolgt also in der eigenen Gaststätte, die für ihr Bier und ihre Bratwürste bekannt ist. Diese war wochenlang geschlossen - und hat erst seit gestrigem Donnerstag wieder geöffnet.

Den Einbruch beim Bierbrauen beziffert Gunther Hartleb auf 50 Prozent, der Rückgang des Gesamtumsatzes liege sogar bei 70 Prozent. "Die Stimmung war schlecht", gibt der Brauereibesitzer zu. Man habe allerdings über den Verkauf außer Haus am Wochenende etwas aufzufangen versucht.

Dass er seine Gaststätte mit Biergarten so lange geschlossen halten musste, dafür hat er eine klare Begründung. "Der Staat macht zu hohe Auflagen. Diese erfordern viel mehr Mitarbeiter, was nicht mehr wirtschaftlich ist. Außerdem sind unsere Ordnungshüter auch nicht mehr gastwirtschaftsfreundlich. Man traut sich ja gar nichts mehr zu machen, weil man Strafen befürchten muss. Katastrophal ist diese Situation für unsere elf Mitarbeiter, die teilweise Urlaub nahmen oder in Kurzarbeit geschickt werden mussten."

Seit gestern sind nun Gaststätte und Biergarten wieder offen, auch deshalb, weil es gerade seine Mitarbeiter gewünscht haben. Sie wollen und müssen wieder Geld verdienen.

Brauerei Raab

Auch in der Brauerei Raab in Hofheim ist der Umsatz beim Fassbier völlig eingebrochen. "Wir müssen schauen, dass wir über die Runden kommen. Es ist eine schwierige Situation mit enormen Einbrüchen in der Gastronomie, bei den Vereinen und durch die fehlenden Vereinsfeste", sagt Besitzer Michael Raab, der sich nicht vorstellen kann, dass man in diesem Jahr noch größere Feste feiern könne.

In der Brauerei habe dies entsprechende Auswirkungen auf die Personalsituation mit neun Mitarbeitern und einem Auszubildenden, die teils in Kurzarbeit mussten. Soforthilfe habe man beantragt und bekommen, "aber das ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein".

Beim Blick in die Zukunft geht Raab davon aus, dass sich einiges verändern werde und man nicht wisse, wie es weitergehe und wann wieder ein normaler Zustand eintrete. "Dennoch darf man deswegen den Kopf nicht in den Sand stecken. Mit unserem Heimdienst haben wir einiges aufgefangen und auch der Hausverkauf ist gut gewesen. Dabei haben uns die Kunden spüren lassen, dass sie uns und ihre regionale Brauerei unterstützen wollen."

Brauerei Scharpf

Mit rund 1000 Hektolitern ist die "Brauerei Scharpf" aus Heilgersdorf ein kleiner Familienbetrieb, den die Schließung der Braugaststätte und der wochenlange Blick in den leeren Gastraum besonders trafen. Brauer Werner Scharpf gesteht ein: "Anfangs haben wir sehr schwarzgesehen. Dann hat es sich aber besser als gedacht entwickelt. Wir wollen trotz der prekären Lage zufrieden sein. Das Jahr werden wir schon rumkriegen." Während es in der Gaststätte voll durchgeschlagen habe und der Hauptumsatz weggebrochen sei, habe man jeden Tag Hausverkauf angeboten. "Dazu mussten wir jedoch entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten von 80 bis 90 Prozent Fass-Nutzung diesmal alles in Kleingebinde und Literflaschen abfüllen, was nicht einfach gewesen ist. Das geht nur, wenn die ganze Familie mithilft."

Kunden und Gäste hätten das honoriert, ihnen spricht Scharpf ein großes Lob aus. "Die Leute sind kontinuierlich gekommen, fast kein Stammgast hat gefehlt. Sie haben viel Bier in Flaschen und Kästen geholt und sagten: Wenn wir schon nicht ins Wirtshaus dürfen, trinken wir unser Bier eben daheim." Die Bewirtung in der Gaststätte habe mit der Lockerung sehr verhalten begonnen, "weil die Gäste sich wegen der Ansteckungsgefahr lieber draußen aufhalten wollten oder auch ihre Probleme mit der Maskenpflicht hatten. Manche meinten sogar, wir wollen sie mit den Masken ärgern." Hier sei es erst besser geworden mit der Öffnung des Biergartens oder jetzt mit der Ausdehnung auf Treffen bis zu zehn Personen.

Adler-Bräu

Dass die "Adler-Brauerei" in Stettfeld ganz gut durch die Krise gekommen ist, liegt daran, dass man zu 95 Prozent Flaschenbier abfüllt. "Die Biergebinde und Kästen gehen in Märkte. Viel setzen wir über unseren Heimdienst ab, bei dem wir mit drei Autos in den Landkreisen Haßberge und Bamberg unterwegs sind. Auch der Hausverkauf ist gut gelaufen. Unsere Kunden haben ihr Bier direkt von der Brauerei geholt und im eigenen Garten getrunken", zieht Braumeister Norbert Merklein eine positive Bilanz. Etwas anders hat es sich in der Gaststätte und im Garten verhalten. "Als wir wieder öffnen durften, konnten wir nur wenige Plätze für das Essen im Innenbereich anbieten."

Ähnlich war es im Biergarten, wo es wegen der Masken etwas zögerlich anlief. "Schade ist es jetzt in den Sommermonaten bei schönem Wetter, dass einige größere Fest mit unserem Adler-Bier ausfallen. Es wäre schön, wenn das Verbot der größeren Veranstaltungen doch in naher Zukunft wegfallen würde", hofft Merklein. Anmerkung: Anfragen an die Brauerei Göller in Zeil blieben unbeantwortet.